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Erhöhte Erdbebengefährdung: Hochempfindliches elektronisches Instrument wird installiert

Auf dem Saxerrietgelände wird die geplante Starkbebenstation mit einem Bohrloch von 100 Meter installiert. Diese ist darauf ausgelegt auch grössere Bodenbewegungen aufzuzeichnen.

Heidy Beyeler
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Mit einem Spezialgerät wird auf dem Gelände der Strafanstalt Saxerriet ein Bohrloch von 100 Meter Tiefe gebohrt.

Mit einem Spezialgerät wird auf dem Gelände der Strafanstalt Saxerriet ein Bohrloch von 100 Meter Tiefe gebohrt.

Heidy Beyeler

Vor einem Jahr kündigte der Schweizerische Erdbebendienstes (SED) an der ETH Zürich den Bau einer neuen Messstation im Saxerriet an (der W&O berichtete). In den 90er- Jahren wurde auf diesem Gelände eine seismische Station errichten. Nun kommt eine neue, grössere Bohrlochinstallation dazu, die mit einem Seismometer in 100 Meter Tiefe, eines 25 Meter tief und eines an der Erdoberfläche ausgestattet wird; zusätzlich werden in einem Bohrloch Porenwasserdrucksensoren angebracht.

Schadenbeben gab es in Gams, Grabs und Wildhaus

Das St. Galler Rheintal – und somit auch die Region Werdenberg – ist im schweizweiten Vergleich ein Gebiet mit erhöhter Erdbebengefährdung und damit von besonderem Interesse. Historisch sind zwei grössere Schadenbeben in der Region Gams, Grabs, Wildhaus bekannt, die sich in den Jahren 1795 und 1796 ereignet haben.

Kleinere Schadenbeben trafen die Region in den Jahren 1881 und 1898. Weitere Details zu diesen Beben sind im Buch «Nachbeben – Eine Geschichte der Erdbeben in der Schweiz» nachzulesen. Auch beim Erdbeben der Magnitude (Messgrösse für die Stärke eines Erdbebens) von 4.3 am 8. Mai 1992 entstanden kleinere Schäden in Buchs und Vaduz.

«Aufgrund der immer dichter werdenden Besiedlung hat das Erdbebenrisiko (also das aus der Erdbebengefährdung resultierende Schadenpotential) zum Beispiel im St. Galler Rheintal über die letzten Jahrzehnte tendenziell zugenommen», hält Dr. Michèle Marti, Leiterin Kommunikation Schweizerischer Erdbebendienst (SED) an der ETH Zürich fest. Die Schweiz kennt allerdings erst seit 1989 Normen für eine erdbebengerechte Bauweise. «Aus diesem Grund muss bei vielen, insbesondere bei älteren Gebäuden, davon ausgegangen werden, dass sie diesen Baunormen nicht genügen, was das Risiko erhöht.» In der Schweiz bebt die Erden 1000 bis 1500 Mal pro Jahr.

Tunnelbauten können zu Erdbeben führen

Starkbebenstationen sind vornehmlich in Siedlungsgebieten installiert und darauf ausgelegt auch grössere Bodenbewegungen aufzuzeichnen. Das Herzstück einer solchen seismischen Station ist der Beschleunigungssensor. Dabei handelt es sich um ein hochempfindliches, elektronisches Instrument. Mit diesem Instrument lassen sich Bodenbeschleunigungen bis zu einem Mehrfachen der Erdbeschleunigung aufzeichnen.

Erdbeben entstehen durch einen plötzlichen Spannungsabbau entlang von Brüchen in der Erdkruste. Aufgrund der ständigen Bewegung der tektonischen Platten baut sich in den Gesteinsschichten auf beiden Seiten eines Bruches Spannung auf. Wenn diese genug gross ist, entlädt sie sich in einer plötzlichen, ruckartigen Bewegung. Eine weitere Ursache für Erdbeben sind menschliche Aktivitäten, beispielsweise Tunnelbauten, das Befüllen von Stauseen und Geothermie- oder Fracking-Projekte.

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