Salez
Aus dem «Bibersee» wird doch kein Reisfeld

Bei diesem Artikel handelte es sich um einen Aprilscherz: Die Biber dürfen bleiben! Im überfluteten Salezer Naturschutzgebiet Galgenmad soll eine der ältesten Kulturpflanzen der Welt angebaut werden. Mit der Ansaat des Reisfeldes fällt am 1. April der Startschuss für ein innovatives Projekt.

Corinne Hanselmann
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Reisanbau im Bibersee war ein Aprilscherz

Mit dem Bericht über den Reisanbau im Salezer Naturschutzgebiet Galgenmad hat sich der W&O einen Aprilscherz erlaubt. Es stimmt zwar, dass Biber dort einen See angestaut haben und das Amt für Natur, Jagd und Fischerei (ANJF) des Kantons St. Gallen angekündigt hat, dass Ende März die Resultate der Untersuchungen vorliegen sollen. Dass die Resultate aufzeigen, dass sich das Galgenmad hervorragend als Reisanbaugebiet eignen soll, ist aber frei erfunden. Ebenso das Projekt in Zusammenarbeit mit dem Landwirtschaftlichen Zentrum Salez.
Die Zukunft der Biber in diesem Flachmoor und Amphibienlaichgebiet von nationaler Bedeutung ist also weiterhin ungewiss. (ch)

Corinne Hanselmann

Ende 2020 ist im Naturschutzgebiet Galgenmad in Salez ein See entstanden, weil Biber Dämme gebaut und das Weiherbächli gestaut haben. Das Amt für Natur, Jagd und Fischerei (ANJF) des Kantons St. Gallen wollte sich bisher noch nicht festlegen, ob die Biber an dieser Stelle bleiben können oder ob Massnahmen ergriffen werden müssen, um die Nagetiere zu vertreiben. Fachleute würden die Auswirkungen auf das Flachmoor und das Amphibienlaichgebiet von nationaler Bedeutung untersuchen.

Nun liegen die Ergebnisse vor. Wie das ANJF mitteilt, haben die Untersuchungen gezeigt, dass sich das überflutete Galgenmad hervorragend eignet, um Reis anzubauen. Die Biber dürfen also bleiben!

Pilotprojekt mit dem Landwirtschaftlichen Zentrum

In Zusammenarbeit mit dem Landwirtschaftlichen Zentrum des Kantons St. Gallen (LZSG) in Salez startet deshalb nun ein Projekt für den Anbau von «Salezer Bibersee-Reis». Hans Oppliger, Mitarbeiter des LZSG und Fachmann für Pflanzenzüchtung, sagt:

«Wir sind den Bibern natürlich sehr dankbar, dass sie die Grundlage geschaffen haben, um diese exotische Kultur hier in der Region anzubauen.»

«Reis hat die Eigenschaft, dass er im stehenden Wasser gedeihen kann, im Gegensatz zu fast allen anderen Kulturpflanzen», weiss Hans Oppliger. Er ist seitens des LZSG zuständig für das innovative Projekt.

Das Naturschutzgebiet Galgenmad, wo Biber einen See angestaut haben, eigne sich gut für den Anbau von Reis. Diese Kultur biete die Möglichkeit, dass Böden, die natürlicherweise nass waren, aber entwässert wurden, wieder geflutet und trotzdem landwirtschaftlich intensiv genutzt werden können. Ausserdem bringt diese exotische Kultur einen Hauch von Asien in die W&O-Region – für diejenigen, die wegen Corona unter Fernweh leiden.

Dass in der Schweiz Reis ­angebaut wird, ist nicht neu. Agroscope, die Schweizer Forschungsstelle für Landwirtschaft, Ernährung und Umwelt, hat vor einigen Jahren beispielsweise im Freiburger Seeland Versuche für den Anbau von Reis durchgeführt. Doch in der W&O-Region ist dieses Projekt bisher einzigartig.

Reisfeld soll heute angesät werden

Das Saatgut fürs Galgenmad ist vor wenigen Tagen eingetroffen.

Das Saatgut fürs Galgenmad ist vor wenigen Tagen eingetroffen.

Bild: Corinne Hanselmann

Das Saatgut fürs Galgenmad ist vor wenigen Tagen beim LZSG eingetroffen, verrät Hans Oppliger. Die Fläche im Galgenmad, die für den Reisanbau bestimmt wurde, ist knapp eine Hektare gross. Auf der halben Fläche sollen heute, am 1. April, die Reiskörner gesät werden. «Dank des schönen Wetters der vergangenen Tage sind die Bedingungen dafür ideal», so der Fachmann. Auf der anderen Hälfte werden Ende April Reissetzlinge, welche vorher in der Gärtnerei Saxerriet angezogen wurden, gepflanzt.

«So können wir herausfinden, welche Variante mehr Ertrag gibt.»

Als Ribelmais-Experte kann Hans Oppliger auf viel Erfahrung betreffend Marketing und Markteinführung zurückgreifen. «Ich werde mich nun vermehrt dem Reis annehmen», sagt er. Er sieht gute Chancen für die erfolgreiche Markteinführung des «Salezer Bibersee-Reis» und ein beachtliches Wertschöpfungspotenzial.

«Seit wegen Corona die Grenzen teilweise geschlossen waren, gibt es für solche einheimischen Nischenprodukte eine sehr hohe Nachfrage und einen deutlichen Aufschwung.»

Wie viel Reis letztlich in den Ladenregalen landen wird, ist noch unklar. Bei sehr guten Bedingungen wird zwischen 4 und 6 Tonnen Ertrag pro Hektare erwartet.

Hans Oppliger ist seitens des LZSG für das Projekt zuständig.

Hans Oppliger ist seitens des LZSG für das Projekt zuständig.

Corinne Hanselmann

Seltene Arten werden gefördert

Die Biodiversität von Tier- und Pflanzenarten sieht das Amt für Natur, Jagd und Fischerei durch den Anbau von Reis übrigens nicht als gefährdet. Im Gegenteil: Die Produktion von Reis gelte als eine Möglichkeit, Anbau und Biodiversität zu vereinen und seltene Arten – etwa solche aus Asien – zu fördern.