«Dinner + Theater» in Sevelen:
Rituale und Liebe als Halt im Leben

Eindrückliche Premiere des Stücks «Leben, einfach.» des Theaterprojekts Sapperlott.

Hanspeter Thurnherr
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Der 13-jährige Samuel findet wenig Gefallen an den weihnächtlichen Traditionen der Familie.

Der 13-jährige Samuel findet wenig Gefallen an den weihnächtlichen Traditionen der Familie. 

Bild: Hanspeter Thurnherr

Ein fünfgängiges Menü und zwischendurch vier Theaterszenen. Das ist «Dinner + Theater» der Theatergruppe Sapperlott der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK). Das Stück «Leben, einfach.» zeichnet die Entwicklung von Samuel nach: vom 13-jährigen Jungen, über den Medizinstudenten und späteren Arzt bis zum 80-Jährigen auf der Dementenstation. Alle Szenen spielen am Weihnachtsabend. Pfarrerin Chae Bin Kim als Moderatorin leitete die einzelnen Szenen mit Denkanstössen und Grundsatzfragen des Lebens ein.

Klar doch, dass der 13-jährige «Sämi» nur die Geschenke im Kopf hat, ihn aber die handgestrickten Socken der Mutter alles andere als begeistern. Und auch das jährliche Ritual der Familie, jeweils um 21 Uhr zu beten, absolviert er mit wenig Begeisterung. Da bringt ihn Grossvaters Geschenk - dessen Taschenuhr - ein wenig zum Nachdenken. Jahre später: Student Sämi verdient sich auch am Weihnachtsabend ein paar Franken als Mitarbeiter in einer Bar. Dort kommt er mit der muslimische Kommilitonin Aisha ins Gespräch über Religion. Es zeigt sich, dass Samuel die weihnächtliche Tradition seiner Familie hochhält, sogar in dieser ungewohnten Umgebung.

Wenn die Zeit zum Weitergehen kommt

Unsere Zukunft? Im Jahre 2060 ist Pflegeroboter Herbie auf der Demenzstation Samuels Bezugsperson.

Unsere Zukunft? Im Jahre 2060 ist Pflegeroboter Herbie auf der Demenzstation Samuels Bezugsperson.

Bild: Hanspeter Thurnherr

Den inzwischen 40-jährigen Arzt Samuel Scheidegger plagen am Spitalbett des krebskranken Vaters Schuldgefühle, weil er den Kontakt zu den Eltern wegen seiner Karriere und der eigenen Familie vernachlässigt hat. Da tröstet ihn die Mutter:

«Auch ohne dass wir uns viel sehen,
weiss ich, dass wir uns lieben.»

Grossvaters Uhr begleitet ihn als Glücksbringer durchs Leben, auch die Socken sind noch immer in Gebrauch. Und am Sterbebett bekommt das Weihnachtsgebet eine besondere Bedeutung.

Am 25. Dezember 2060 ist der 80-jährige Samuel auf der Demenzstation gelandet, betreut vom Pflegefachroboter Herbie. Der Besuch von Frau, Tochter und Enkelin bringt Abwechslung. «Es ist Zeit zum Zeit weitergeben», sagt er zu seiner Enkelin und gibt die Taschenuhr an sie weiter. Wohl auch in der Hoffnung, dass die andere gelebte Familientradition, das Gebet am Weihnachtsabend, erhalten bleibt.

Von Liebe - und liebe zum Essen

Die Geschichte wird von zwölf Schauspielerinnen und Schauspielern eindrücklich – mal mit Witz und Humor, mal nachdenklich stimmend – auf der Bühne umgesetzt. Das Stück vermittelt uns, was bei aller Veränderung im Leben uns letztlich Halt gibt: Traditionen, Rituale, Gebete – und vor allem die Liebe füreinander.

Der Anlass heisst «Dinner + Theater»: Das Essen also an erster Stelle? Auf jeden Fall verdient die Küchencrew und das Serviceteam für ein wunderbares kulinarisches Erlebnis ebenfalls ein grosses Lob.

Weitere Aufführungen: Freitag, 6.Dezember, und Samstag 7.Dezember, jeweils um 19 Uhr (Dinner + Theater) sowie Sonntag, 8.Dezember, 19 Uhr (nur Theater). Ort: EMK, Industriestrasse 1, Sevelen.