Rheintaler Ribelmais-Züchter passen sich der Zeit an

Fachtagung zu modernen Züchtungsmethoden im Pflanzenbau am Landwirtschaftlichen Zentrum Salez.

Adi Lippuner
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Die Referenten der Fachtagung in Salez:, Roland Peter, Agroscope, Urs Niggli, Direktor Forschungsinstitut biologischer Landbau, Hans Oppliger, Geschäftsführer Rheintaler Ribelmais, Markus Kobelt, Lubera Buchs, Bruno Studer, ETH Zürich und Moderatorin Angelika Hardegger.

Die Referenten der Fachtagung in Salez:, Roland Peter, Agroscope, Urs Niggli, Direktor Forschungsinstitut biologischer Landbau, Hans Oppliger, Geschäftsführer Rheintaler Ribelmais, Markus Kobelt, Lubera Buchs, Bruno Studer, ETH Zürich und Moderatorin Angelika Hardegger.

Bild: Adi Lippuner

Referate aus dem Fachbereich Pflanzenzüchtung von Roland Peter, Agroscope, Einblicke in den Biolandbau vom Direktor des Forschungsinstituts für biologischen Landbau, Urs Niggli, Informationen über die Tätigkeit im Bereich molekularer Pflanzenzüchtung durch Bruno Studer von der ETH in Zürich, Blick zurück auf 20 Jahre Erfolgsgeschichte des Rheintaler Ribelmais mit Hans Oppliger und ein Plädoyer für kundennahe Züchtungen durch Markus Kobelt von der Lubera in Buchs, prägten die Fachtagung zu modernen Züchtungsmethoden im Pflanzenbau, welche am Donnerstag am Landwirtschaftlichen Zentrum (LZSG) in Salez durchgeführt wurde.

Moderiert wurde der Anlass von Angelika Hardegger, NZZ Redaktorin, Ressort Landwirtschaft. Haupttenor im Zusammenhang mit modernen Zuchtmethoden: «Die Bevölkerung wird zu wenig umfassend informiert.»

Von der Massenselektion zur Züchtung

Hans Oppliger, Geschäftsführer des Vereins Rheintaler Ribelmais und als Pionier zum Erhalt der fast ausgestorbenen Sorte weit über die Region hinaus bekannt, gab Einblick in die wechselvolle Geschichte. Während zehn Jahren konnte der Ribelmais durch Kolben, die bereits an den Pflanzen ausgesucht wurden, weiter vermehrt werden.

«Dann war die Renaissance des Ribelmais gefährdet, einerseits wegen des Klimawandels durch Pilzkrankheitsdruck und andererseits durch die verschärfte Lebensmittelgesetzgebung, welche für Mykotoxine (Pilzgifte) Grenz- anstelle von Toleranzwerten festlegte.»

Aufgrund dieser Herausforderungen habe der Verein im Jahr 2009 verschiedene Massnahmen beschlossen: Strengere Anbauvorschriften und jährliche Schulung für Produzenten sowie den Start eines Zuchtprogramms zur Reduktion der Schwächen dieser Landsorte, wie der Rheintaler Ribelmais auch bezeichnet wird. In diesem Zusammenhang wies Hans Oppliger darauf hin, dass die weit verbreitete Ansicht, «alte Sorten sind gut, neue dagegen schlecht», nicht in jedem Fall zutreffe. «Wir mussten lernen, dass auch alte Landsorten nach Selektion und Züchtung verlangen und wir einige Herausforderungen zu bewältigen haben.»

Eine Erfolgsgeschichte

Allen Hürden und Schwierigkeiten zum Trotz: Die Geschichte des Rheintaler Ribelmais mit seinem AOP-Schutz ist erfolgreich. «Aktuell wird Ribelmais auf über 70 Hektaren angebaut und unser Ziel, die Region zu stärken und den Beteiligten Verdienstmöglichkeiten zu ermöglichen, ist erreicht», freut sich Hans Oppliger. «Unsere Landsorte stellt analog einem AOP-Produkt ein öffentliches Gut dar, dies im Gegensatz zu den Hybridzüchtungen. Da liegt unser Problem. Ist das Saatgut einmal verbessert, kann es von jedermann einfach vermehrt und weiter genutzt werden und dies ohne Entschädigung an den Verein Rheintaler Ribelmais.»

Die Kundennähe ist ein wichtiger Antrieb

Für Markus Kobelt, Gründer und Inhaber der Lubera GmbH in Buchs, stehen Züchtungen für Privatkunden im Zentrum. «Wie haben, dank unserer Präsenz auf Youtube, direkten Kontakt mit den Kunden, können Informationen direkt weitergeben und so stimmen auch die ökonomischen Rahmenbedingungen.» Für Markus Kobelt müssen Spezialitäten für den Hausgarten vier Anforderungen erfüllen: besser, einfacher und resistent gegen Krankheiten. Der Ertrag sei im Hausgarten zweitrangig. «Wichtiger ist, dass rasch geerntet werden kann und sowohl Früchte als auch Beeren auch gut munden.»