Bergungsübung am Sessellift: Rettung aus luftiger Höhe

Zu den Vorbereitungen auf die Wintersaison gehört bei den Bergbahnen Wildhaus die Bergungsübung. Das Abseilen der Passagiere käme etwa bei einem Stromausfall, bei starkem Wind oder bei einem Defekt der Bahn zum Zug.

Corinne Hanselmann
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Ein Helfer hilft am Boden beim Abseilen. (Bild: Bilder: Corinne Hanselmann)
Der Retter hilft, das Gstältli anzuziehen.
Die Retter gelangen vom Masten via Seil auf die einzelnen Sessel.
Arbeit in luftiger Höhe.
Erfahrene Mitarbeiter zeigen den Jüngeren das Handwerk.

Weit kamen sie nicht, die Figuranten, die am Donnerstagvormittag auf der Sesselbahn Oberdorf–Gamsalp Platz nahmen. Ein bis zwei Masten oberhalb der Talstation blieb die Bahn bereits wieder stehen. Für rund 40 Mitarbeitende der Bergbahnen Wildhaus stand die alljährliche Bergungsübung auf dem Programm. Sie übten, wie sie in einem Notfall die Passagiere aus einer Höhe von bis zu 20 Metern abseilen müssten. «Ernstfälle kommen zum Glück sehr selten vor», sagt Walter Tobler, Technischer Leiter der Bergbahnen Wildhaus, der sich nur an einen einzigen Fall in rund 25 Jahren erinnern kann.

Die grössten Herausforderungen für die Retter sind bei Bergungen das Wetter (Wind, Schnee und kalte Temperaturen), Ängste der Passagiere und Zeitdruck. Innert zwei Stunden nach einer Störung müssen gemäss Vorschriften sämtliche Passagiere wieder festen Boden unter sich haben.

«Grüezi mitenand. Wir haben ein Problem mit der Bahn. Ich werde Sie nun abseilen», informiert der Retter, der zuvor den Masten der Sesselbahn Oberdorf–Gamsalp hochgeklettert ist und, am Seil hängend, zum Sessel gelangt ist. Er ist ausgerüstet mit Helm, Seilen, Karabinern und weiterem Equipment. Sicher klettert er bis auf die Sitzbank und hilft den Passagieren, das «Gstältli» anzuziehen. Mithilfe eines weiteren Helfers am Boden werden die Personen dann aus einer Höhe von rund zehn Metern langsam abgeseilt.

Dieses Mal handelt es sich zum Glück nur um eine Übung. Die Mitarbeitenden der Bergbahnen Wildhaus üben das Abseilen jährlich, damit sie für den Ernstfall gerüstet wären.

«Die Retter arbeiten meistens in Dreierteams», erklärt Walter Tobler, Technischer Leiter der Bergbahnen Wildhaus. Das sei je nach Bergungsausrüstung des Bahnenherstellers und je nach Bergungsplan etwas verschieden.

Ein mögliches Szenario ist ein Stromausfall

Eine Seilentgleisung, ein Stromausfall bei gleichzeitigem Ausfall des Notaggregats, starker Wind, ein blockiertes Fahrzeug oder ein kapitaler Schaden an der Bahn – es gibt verschiedene Szenarien, bei denen es zum Abseilen der Passagiere kommen kann. «Wenn Flugwetter ist, würde man aber eher mit dem Helikopter bergen», so Tobler. Zudem können die Bergbahnen – auch bei der Bergung durch Abseilen – die Unterstützung der Rettungskolonne Wildhaus-Amden anfordern. Um die Sesselbahn mit rund 200 Passagieren innert zwei Stunden zu entleeren, sind rund 30 Helfer nötig.

Nach mehreren Übungsdurchgängen zeigt sich: Die Retter von Wildhaus sind für den Ernstfall gerüstet.

Rund 40 Mitarbeitende der Bergbahnen Wildhaus übten das Bergen aus den Sesseln. (Bilder: Corinne Hanselmann)

Rund 40 Mitarbeitende der Bergbahnen Wildhaus übten das Bergen aus den Sesseln. (Bilder: Corinne Hanselmann)