Rendez-Muh im «Weissen Rössl» der Operette Balzers

Fazit der Premiere: Ein gelungener Startschuss und ein begeistertes Publikum.

Bettina Stahl-Frick
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Die Operette Balzers überzeugt mit einer imposanten Inszenierung von Benatzkys «Im weissen Rössl». Das Publikum bedankte sich für den bunten Operettenabend mit tosendem Applaus und Standing Ovations.

Die Operette Balzers überzeugt mit einer imposanten Inszenierung von Benatzkys «Im weissen Rössl». Das Publikum bedankte sich für den bunten Operettenabend mit tosendem Applaus und Standing Ovations.

Daniel Schwendener

«Hier einen Tee komplett, dort einen Kaffee und am Tisch daneben eine Gulaschsuppe mit Brot», spricht Kellner Leopold vor sich hin und schimpft schliesslich über zu wenig Trinkgeld: «Geizige Bagage!» So ist er, der Herr Leopold. Um keinen Spruch verlegen, schon gar nicht, wenn es darum geht, der schönen «Rössl»-Wirtin Komplimente zu machen.

Kaltschnäuzig lässt ihn diese aber abblitzen. Selbst wenn ihr der Herr Leopold seine Liebe musikalisch gesteht: «Es muss was Wunderbares sein, von dir geliebt zu werden.» Einziger Kommentar der temperamentvollen «Rössl»-Wirtin: «Ist mir wurscht, die Gäste haben Durscht.»

Nur Augen für Ottilie

Nur um einen Gast möchte sich die «Rössl»-Wirtin selbst kümmern: Um Dr. Erich Ziegler, der in wenigen Minuten anreisen wird. An nichts soll es fehlen – auch an der Liebe nicht, schliesslich möchte die «Rössl»-Wirtin Josepha Vogelhuber den Rechtsanwalt für sich gewinnen. Dieser aber hat wiederum nur Augen für die junge Berlinerin Ottilie, die mit ihrem Vater, dem Geschäftsmann Giesecke, angereist kommt. Schnell kommt es zwischen den beiden zu einem Treffen – im Kuhstall, sozusagen ein Rendez-Muh.

Auf Lebensdauer als Ehemann engagiert

Kellner Leopold gibt so schnell nicht auf und macht seiner Chefin weiterhin Avancen. «A Busserl» wolle er von ihr, darum bittet er unverblümt. Wolle sie ihm dies verweigern, müsse sie ihm ein schlagkräftiges Argument liefern. Und das macht die Wirtin auch und ohrfeigt den liebestrunkenen Leopold. Noch härter treffen ihn ihre Worte: «Sie können gehen, packen Sie ihre Sachen!» Leopold soll auf der Stelle abreisen.

Hingegen angereist ist unterdessen Sigismund Sülzheimer, ebenso wie Professor Dr. Hinzelmann mit Tochter Klärchen. Zwischen Sülzheimer und Klärchen scheint es auf Anhieb zu funken ...

Dass seine Liebesfunken nicht auf die «Rössl»-Wirtin überspringen, will Leopold noch immer einfach nicht wahrhaben – auch nach der Ohrfeige und der darauffolgenden Kündigung nicht. Denn aufgeben gibt es nicht und so schmiedet Leopold einen ausgeklügelten Plan. Schliesslich mit Erfolg: Als Kellner hat ihm die «Rössl»-Chefin zwar gekündigt, wobei es auch bleibt. Sein Arbeiszeugnis – versehen mit «als Kellner gekündigt» – hat sie allerdings mit folgenden Worten ergänzt: «Engagiert auf Lebensdauer als Ehemann.» Und so haben sich – wenn auch auf Umwegen – die «Rössl»-Wirtin und Leopold gefunden. Ebenso wie Ottilie ihren Dr. Siedler und das Klärchen ihren Sigismund Sülzheimer.

Tosender Applaus für überzeugende Künstler

Das Publikum bedankt sich für das Happy-End mit tosendem Applaus und Standing Ovations. Vielmehr dankten die Operettengäste allerdings für einen Abend, der in die unvergessliche Operettengeschichte in Balzers eingeht. Die Inszenierung überzeugt in frechem und modernem Stil. Rasant, aber stets mit Tiefgang. Eindruck hinterlassen haben die Sängerinnen und Sänger: Nicola Becht verkörpert die temperamentvolle «Rössl»-Wirtin Josepha Vogelhuber mit überzeugendem gesanglichen Können.

Ebenso Mark Weigel, der den Kellner Leopold Brandmeyer spielt und dabei neben seinem Gesang auch mit Charisma hervorsticht. Toni Bürzle schlüpfte in die Rolle des Berliner Geschäftsmannes Wilhelm Giesecke und beweist in seiner perfekt gespielten Rolle einmal mehr viel Witz und Humor. Seine Tochter Ottilie, gespielt von Christine Schneider, bietet mit ihrer Stimme musikalischen Hochgenuss und beeindruckt nicht zuletzt mit Schauspiel und Mimik.

In der Rolle von Rechtsanwalt Erich Siedler spielt Christoph Waltle, der sich nach der Operette «Die lustige Witwe» erneut erfolgreich feiern lassen darf. Humorvoll spielt Christian Nipp den Sigismund Sülzheimer und besticht zudem mit seiner Stimmgewalt. Dagmar Bernhard, in der Rolle als Klärchen, sorgt mit schauspielerischem Talent für gelungene Schmunzler und überzeugt gesanglich ohnehin.

Ein beeindruckendes Bühnenbild

Der gesamte Chor unter der Leitung von Harri Bläsi tritt sehr stark und entsprechend überzeugend auf, das Ballett unter der Leitung von Tamara Kaufmann sorgt für schmissige Einlagen. Nicht zuletzt ist es auch das Sinfonieorchester Liechtenstein unter Dirigent Willi Büchel, das zum Erfolg dieser Operettenproduktion beiträgt. Und was wäre die Operette ohne Bühnenbild, mit dem Hansjörg Gstöhl ein Ambiente mit gleich mehreren Spielstätten zauberte, das die Reise in die 20er-Jahre perfekt gemacht hat.

Kurzum: Die Rechnung der Operette Balzers ist aufgegangen, was die Begeisterung des Publikums bestätigt. Die Premiere ist gelungen und damit auch der Startschuss für neun weitere Aufführungen.