Der Leiter des Stiftsarchivs präsentierte in Buchs regionalhistorische Einblicke in eine fast verlorene Zeit gegeben

Private Rechtsgeschäfte aus der frühmittelalterlichen Landschaft zwischen Landquart und Hirschensprung, so das Thema eines Vortrag von Peter Erhart bei der Historisch-Heimatkundlichen Vereinigung der Region Werdenberg.

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Peter Erhart, Leiter des Stiftsarchivs, referierte bei der Historisch-Heimatkundlichen Vereinigung der Region Werdenberg.

Peter Erhart, Leiter des Stiftsarchivs, referierte bei der Historisch-Heimatkundlichen Vereinigung der Region Werdenberg.

Bild: PD

(pd) Pugo, Salecto, Quaradeves und Campesias – unter diesen Namen erscheinen im 9. Jahrhundert erstmals die Werdenberger Gemeinden Buchs, Salez, Grabs und Gams. Die Namen tauchen in diversen Privaturkunden auf, die dank der besonderen Überlieferungssorgfalt der Mönche des Klosters St.Gallen erhalten blieben.

Der Leiter des Stiftsarchivs St. Gallen, Peter Erhart, präsentierte im Rahmen einer Veranstaltung der Historisch-Heimatkundlichen Vereinigung der Region Werdenberg (HHVW) im Buchserhof eine Reihe frühmittelalterlicher Privaturkunden aus dem «ministerium in planis». Das ist ein frühmittelalterlicher Verwaltungsbezirk, der die Bündner Herrschaft, Liechtenstein und das St.Galler Rheintal bis zum Hirschensprung umfasste.

Europaweit einzigartige Intimität geschildert

Die diversen Verkaufs- und Schenkungsurkunden sind jedoch nicht nur wegen der ersten Namensnennungen der Werdenberger Gemeinden von Interesse. Sie erlauben für diese quellenarme Zeit auch aussergewöhnliche Einblicke in die Wirtschafts- und Sozialstruktur der Region. Ein vorgestelltes Dokument eröffnet zudem einen überraschend intimen Zugang in das Leben eines frühmittelalterlichen Ehepaares. Die Urkunde beinhaltet eine gegenseitige Vereinbarung eines kinderlosen Paares aus Buchs, welcher Besitz dem Partner im ­Falle des Ablebens vermacht werden soll.

Die Überlieferung einer solchen Nachlassregelung aus dem Frühmittelalter ist gemäss Erhart europaweit einzigartig. Der Leiter des Stiftarchivs St.Gallen spickte seine Ausführungen mit zahlreichen Exkursen zur Herstellung der Urkunden, der Schriftgestaltung und den anzutreffenden romanischen und alemannischen Namen.

Trotz Coronaschutzmassnahmen war die Veranstaltung gut besucht und die versammelten Geschichtsfreunde machten rege von der Gelegenheit Gebrauch, Archivar Erhart am Ende des Vortrages noch Fragen zu stellen.

Interessante Ausstellung für Mittelalterinteressierte

Interessierte haben übrigens noch bis Januar 2021 die Gelegenheit, im Ausstellungssaal des Stiftbezirkes St.Gallen einige der erwähnten Privaturkunden zu besichtigen. Im Zentrum der Sonderausstellung «Folcwins Gedächtnis» steht das im Klosterarchiv überlieferte Privatarchiv des lokalen Beamten Folcwin aus Rankweil, das zu Beginn des 9. Jahrhunderts angelegt wurde.

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