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Zertifikatspflicht: Kontrolle führt zu Mehraufwand

Das Prüfen der Zertifikate ist bei den einen bereits Routine. Andere stehen erst vor der Nagelprobe. Doch die Zertifikatspflicht hat Folgen: Im Restaurant und im Fitnesscenter blieben in dieser Woche einige Gäste aus.

Michael Kyburz, Robert Kucera
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Die meisten Gäste zeigen bereits unaufgefordert ihr Zertifikat und die Identitätskarte vor.

Die meisten Gäste zeigen bereits unaufgefordert ihr Zertifikat und die Identitätskarte vor.

Laurent Gillieron / KEYSTONE

Seit vergangenem Montag gilt in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens die Zertifikatspflicht. Der W&O fragte nach, wie die Umsetzung geklappt hat und wie die Reaktion der Kundschaft war. Für die Kontrolle der Zertifikate stehen die Lokalbetreibenden in der Pflicht. Jennifer Gröning vom Hotel Stumps Alpenrose in Wildhaus erklärt:

«Natürlich ist dies mit einem gewissen Mehraufwand verbunden. Allerdings habe die Umsetzung prima funktioniert.»

Das Personal und die Gäste hätten sich rasch an die Massnahme gewöhnt. Zudem sei die Kontrolle mittels App in wenigen Sekunden erledigt.

«Sportlich», wie Andreas Enggist von Enggist AG Therapie und Fitness es nennt, sei die Umsetzung gewesen. Innert zwei Tagen musste die Software im Eingangsbereich umgestellt werden. So wurden beim Check-in erst mal alle Kunden gesperrt – doch mit dem Vorweisen des Zertifikats beim Empfang wurde der Chip und somit der Kunde neu registriert und freigeschaltet.

Zertifikate prüfen im Sport: «Lassen uns überraschen»

Im Lokalsport beginnt nun die Zeit, in welcher verschiedene Mannschaftssportarten in ihre Hallensaisons starten. Auch hier gilt die Zertifikatspflicht für alle Beteiligten: Spieler, Trainer, Funktionäre, Helfer, aber auch Zuschauer. Die Verantwortung zur Einhaltung der 3-G-Regel liegt bei den gastgebenden Vereinen.

«Die Spannung ist gross, ob alles klappt», sagt Rangers-Präsident Sebastian Linke. Es wird bei den Heimspielen nur einen Eingang geben. Dort werden die Zertifikate geprüft. Ob dies zu langen Wartezeiten führt oder wegen der 3-G-Regel weniger Zuschauer als sonst ans Spiel kommen, stehe gemäss Linke noch in den Sternen. «Wir lassen uns überraschen.»

Wochenende wird zum Gradmesser

Wider Erwarten sei in der ersten Woche kein bemerkbarer Rückgang der Kundschaft zu verzeichnen, erklärt Jennifer Gröning vom Hotel Stumps Alpenrose in Wildhaus. «Die erwartete Stornowelle im Seminarbereich ist ausgeblieben.» Lediglich im Restaurant hätten die Massnahmen zu einigen Absagen geführt, da einzelne Personen aus einer Gruppe sich nicht testen lassen wollten.

Für Remo Sturzenegger, Inhaber der Guarany Bar in Buchs, ist die Lage schwieriger einzuschätzen: «Wir sind stark vom Wetter abhängig.» Bei Sonnenschein seien die Gäste mehrheitlich im Aussenbereich. Entscheidend werde deshalb das kommende Wochenende, erklärt Sturzenegger. Zwar hat auch im «Guarany» die Umsetzung reibungslos funktioniert. Doch der grosse Ansturm blieb bis anhin aus. In der «Gass» in Buchs steht dieses und das nächste Wochenende ein öffentliches Testzentrum bereit. Wie für viele andere Bars und Clubs wird das Wochenende ein Gradmesser. Zum einen, ob die Umsetzung der Zertifikatspflicht von Seiten der Betreiber Bestand hält und wie die Reaktion der Gäste ausfallen wird.

Die Kontrolle des Zertifikats ist rasch erledigt.

Die Kontrolle des Zertifikats ist rasch erledigt.

Pierre Albouy / KEYSTONE

Weniger Kundschaft und Hass-Mails

Die Bilanz der ersten Woche mit der Zertifikatspflicht in Fitnesscentern fasst Andreas Enggist von Enggist AG Therapie und Fitness in Buchs wie folgt zusammen: «Von einem Tag auf den anderen kamen weniger Leute.» Dass eine weitere Massnahme wieder mal die Fitnessbranche hart trifft, ärgert ihn schon. Denn, um keine Stammkunden zu verlieren, sei man gezwungen, die Abos bis zum Ende der Zertifikatspflicht pausieren zu lassen – zu Lasten des Betreibers.

Das Fitnesscenter leidet. Damit nicht genug: Einige Kunden sind erbost darüber, dass sich das Center nicht einfach über die neue Bestimmung des Bundes hinwegsetzt. Er berichtet von Hass-Mails und Drohungen. «Doch wir machen, was wir müssen», hält er fest. Man wolle keine Busse riskieren oder in Verruf geraten. In einzelnen Fällen sei es bereits passiert, dass Mitarbeiter von Kunden bedrängt wurden, sie auch ohne Zertifikat ins Center zu lassen. Doch der klar überwiegende Teil der Kundschaft akzeptiert die neue Regel klaglos.

Grossteil der Sportler ist geimpft

Statt über 3G wollen die Sportteams der Region ab Meisterschaftsbeginn lieber über drei gewonnene Punkte reden. Doch um das Thema kommen die Vertreter von Hallensportarten nicht herum. Und dies nicht nur, wenn es um Zuschauerzahlen geht. Denn: Stehen den Teams überhaupt genügend Spieler zur Verfügung? Elisabeth Lamprecht, Sportchefin des Squashclubs Grabs berichtet:

«Unsere Spieler sind Profis, die in verschiedenen Ligen und an vielen Turnieren teilnehmen. Also können sie es sich gar nicht erlauben, ungeimpft zu sein.»

Dagegen ist im Volleyball der Spielplan in der 3. Liga, wo die Damen von Werdana Buchs mitspielen, noch in der Schwebe. «Bis zum 25. September haben die Vereine Zeit, sich beim Verband zu melden, ob sie überhaupt Mannschaften stellen können», sagt Präsident Thomas Rehmann. Werdana ist aber aus dem Schneider: «Wir haben genug Leute», freut sich Rehmann und ergänzt, dass sich zwei Frauen vor dem Match jeweils testen lassen, um ebenfalls spielen zu können.

Fairplay: Kontrolle der Spieler basiert auf Vertrauen.

Fairplay: Kontrolle der Spieler basiert auf Vertrauen.

Robert Kucera

Auch im 2.-Liga-Team der Rangers ist ein grosser Teil geimpft, Wie Präsident Sebastian Linke festhält, werden sich Einzelne im Vorfeld eines Spiels testen lassen. Das Herrenteam, welches am Samstag auswärts in die neue Saison startet, wird nach dem Spiel gleich wieder im Einsatz stehen. «Da die Herren die 3G erfüllen, fungieren sich beim Ligacup-Heimspiel der Damen als Helfer.»

Grosses Vertrauen ins sportliche Fairplay

Ein wichtiger Punkt stellt die Zertifikatsüberprüfung dar. Für diese ist der jeweilige Heimclub verantwortlich. Pikant: Der Heimclub überprüft somit auch, ob die eigenen Spieler die 3G erfüllen. Man setzt also auf Eigenverantwortung und öffnet die Tür zum Missbrauch einen Spalt weit. Wie der Unihockeyverband dem W&O telefonisch mitteilt, setzt man in diesem Punkt auf Vertrauen, dass sich jeder Verein an die Regeln hält. Rangers-Präsident Linke verspricht, dass in Grabs fairer Sport ausgeübt wird:

«Da ich gleichzeitig Coronabeauftragter des Vereins bin, werde ich persönlich ein Auge darauf richten.»

In den Gesprächen mit den lokalen Vereinsvertretern hört man heraus, dass das Vertrauen ins Fairplay gross ist. Und falls es doch zu einem Missbrauch kommen sollte, käme es schnell ans Tageslicht. Verdächtig würden sich all jene machen, die regelmässig spielen, aber nur zu Hause antreten.

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