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Seit 47 Tagen unterwegs: Eine Solothurnerin wandert mit ihren Pferden von ihrer Heimat ins Engadin – und passiert dabei das Werdenberg

«Manchmal erhalte ich eine warme Mahlzeit und ein Bett», sagt Nava Nicolet. Die Solothurnerin ist mit ihren Pferden Perce-Neige und Dixie seit eineinhalb Monaten unterwegs. Während die Pferde oft auf einer Weide übernachten, schläft die junge Frau unter anderem im Stroh oder unter freiem Himmel.

Alexandra Gächter
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Nava Nicolet mit ihren beiden Begleitern Perce-Neige und Dixie.

Nava Nicolet mit ihren beiden Begleitern Perce-Neige und Dixie.

Bild: PD

Über 250 Kilometer hat Nava Nicolet bereis unter ihre Füsse genommen. In Laupersdorf, im Kanton Solothurn, startete die 19-Jährige am 5. Juni. Seither sind 47 Tage vergangen. Nava Nicolet lief von ihrer Heimat in Richtung Baselland, Koblenz, dann dem Rhein entlang bis ins nordöstliche Eck der Schweiz und via Herisau ins Rheintal und Werdenberg.

Am Wochenende nächtigte sie in Sennwald, ging am Kanal entlang weiter nach Buchs und erreichte am Montag Balzers. Am Mittwoch trifft sie voraussichtlich in Maienfeld ein. Ihr Ziel ist das Engadin.

Schlafen im Stroh oder unter freiem Himmel

Begleitet wird die junge Frau von ihren beiden Pferden: Perce-Neige, 19 Jahre, und Dixie, 3 Jahre. Das jüngere Pferd trägt einen Teil des Gepäcks, zirka 20 bis 25 Kilogramm, Nava Nicolet trägt den Rest, etwa 5 bis 7 Kilogramm. Das ältere Pferd läuft an der Hand mit. Geritten werden die Pferde nicht. Nava Nicolet sagt:

«Ich wandere sehr gerne. Alleine unterwegs zu sein, ist aber langweilig.»

Weiter erzählt sie: «Da das jüngere Pferd zu jung, um zu reiten ist und das ältere wenig Freude am Reiten hat, gehe ich den gesamten Weg zu Fuss.» Auf ihrer Reise ist Nava Nicolet sehr unkompliziert. Sie hat ein Zelt und einen Schlafsack dabei. Sie schläft entweder im Zelt, bei einem Bauern im Stroh oder unter freiem Himmel. Essen besorgt sie sich unterwegs in Lebensmittelgeschäften im Dorf. Bedingung ist, dass sie die Pferde vor dem Geschäft anbinden kann.

«Ich kaufe für mich einfache Dinge wie Früchte oder Brot. Manchmal bekomme ich eine warme Mahlzeit und ein Bett angeboten. Viele Menschen sind sehr hilfsbereit. Dennoch empfinde ich es als schwierig, auf die Menschen zuzugehen und sie um Hilfe zu bitten. Ich muss dabei über meinen Schatten springen.»

Mobilen Weidezaun im Gepäck

Für ihre Pferde führt die junge Frau Hafer mit. Unterwegs lässt sie die Pferde immer wieder grasen. Abends erhält sie manchmal bei Bauern eine Box mit Heu oder sie darf die Pferde auf eine Weide stellen. Für den Fall, dass keine Umzäunung vorhanden ist, hat sie vorgesorgt: Im Gepäck trägt sie einen mobilen Weidezaun mit.

Findet sie für sich und ihre Pferde keine geeignete Unterkunft, wandert sie ins nächste Dorf. In ländlichen Gebieten wie dem Appenzellerland, dem Rheintal und Werdenberg war es einfacher, geeignete Unterkünfte für sie und ihre Pferde zu finden. In der Region Basel und Koblenz war es schwieriger. Dennoch musste sie bis jetzt nur für Lebensmittel Geld ausgeben.

Rückweg zu Fuss oder mit Transporter

Für Nava Nicolet und das Pferd Perce-Neige ist dies bereits die zweite längere Wanderung. Im Jahr 2019 liefen sie zusammen 1500 Kilometer durch Frankreich. Das Gefühl von Freiheit schätzt Nava Nicolet auf ihren Reisen besonders.

Voraussichtlich Anfang August wird die Frau mit ihren beiden Pferden im Engadin eintreffen. Dort entscheidet sie, ob sie sich abholen lässt oder ob sie den gesamten Rückweg, geschätzte 500 Kilometer, wieder zu Fuss absolviert.