Region
«Ein funktionierender Herdenschutz hat überall eine grosse Bedeutung»

Der Kanton Graubünden hat ein neues Herdenschutzprogramm erarbeitet, das über die Vorgaben des Bundes hinausgeht. Tierhalter sollen damit mehr Verantwortung und Unterstützung erhalten – der Kanton St. Gallen und damit die Region Werdenberg sehen aktuell davon ab, in eine ähnliche Richtung zu ziehen.

Nadine Bantli / Pascal Aggeler
Merken
Drucken
Teilen
Stets wachsam und bereit sind die Herdenschutzhunde.

Stets wachsam und bereit sind die Herdenschutzhunde.

Bild: Urs Flueeler

Es sei ein Schritt mit Vor- und Nachteilen, den die Bündner mit ihrem neuen Herdenschutzprogramm gehen, sagt Sven Baumgartner vom Landwirtschaftlichen Zentrum in Salez. Als Fachstellenleiter des Herdenschutzes im Kanton St. Gallen betrachtet er die Neuerungen in Graubünden mit einem kritischen Auge.

Auch weil St. Gallen den Bündnern in verschiedenen Bereichen zum Thema Herdenschutz voraus sei. Die Fachstelle im Kanton arbeite nämlich bereits seit mehreren Jahren mit einem auf Prävention ausgerichteten System, führe viele Beratungen durch und suche direkt mit den betroffenen Bäuerinnen und Bauern passende Lösungen.

Mehr Hunderassen für den Herdenschutz zugelassen

Konkret sind es zwei Punkte, in denen die Bündner als schweizweit erster Kanton ergänzend zu den Vorgaben des Bundes arbeiten: Neu werden alle Hunderassen für den Schutz von Nutztieren zugelassen – sofern das Tier in einer sogenannten Einsatzbereitschaftsprüfung beweist, dass es eine Nutztierherde effizient schützen kann, und sich gleichzeitig gelassen gegenüber Menschen verhält. Vom Bund anerkannt sind bislang nur die beiden Rassen Montagne des Pyrénées und Pastore Abruzzese.

Vom Bund anerkannt sind bislang nur die beiden Rassen Montagne des Pyrénées und Pastore Abruzzese.

Vom Bund anerkannt sind bislang nur die beiden Rassen Montagne des Pyrénées und Pastore Abruzzese.

Arno Balzarini / KEYSTONE

Weiter lässt der Bund nicht zu, dass Nutztierhaltende oder Alpbewirtschaftende ihre Herdenschutzhunde selber kaufen, aufziehen und ausbilden. Die Bündner Regierung jedoch argumentiert damit, dass «viele Betroffene genau diese Verantwortung übernehmen wollen», und greift deshalb allen Betrieben unter die Arme, die mit der Herdenschutzberatung des Plantahofs und der Fachberatung Herdenschutzhunde ein eigenes Herdenschutzkonzept erarbeiten und umsetzen.

Auch beim Kanton St. Gallen ist einiges in Bewegung

Für Baumgartner und den Kanton ist der Bündner Weg momentan kein Thema. Nicht, weil er verkehrt wäre – es stand einfach noch nicht zur Diskussion, eine ähnliche Richtung einzuschlagen. Der Fachstellenleiter sagt dazu allerdings auch:

«Dass das nicht heissen muss, dass wir mit sämtlichen Vorgaben des Bundes einverstanden sind.»

Man nütze den Spielraum, den man habe – bezüglich Herdenschutz sei bei den St. Gallern ebenfalls einiges in Bewegung.

Im Werdenberg und Toggenburg kam es zu keinen grossen Vorfällen

«Ein funktionierender Herdenschutz hat überall eine grosse Bedeutung», sagt Sven Baumgartner. So auch in den Regionen Werdenberg und Toggenburg. Vorfälle wie im Weisstannental von Mitte Mai habe es in den beiden Regionen zum Glück nicht gegeben. Beim Vorfall wurden, davon gehen zumindest Fachpersonen aus, zwei Herdenschutzhunde durch einen Wolfsangriff schwer verletzt.

Baumgartner betont, dass auch ein Konflikt zwischen den Hunden die Ursache für die Verletzungen gewesen sein könnte. Belegt werden konnte bis heute nichts. Verglichen zum Rest des Kantons leben im Sarganserland am meisten Herdenschutzhunde. Doch in den Regionen Werdenberg und Toggenburg seien es laut Baumgartner nicht viel weniger. Der Fachmann sagt:

«Einzelne Wölfe sind immer unterwegs und die Bauern müssen sozusagen immer auf der Hut vor ihnen sein.»
Vor solchen Wölfen müssen die bauern immer auf der Hut sein, denn sie können jederzeit und überall zuschlagen.

Vor solchen Wölfen müssen die bauern immer auf der Hut sein, denn sie können jederzeit und überall zuschlagen.

Creativenature_nl / iStockphoto

Denn die Wölfe können immer und überall sein. Genau dafür werden Herdenschutzhunde gehalten, um Nutztiere eben vor solchen immer präsenten Gefahren zu schützen. Meist gibt es auf den Alpen neben Zäunen auch keine anderen verfügbaren Schutzmöglichkeiten.

Mehr Nachfrage nach Beratungen werden in Zukunft erwartet

Die Anlaufstelle Herdenschutz im Landwirtschaftlichen Zentrum bietet Beratungen im Bereich Prävention als auch in der Umsetzung von Sofortmassnahmen bei einem Übergriff durch Grossraubtiere sowie auch eine fachliche Begleitung bei der Umsetzung geplanter Massnahmen an. In der Beratung wie Begleitung erwartet Baumgartner eine Zunahme in den kommenden Jahren:

«Dass die Wölfe in der Anzahl wie auch in den besetzten Gebieten zunehmen, werden wir in einer steigenden Nachfrage nach unseren Dienstleistungen spüren.»