Regierung sieht Informatikmittelschule als vereinbar mit dualem Bildungssystem

Der Buchser Kantonsrat Josef Gähwiler (SP) hinterfragte in einer Interpellation die Einführung der Informatikmittelschule im Kanton St. Gallen. Die Regierung dagegen sieht grosses Potenzial für die Zukunft.

Jessica Nigg
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Auch an der Kantonsschule Sargans wird die Informatikmittelschule angeboten. (Bild: Ralph Ribi)

Auch an der Kantonsschule Sargans wird die Informatikmittelschule angeboten. (Bild: Ralph Ribi)

Interpellant Josef Gähwiler und 14 Mitunterzeichnende stossen sich an diversen Punkten, welche die neue geschaffene Informatikmittelschule (IMS) betreffen: so zum Beispiel daran, dass der neu geschaffene Lehrgang trotz «halbleeren Klassen» an drei Standorten durchgeführt wird. Im Falle der Kantonsschule Sargans müsse zudem teilweise auf das Berufs- und Weiterbildungszentrum (BZB) und die Interstaatliche Hochschule für Technik (NTB) in Buchs zurückgegriffen werden, da die Kantonsschule nicht über die nötige Infrastruktur verfüge.

Gemäss den Interpellanten wird durch die IMS mit dem Abschluss EFZ Informatiker/Informatikerin Fachrichtung Applikation ausserdem das duale Bildungssystem der Schweiz in Frage gestellt. Sie wollten deshalb von der Regierung unter anderem wissen, weshalb sich der Kanton in den Aufgabenbereich der Wirtschaft einmische, genügend Lehrlinge auszubilden. Sie verlangten zudem eine Rechtfertigung für höhere Kosten dieser vollschulischen Ausbildung, während bei Berufslehren die Sparschraube angezogen werde.

Mangel bei IT-Fachkräften

Der Bericht «Massnahmen zur Entschärfung des Fachkräftemangels und zur Arbeitskräftemobilisierung im Kanton St. Gallen» hatte aufgezeigt, dass im Kanton ein Mangel an IT-Fachkräften besteht. In der Folge wurden als Entschärfung des Versorgungsengpasses, unter anderem an der Kantonsschule in Sargans, zwei vollschulische Berufsausbildungen unter dem Oberbegriff Informatikmittelschule (IMS) geschaffen. Diese führen zum Eidgenössischen Fähigkeitszeugnis (EFZ) in Kombination mit dem Berufsmaturitätszeugnis. Dies sei möglich entweder in kaufmännischer Richtung oder – anders als Josef Gähwiler schreibe – in technischer Richtung (IMS-T). Die Abschlüsse befähigen die Absolventen zum Einstieg ins Berufsleben und dienen gleichzeitig als Zubringer zu den im Kanton angebotenen Fachhochschul-Studiengängen in Wirtschaftsinformatik und technischer Informatik.

Halbleere Klassen am Anfang keine Seltenheit

Für ein Fazit zur Positionierung und Wirkung der IMS sei es ein Jahr nach der Einführung noch zu früh, schreibt die Regierung in ihrer Beantwortung der Interpellation weiter. «Die bisher verfügbaren Zahlen stützen aber die Aussicht, dass es gelingen wird, die Zahl der Informatikausbildungen dank der IMS zu steigern und insbesondere eine blosse Verschiebung von Auszubildenden aus der dualen in die vollschulische Ausbildung zu verhindern.»

Das duale Bildungssystem der Schweiz sieht die Regierung nicht in Frage gestellt, da die Wirtschaft, insbesondere über Praktika, in die IMS-Lehrgänge ebenfalls eingebunden sei. Unabhängig von der Einführung der IMS bleibe der hohe Wert der dualen Grundausbildung unbestritten, teilt die Regierung weiter mit.

Der Bedarf an gut ausgebildeten Fachkräften sei gross, aber gleichzeitig auch breit und vielfältig, heisst es weiter: «Die dualen Ausbildungen, die IMS-T, die IMS-W und im Übrigen auch die weiter bestehende Wirtschaftsmittelschule mit Schwerpunkt Informatik (WMI) erlauben unterschiedliche Kombinationen von technischen, kaufmännischen und allgemeinbildenden Ausbildungselementen.» Die Regierung schliesst mit der Aussicht, dass, sollte sich die Nachfrage nach der Informatikmittelschule technischer Richtung (IMS-T) steigern, für künftige Schuljahre eine entsprechende Klasse am BZB und an der NTB denkbar wäre.