Regeln für die Alpsömmerung in der Region bleiben bestehen

Weil das Risiko einer Infektion mit Rindertuberkulose und der Blauzungenkrankheit im nahen Ausland erhöht bleibt, gelten die speziellen Bestimmungen für die Alpsömmerung auch im 2019.

Michael Kohler
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Betreffend Sömmerung im Vorarlberg und Blauzungenkrankheit gelten im Alpsommer 2019 gleiche Regeln wie im Vorjahr. (Bild: Archiv)

Betreffend Sömmerung im Vorarlberg und Blauzungenkrankheit gelten im Alpsommer 2019 gleiche Regeln wie im Vorjahr. (Bild: Archiv)

Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen und die Ostschweizer Kantone geben in Sachen Rindertuberkulose noch keine Entwarnung. Das Risiko einer Infektion für Vieh, das im benachbarten Vorarlberg gesömmert werde, sei weiter erhöht. Das St. Galler Amt für Verbraucherschutz und Veterinärwesen (AVSV) gestattet zwar für Tiere aus dem Kanton St. Gallen die Sömmerung in Vorarlberg, spezielle Auflagen bleiben aber. So muss frühzeitig beim Tierarzt ein spezielles Zeugnis für Tiere eingeholt werden, die man über der Grenze sömmern will.

Vereinzelte Ausleger nahe der Grenze

Wie das AVSV in einer Mitteilung zu den Alpfahrtsvorschriften schreibt, wurden in gewissen Vorarlberger Regionen auch vergangenes Jahr mit Tuberkulose infizierte Hirsche gefunden und es kam zu Ansteckungen von österreichischen Sömmerungsrindern. «Die Situation in Vorarlberg ist nach wie vor kritisch», hält das Amt fest. Albert Fritsche, Kantonstierarzt und Leiter AVSV, bestätigt auf Anfrage, dass vor allem im Silbertal und Klostertal Wildtiere positiv getestet wurden.

Aber auch im Bregenzerwald, nahe der Schweizer Grenze, gebe es vereinzelte Ausleger der Krankheit. «Die Lage hat sich nicht entspannt», so Fritsche. Innerhalb der Schweizer Grenzen sei zwar bis dato kein angestecktes Wild festgestellt worden, wie Stichkontrollen zur Früherkennung im Raum von Samnaun bis Werdenberg ergaben. Ein Überschreiten der Landesgrenzen durch infizierte Wildtiere sei aber absolut möglich.

Die Schweiz bleibt in der Blauzungenzone

Ähnlich ist die Situation in Sachen Blauzungenkrankheit: Im Jahr 2017 sind in der Schweiz mehrere befallene Tiere registriert worden, was den Bund dazu bewog, die Schweiz zur Blauzungenzone zu erklären. Zwar waren im Kanton St. Gallen keine Tiere betroffen, das benachbarte Bündnerland beklagte aber mehrere positive Fälle.  Albert Fritsche stellt dazu fest. «Wir müssen heuer auch in St. Gallen mit erkrankten Tieren rechnen.» Deshalb gebe es beim Export von Klauentieren aus der Schweiz in zonenfreie Länder spezielle Auflagen.

Einzelhaltung für Esel und Pferde nicht erlaubt

Neu wird in den Alpfahrtsvorschriften 2019 speziell betont, dass die Einzelhaltung von sogenannten Equiden, also von Pferden und pferdeartigen Tieren wie Esel und Kreuzungen, explizit verboten ist. Diese Tiere müssen Sicht-, Hör- und Geruchskontakt zu einem anderen Equiden haben. Der Kantonstierarzt präzisiert, dass diese Vorschrift schon seit langem im Artikel 59 der Tierschutzverordnung festgehalten sei.

Man habe sie auf den Alpen allerdings bisher nicht allzu streng vollzogen, weil die Equiden oft zusammen mit dem restlichen Vieh gehalten wurden. «Im Talgebiet klappt die Umsetzung der Vorschrift, im Berggebiet kommt es vereinzelt zu Verstössen. Dem wollen wir mit der nötigen Betonung entgegenwirken», begründet Fritsche die explizite Erwähnung.

Rekrutierung ist schwierig

Noch dauert es rund zwei Monate, bis die Alpen bestossen werden können. Trotzdem ist die Suche nach geeignetem Alppersonal in weiten Teilen der Region bereits abgeschlossen. Gemäss Auskunft von Marco Bolt, alpwirtschaftlicher Berater am landwirtschaftlichen Zentrum St. Gallen LZSG, Salez, ist diese Aufgabe in den letzten Jahren schwieriger geworden. Immer seltener kommt es vor, dass Älpler fast ihr halbes Leben lang den Sommer auf «ihrer» Alp verbringen. Immer öfter kehre jemand nach einem oder zwei Sommersaisons auf der Alp wieder an den vorherigen Arbeitsplatz zurückkehrt, um dort den Anschluss nicht zu verlieren. Verständlicherweise wäre es für die Alpbesitzer und -pächter besser, wenn jemand, der in die dortige Arbeit eingearbeitet wird, diese dann auch über mehrere Jahre ausüben würde, so Bolt.