Grabs
Facharzt Roland Kunz: «Man kommt nicht darum herum, sich Gedanken zu machen, wie der letzte Lebensabschnitt gestaltet werden soll»

Der national wie international bekannte Facharzt Roland Kunz sprach in Grabs über das Leben und Sterben. Er möchte mit seinen Patienten nicht über deren Leiden sprechen, da frage er besser: «Was beschäftigt Sie?» Wichtig sei, dass ältere Menschen selbstbestimmt über ihr Leben oder Sterben entscheiden könnten. Wenn man über die Lebensqualität nachdenke, müsse man allerdings auch die eigenen Erwartungen bezüglich Lebensqualität in Betracht ziehen.

Heidy Beyeler
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Roland Kunz im Gespräch mit einer Besucherin. Der Spezialist für Altersmedizin beeindruckte das Publikum mit seinem Referat in der Mehrzweckhalle Unterdorf in Grabs.

Roland Kunz im Gespräch mit einer Besucherin. Der Spezialist für Altersmedizin beeindruckte das Publikum mit seinem Referat in der Mehrzweckhalle Unterdorf in Grabs.

Bild: Heidy Beyeler

Markus Rüdisühli, Gemeinderat – Präsident Betrieb Stüdtlihus und Präsident für das Ressort Gesundheit und Alter – begrüsste die grosse Anzahl von Menschen 60+ aus der Gemeinde Grabs.

Der Männerchor Grabs sorgte am Mittwochnachmittag in der Mehrzweckhalle Unterdorf für gute Unterhaltung mit passenden Liedern, die lustig und fröhlich klangen, aber auch besinnliche Momente boten. Rüdisühli motivierte die Anwesenden weiterhin «aktiv an unserer Gemeinde teilzunehmen».

«Grosse Erfahrungen mit dem Älterwerden»

Anschliessend stellte Christoph Ritter, Facharzt Allgemeine Innere Medizin, den Referenten Roland Kunz vor. Er ist ärztlicher Leiter im Zentrum für Palliative Care im Spital Waid in Zürich. Roland Kunz ist Facharzt für Innere Medizin, Spezialist für Altersmedizin (Pallativmedizin) und an der Universitären Klinik für Akutgeriatrie im Stadtspital Waid, Zentrum für Palliative Care, tätig. Der Grabser Arzt Christoph Ritter betonte:

«Er hat grosse Erfahrungen mit allen Aspekten des Älterwerdens, so auch mit dem Aspekt des Sterbens.»

Herzblut für das, was er macht

Roland Kunz erläuterte, dass im Alter Lebensqualität anhand verschiedener Aspekte gelebt werden kann. Dazu bot er verschiedene Gedankenanstösse, die dazu führen sollen, in Gesprächen mit anderen (Freunde, Angehörige usw.) über Lebensqualität im Alter und über Leben und Tod zu diskutieren. Dabei sei zu überlegen, was man aus den Gedanken umgesetzt werden könne.

Wenn man über die Lebensqualität nachdenke, müsse man allerdings auch die eigenen Erwartungen bezüglich Lebensqualität in Betracht ziehen. Dazu gehöre auch der Umgang mit dem Älterwerden, wenn beispielsweise die Kräfte nachlassen. «Man kommt nicht darum herum, sich Gedanken zu machen, wie der letzte Lebensabschnitt gestaltet werden soll», betonte Kunz.

Der Männerchor Grabs sorgte für gute Stimmung.

Der Männerchor Grabs sorgte für gute Stimmung.

Bild: Heidy Beyeler

«Differenz zwischen Erwartung und der Realität»

Er weiss aus Erfahrungen, dass alle Seniorinnen und Senioren eigene Vorstellungen von der Lebensqualität haben. Der eine stehe früh auf und geniesse zuerst einen Espresso, andere würden einen Cappuccino bevorzugen und wieder andere würden morgens lieber Tee trinken. «Die Einschränkung von Lebensqualität entspricht immer der Differenz zwischen unseren Erwartungen und der Realität», sagte der Referent.

Palliative Care ist für Roland Kunz eine Haltung. Deshalb integrieren er und sein Team die Gedanken eines Patienten über den Tod in das Behandlungskonzept und reden mit ihm, damit er selber über Entscheidungen treffen kann. Laut Untersuchungen sind vor allem Menschen aus der ältesten Gruppe der 85-Jährigen zufrieden. Ihre Lebensqualität drückt sich in ihre freie Zeit und der Zufriedenheit aus. Sie leben zu einem grossen Teil noch zu Hause.

Zeigte auf, wie man den Schrecken des Todes nehmen kann

Das Publikum war angetan von den vielen Anregungen des Referenten darüber, wie auch im Alter Lebensqualität genossen werden kann. Kunz machte aber auch klar, dass der Tod eine Realität des Lebens ist. Er zeigte auf, wie Angehörige, Ärzte und Pflegepersonen älteren Menschen und auch Patienten den Schrecken des Todes nehmen können.

Er möchte mit seinen Patienten nicht über deren Leiden sprechen, da frage er besser: «Was beschäftigt Sie?» Wichtig sei, dass ältere Menschen selbstbestimmt über ihr Leben oder Sterben entscheiden könnten.

Leben und Sterben

Vor gut einem Jahr haben Roland Kunz und Heinz Rüegger im Sachbuchverlag Rüffer & Rub, das Buch «Über Selbstbestimmtes Sterben» mit dem Untertitel «Zwischen Freiheit, Verantwortung und Überforderung» veröffentlicht. Dort finden Interessierte weitere umfangreiche Informationen zum Thema Leben und Sterben. (bey)

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