Schloss Werdenberg
Ein besonderes Schmuckstück: Kunstschaffende präsentieren Räume und Träume

Die Ausstellung der Schlossmediale präsentiert Ende Mai interessante Kunst.

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Teil der Ausstellung im Schloss Werdenberg ab 21. Mai: Das Frauen-Duo Katherine Newton und Katia Rudnicki.

Teil der Ausstellung im Schloss Werdenberg ab 21. Mai: Das Frauen-Duo Katherine Newton und Katia Rudnicki.

Bild: PD

(pd/ab) Die zur Schlossmediale im Schloss Werdenberg gehörende Ausstellung ist jeweils ein besonderes Schmuckstück, auch an der neunten Austragung des Anlasses mit internationalem Flair gehört sie zum Herz des Angebots. Unter dem Mantel des Themas «Gross und Klein» hat es Platz für alle, welche diese Perspektive am eigenen Leib ergründen und sich mit der Wahrnehmung von Grössenverhältnissen auseinandersetzen möchten. Verschiedene Kunstschaffende stellen vom 21. bis 30. Mai ihre Werke aus.

Einen Raum in einen anderen Raum stellen

William Speakman, einer der beiden Künstler im Fokus in diesem Jahr, spielt in seiner Installation «Inner Chamber» mit grossen und kleinen Räumen: «Einen Raum in einen anderen Raum zu stellen und ihm eine geheime Qualität zu verleihen, ist ein netter Gedanke», sagt Speakman.

Inspiration waren die innersten Kammern antiker Tempel. Sabine Hausherr entwirft für diese Enge eine eigene Choreografie. Speakmans Video «Underwater» spielt mit Mikro- und Makrowelten, die vor dem Auge nur durch Projektion und Perspektive entstehen. Makrobilder einer Süsswasserwelt erhalten mittels Projektion überlebensgrosse Dimensionen.

Den eigenen Massstab hinterfragen

Verhältnisse sind auch der zentrale Aspekt in den Installationen und Performances, die die vier Stipendiaten speziell für das Schloss Werdenberg entwickelt haben: Das Frauen-Duo Katherine Newton und Katia Rudnicki kreiert durch das Übereinander- und Aneinanderlegen von Körpern und Räumen neue Grössenverhältnisse und hinterfragt damit, welchen Massstab man sich selbst gibt.

Beim Höhlengleichnis des griechischen Philosophen Platon werden kleine Gegenstände vorbeigetragen, die als grosse Schatten an der Wand erscheinen: Die eigentliche Welt ist nur über diese Schatten sichtbar. Lilla von Puttkamer greift in «Hannahs Höhlengleichnis» dieses Bild auf. Sie setzt Platon als weiblichen Kontrapunkt die Philosophin Hannah Arendt entgegen: In ihrem Text über So­krates schreibt Arendt, dass wir nicht wissen, was absolute Grösse ist, sondern nur, ob etwas grösser oder kleiner in Bezug auf etwas anderes ist. Puttkamer formt erfundene und gefundene Gegenstände und Beobachtungen zu kleinen Tonfiguren.

600 Postkarten zu einem Bild vereint

Auch Roland Stratmanns Installation stellt Fragen nach Standpunkt und Blickwinkel von Gross und Klein, nach den globalen Auswirkungen vermeintlich lokaler Ereignisse. Für seine Installation «Globuli» wählt Stratmann aus seiner Sammlung unzähliger, aus der Schweiz in die ganze Welt versendeter Postkarten 600 Karten aus zehn Dekaden aus und fügt sie zu riesigen Tableaus zusammen.

Die Bildhauerin Sarah Hillebrecht visualisiert mit der Performance «Unterliegen» mit vier kleinen Holzskulpturen einen emotionalen Zustand, wie ihn alle kennen: Man wird besiegt, unterliegt den eigenen (inneren) Dämonen oder anderen (äusseren) Kräften.