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Prozess vor dem Kreisgericht in Mels: Vergewaltigung konnte nicht bewiesen werden

Ein Prozess wegen mehrfacher Vergewaltigung endete am Kreisgericht in Mels mit einem glatten Freispruch. Was dem Gericht vorlag, reichte nicht für einen Schuldspruch aus.
Reinhold Meier
Keine «volle Überzeugung» für eine Straftat: Das Kreisgericht entschied auf Freispruch. (Bild Patrick Gutenberg)

Keine «volle Überzeugung» für eine Straftat: Das Kreisgericht entschied auf Freispruch. (Bild Patrick Gutenberg)

Die Vorwürfe der Anklage wogen schwer, und so stand für den bisher unbescholtenen Angeklagten eine Haftstrafe im Raum. In zwei Fällen soll der heute 54-Jährige aus Bosnien seine Frau vergewaltigt haben.

Anklage sagt: Körperliche Überlegenheit ausgenutzt

Diese hatte auf seinem Handy, so erklärte sie, stichfeste Hinweise für eheliche Untreue gefunden, Nachrichten und Verabredungen mit anderen Frauen. Abends, im Bett, kurz vor den Lichterlöschen, habe sie den Gatten darauf angesprochen, ob er das eigentlich in Ordnung fände.

Der habe darauf schockiert reagiert, dann habe sich sein Blick versteinert und schliesslich habe er sie dank körperlicher Überlegenheit zum Sex gezwungen. Der Übergriff habe sich in den Tagen danach mit einem ähnlichen Ablauf wiederholt.

15 Monate unbedingte Haft gefordert

Nachdem die Frau rund sechs Wochen später bei der Polizei Anzeige erstattete, verhängte die Staatsanwaltschaft ein Kontakt- und Rayonverbot für den Mann. Zugleich erhob sie nach einer einzigen Einvernahme Anklage und forderte eine Freiheitsstrafe von 30 Monaten, wovon 15 Monate unbedingt zu vollziehen seien. Der Rest sei bedingt auszusprechen, bei einer Probezeit von drei Jahren.

Die Verteidigung plädierte hingegen auf Freispruch und forderte, nicht ganz alltäglich, Schadensersatz für die finanziellen Folgen des Rayonverbots.

Zumindest «nicht zu unterdrückende Zweifel»

An Schranken war nur der Beschuldigte mit seinem Anwalt erschienen, nicht jedoch die Frau. Sie liess sich mit einem ärztlichen Attest entschuldigen. Früher im Verfahren hatte sie sich als hilfloses Opfer dargestellt. Sie habe immer alles Geld abgeben müssen, das Haus nicht verlassen dürfen, keinen Deutschkurs besuchen und auch keinerlei Freundschaften pflegen können.

Gleichwohl wurde schon bald deutlich, dass sie keineswegs das unterdrückte Opfer sein konnte, als das sie sich darzustellen suchte. Manche Behauptungen liessen sich eindeutig widerlegen, andere nährten zumindest «nicht zu unterdrückende Zweifel», wie es hiess.

Nicht Gewalt, sondern das Gespräch gesucht

Diesen Eindruck verstärkten auch die Textnachrichten, welche das Paar am Tag nach der angeblich ersten Vergewaltigung ausgetauscht hatte. Sie entsprachen in keiner Hinsicht, der Tonlage und den Inhalten, die nach einem solchen Vorfall zu erwarten oder auch nur plausibel gewesen wären. Sie stützten somit die Version des Mannes.

Zudem wurde deutlich, dass der Mann offenbar im Laufe des betreffenden Tages keineswegs Gewalt, sondern das Gespräch gesucht, sie das aber abgelehnt hatte.

Beide Seiten waren teils unglaubwürdig

Das Gericht gelangte schliesslich zur Auffassung, dass keine hinreichenden Beweise für einen Schuldspruch vorlägen. Letztlich stünde Aussage gegen Aussage, verbunden mit dem Eindruck, dass beide Seiten nicht restlos glaubwürdig seien.

Das, was vorlag, genügte dem Gericht jedenfalls nicht, um die notwendige «volle Überzeugung» zu erreichen, dass eine Straftat begangen worden sei. So erfolgte ein Freispruch.

Die Zivilforderung des Mannes wurde abgewiesen. Die Kosten des Verfahrens in Höhe von knapp 10000 Franken muss der Staat tragen.

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