Provokation durch Frauenskulpturen in der Kirche

Während der Fastenzeit zeigt die katholische Kirche sieben lebensgrosse Frauenskulpturen mit Wort und Musik. Nicht nur der Titel der Ausstellung «Himmlische Weibsbilder» ist bewusst provokant gewählt.

Alexandra Gächter
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Künstler Det Blumberg (links) und Seelsorger Ottmar Hetzel mitten die Skulptur der von Leid geplagten Frida Kahlo ein. (Bild: Alexandra Gächter)

Künstler Det Blumberg (links) und Seelsorger Ottmar Hetzel mitten die Skulptur der von Leid geplagten Frida Kahlo ein. (Bild: Alexandra Gächter)

«In jedem Mann steckt auch eine Frau. Wir müssen sie nur entdecken.» Dieser Überzeugung ist Det Blumberg, Künstler aus dem Toggenburg. In seinem Leben wurde er oft mit Leid und Gewalt konfrontiert. «Mein Blickwinkel auf die Gewalt war stets sehr männlich. Früh habe ich lernen müssen, nicht zu weinen und stark zu sein», so Blumberg.

Die Konfrontation mit Leid sieht er als Lernprozess, die das Leben für einen bereit hält. «Im Leben geht es darum, zu lernen. Und am meisten lernt man aus leidvollen Erlebnissen.» Mit seiner männlichen Sichtweise auf die Gewalt konnte er aber nicht sehr viel aus dem Leid lernen. Deshalb änderte er seine Sichtweise.

«Ich habe mich gefragt, wie Frauen mit Leid umgehen, und habe entdeckt, dass ein bedeutender Teil in mir weiblich ist.»

Und so entstand die Idee, Frauen, die mit viel Leid konfrontiert waren, als Skulpturen zu porträtieren.

Nicht nur starke Frauen zeigen

So entstanden – mit der Kettensäge geschnitzt – die sechs Skulpturen der Frauen Rigoberta Menchú, Maria Magdalena, Therese Studer, Heilige Crescentia von Kaufbeuren, Judith aus Betulia und Frida Kahlo. «Doch nebst diesen starken Frauen fehlte mir die Wichtigste: eine schwache Frau, die am Boden liegt.» Diese Person ist «die Getretene». Sie ist anonym, kann überall sein und steht für jede Frau, die Leid erfahren muss. «‹Die Getretene› gibt der Ausstellung einen Sinn. Denn es gibt auf der Welt nicht nur starke, sondern auch schwache Menschen. Die starken sollen hinschauen, das Leid erkennen und den schwachen helfen», sagt Blumberg.

Der Künstler möchte mit seiner Ausstellung bewusst provozieren.

«Bereits der Titel ‹Himmlische Weibsbilder› ist provokant. ‹Die Getretene› lässt er am Boden liegen.»

Im Kontrast dazu wird Judith aus Betulia in 1,80-m-Grösse gezeigt – in der einen Hand das Schwert, in der anderen den Kopf eines Mannes. Seelsorger Ottmar Hetzel aus Buchs hat sich sofort von der Idee des Künstlers begeistern lassen. «Ich sehe es als Zeichen, dass die Organisation Fastenopfer Schweiz die diesjährige Fastenzeit unter das Motto ‹Gemeinsam für starke Frauen› gesetzt hat.

Ausserdem ist am 8. März, am Tag der Vernissage, der internationale Tag der Frau.» Für den Begleittext der Skulpturen hat Hetzel starke Frauen der Region gesucht. Er konnte die beiden Buchserinnen Elsbeth Maag und Caroline Capiaghi für die Ausstellung gewinnen. Daneben spricht auch eine Grabser Frauenärztin und zwei Klosterschwestern. Mit Hildegard Aepli konnte Hetzel zudem eine Frau gewinnen, die nach Jerusalem gepilgert ist, um für Frauen in der Kirche zu kämpfen.

Die Wortbeiträge werden musikalisch umrahmt. Unter anderen treten Anna Gschwend, Ulrich Zeitler und der Kirchenchor Con Tigo auf. Obwohl Ottmar Hetzel erst wenige Wochen in Buchs wohnt, habe er praktisch keine Überzeugungsarbeit leisten müssen, um das Geld für die Ausstellung aufzutreiben. «Dies ist wohl ein weiteres Zeichen, dass wir mit der Ausstellung das Richtige machen.»

Hinweis
Skulpturenausstellung «Himmlische Weibsbilder» zur Fastenzeit vom 8. März bis 16. April, in der Herz-Jesu-Kirche, Buchs.