Salat und Fisch aus dem Untergrund: In einem Stollen in Flums werden Lebensmittel angebaut

Im Versuchsstollen Hagerbach in Flums gedeihen seit Anfang Februar Fische und Salat. Betrieben wird die Anlage vom Scaut-Konsortium, das gleichzeitig eine Konzeptstudie erarbeitet. Ziel ist die nachhaltige Produktion von Nahrungsmitteln.

Jerry Gadient
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Es gedeiht: Scaut-Geschäftsführer Klaus Wachter bei den Salat-Hochbeeten. (Bild: Jerry Gadient)

Es gedeiht: Scaut-Geschäftsführer Klaus Wachter bei den Salat-Hochbeeten. (Bild: Jerry Gadient)

Heute werden Lebensmittel durchschnittlich 2000 Kilometer durch Europa gefahren, bevor sie zum Konsumenten gelangen. «Stellen Sie sich vor, sie würden direkt unter einer Stadt angebaut und gelangen dann an die Oberfläche: Das würde den CO2-Fussabdruck massgeblich reduzieren.» Klaus Wachter, Geschäftsführer des Fördervereins Swiss Center of Applied Underground Technologies (Scaut), veranschaulicht so eine der Überlegungen, die zum Projekt des «Underground Green Farmings» geführt haben.

Nachhaltige Produktion von Lebensmitteln im Untergrund

Unter der Führung von Scaut hat nun ein Industriekonsortium in einem Stollen des Versuchsstollens Hagerbach in Flums einen Prototyp eingerichtet. Mittels Aquaponik soll dort die nachhaltige Produktion von Lebensmitteln im Untergrund getestet werden. Aquaponiksysteme kombinieren Aquakulturen und Hydroponik und ermöglichen somit eine parallele Kultivierung von Fischen und Pflanzen. Konkret werden im Prototyp Regenbogenforellen und Salate herangezogen.

Das System arbeitet im Kreislauf, das von den Fischen ausgeschiedene Ammoniak wird in Filtern aufbereitet und in Nitrat umgewandelt, das den Pflanzen als Nährstoffquelle dient. Das verwendete Wasser wird anschliessend wieder in den Kreislauf zurückgeführt. Die im Prototyp produzierten Lebensmittel werden direkt vor Ort verwendet, nämlich im Restaurant Hagerbach.

Eine Konzeptstudie mit einem Businessmodell

Die Installation in einem Stollen des Hagerbachs wird für gezielte Forschung und Entwicklungstätigkeiten genutzt, es wurde ein Forschungsprogramm für die spezifische Anwendung unter Tage entwickelt. Gleichzeitig wird eine Konzeptstudie erarbeitet, die auch eine Marktstudie und ein Businessmodell umfasst.

Nach sechs Monaten, also Ende August, geht die erste Testphase mit dem Prototyp zu Ende, bis dann soll auch die Konzeptstudie vorliegen. «Dann sehen wir, ob es wirtschaftlich ist und so funktioniert, wie wir es uns vorstellen und wie wir weiter vorgehen wollen», erklärt Wachter. Und ergänzt, dass der Prototyp dann wohl weiter betrieben wird: «Und wir werden versuchen, das Konzept in verschiedenen Ländern an den Mann zu bringen.»

Eine Antwort auf den Verlust von Ackerland

«Underground Green Farming» wird als mögliche Antwort auf den zunehmenden Verlust von geeignetem Ackerland gesehen und somit auch als vielversprechende Möglichkeit, die wachsende Menschheit in Zukunft ernähren zu können.

Das vorliegende Konzept wird jetzt auch interessierten Partnern und Kunden auf der ganzen Welt präsentiert. Beim Projekt wird das «Green» stark betont.

«Wir sind der Meinung, dass dieses Farming wirklich umwelt- und klimafreundlich ist»

so Wachter. Treibhausgase und die Ressource Wasser «sind Punkte, die uns wichtig sind».

Stollen bietet ideales Testumfeld

Der Versuchsstollen Hagerbach (VSH) biete ein ideales Testumfeld. Wachter dazu: «Der VSH ist für uns ein wichtiger Partner. Scaut beschäftigt sich ja mit neuen innovativen Konzepten und Technologieanwendungen. Neben theoretischen Überlegungen ist es dabei wichtig, diese Konzepte auch real umsetzen und durchspielen zu können, um zu sehen, ob das eigentlich so funktioniert, wie wir uns das gedacht haben, wie wir das geplant haben.»

Genau hier komme der VSH ins Spiel, der die einzigartige Möglichkeit bietet, die Konzepte im realen 1:1-Massstab umzusetzen, «ohne den Zeit- und Kostendruck einer realen Baustelle und ohne zu viele Zuschauer rund herum».