Projekt der Luftseilbahn in Liechtenstein löste sich vor 71 Jahren in Luft auf

Vor 71 Jahren wurde der Bau einer Luftseilbahn Vaduz-Gaflei spruchreif. Sie sollte ein Anziehungspunkt werden. Es kam aber nicht soweit.

Hansruedi Rohrer
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Vaduz Im Februar 1948 existierte der Plan, Vaduz, den Hauptort des Fürstentums Liechtenstein, mit der Bergregion Gaflei zu verbinden. Und zwar mit der Luftseilbahn Vaduz-Gaflei AG. Ein sechsköpfiges Initiativkomitee legte der Bevölkerung damals mit einem Prospekt das Projekt samt Statutenentwurf und der Einladung zur Aktienzeichnung dar. Angeboten wurden Inhaberaktien zu 250 Franken.

Aktienkapital wurde mit 250000 Franken errechnet

Damit sollte zum grössten Teil das Kapital zur Errichtung der Bahn im Betrag von 300000 Franken beschafft werden. Das Aktienkapital wurde mit 250000 Franken errechnet, eingeteilt in 1000 Inhaberaktien zu 250 Franken. Dazu sollten noch fremde Mittel in der Höhe von 50 000 Franken aufgenommen werden.

Fast 40 Dörfer im Tief- und Fernblick

Die viel besuchte Residenz Vaduz sollte also dank dieser Bahn direkt mit der Alp Gaflei, 1500 Meter über Meer und mehr als 1000 Meter über dem Rhein, verbunden werden. Dort oben befinden sich auch Masescha, Silum und Sücca. Im Prospekt steht unter anderem: «Die freie Lage spiegelt sich in dem einzigartigen Tief- und Fernblick, der fast 40 Dörfer umfasst und beinahe vom Bodensee bis tief in die Glarner und Bündner Alpen hineinreicht, der den Säntis wie den Alvier, Calanda, Pizol und die Ringelspitze in sich schliesst. Auch die Sonnenscheindauer beweist die ausgesuchte Lage, ist sie doch im Sommer sozusagen unbeschränkt und beträgt selbst im Hochwinter sieben Stunden.

Die hohe Lage erfüllt aber auch zwei grundwichtige Forderungen des Alpenfreundes: wahres alpines Klima sommers wie winters und sichere Schneelage.» Um die Schönheit dieser Berglandschaft den Alpenfreunden zugänglich zu machen, war der Bau der Luftseilbahn geplant. Die Talstation sollte in der Nähe des Waldhotels in Vaduz und die Bergstation beim Alphotel Gaflei errichtet werden. Die Lage von Vaduz erachteten die Initianten als zweckmässig für die Talstation. Erwähnt wurde dazu: «Von den Bahnstationen Trübbach, Buchs, Schaan und Feldkirch aus besteht täglich mehrmals Autopostverkehr mit Vaduz. Desgleichen liegt Vaduz unmittelbar an dem Autostrassenkreuz Zürich–Wildhaus–Buchs und St.Gallen–Buchs–Chur, ferner an der Autostrasse Feldkirch–Schaan–Buchs.»

Und weiter: «Die Bergbahn Vaduz-Gaflei, welche als einzige im ganzen Rheintal bestehen würde, wäre ein besonderer Anziehungspunkt vorweg für das Rheintal, wie überhaupt für den Fremdenverkehr.» Gemäss dem Projekt der Eisen- und Stahlwerke Oehler & Co. AG, Aarau, lauteten die technischen Angaben für die Luftseilbahn wie folgt: horizontale Länge 1622 Meter, schräge Länge 1855 Meter, Höhendifferenz 888 Meter, Fahrzeit 8 Minuten, Geschwindigkeit 4 Meter pro Sekunde, Nutzlast 4 Personen oder 400 kg Waren. Die Fahrkarte sollte 3.50 Franken kosten. Bei der Rentabilitätsrechnung waren sich die Initianten sicher, dass bei Annahme von jährlich nur 85 Betriebstagen und einer Frequenz von nur 17 000 Personen für die Kapitalzeichnenden kaum ein Risiko dabei war.

Die Bergbahn wurde nie realisiert

Der Statutenentwurf der Luftseilbahn Vaduz-Gaflei Aktiengesellschaft (so die Firmenbezeichnung gemäss Art. 1) enthielt 33 Artikel. Art. 2 lautete: «Der Zweck der Gesellschaft ist die Errichtung und der Betrieb einer Luftseilbahn von Vaduz nach Gaflei und die Förderung der damit direkt und indirekt zusammenhängenden wirtschaftlichen Interessen sowie die Beteiligung an gleichartigen oder ähnlichen Unternehmen.» Die Bergbahn wurde nie realisiert.