Viele Leute kennen die Problempflanzen nicht

Gemeinden im Werdenberg kämpfen gegen invasive Neophyten. Man müsse jetzt «mit Konsequenz dahinter».

Corinne Hanselmann
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An mageren Standorten, an Borden und Wegrändern gedeiht das Berufkraut teilweise prächtig, wie hier in Salez.Bild: Corinne Hanselmann

An mageren Standorten, an Borden und Wegrändern gedeiht das Berufkraut teilweise prächtig, wie hier in Salez.Bild: Corinne Hanselmann

Im Kampf gegen Problempflanzen hat jede Gemeinde als Anlaufstelle einen Neophytenverantwortlichen, dem befallene Flächen gemeldet werden können. In der Gemeinde Sennwald ist Markus Rohrer dafür zuständig. Der Pflanzenschutzbeauftragte sagt:

«Das Einjährige Berufkraut hat sich in den vergangenen Jahren explosionsartig ausgebreitet.»

Den Grund dafür sieht er unter anderem in der Ökologisierung. Auf intensiv bewirtschafteten Flächen komme das Berufkraut kaum vor. Flächen aber, die beispielsweise nur von Vieh beweidet und nicht gemäht werden, seien sehr gefährdet. Als Beispiel nennt er die Tratt in Frümsen.

Asylbewerber reissen 
Pflanzen aus

«Wir arbeiten gerade ziemlich intensiv an der Bekämpfung des Berufkrauts», so Rohrer. Mehrere Betreuer seien mit Asylbewerbern am Pflanzenausreissen und eine Gruppe vom Verein Primajob (arbeitsmarktliche Massnahmen der Sozialhilfe der Region Sarganserland-Werdenberg) entferne zum Beispiel entlang des Höhenwegs zwischen Sennwald und Frümsen das Berufskraut. Regelmässig ist Markus Rohrer in der Gemeinde unterwegs und hält Ausschau nach invasiven Neophyten. Ab und zu bekomme er auch Anrufe von Privaten, die befallene Flächen melden.

SBB unternehmen wenig bis nichts

Nebst dem Einjährigen Berufkraut gibt es eine ganze Reihe weiterer invasiven Neophyten, die im Werdenberg häufig vorkommen. «Demnächst beginnen die Kanadischen Goldruten zu blühen», sagt Rohrer. In der Gemeinde Sennwald mussten vergangene Woche Essigbäume entfernt werden. Entlang vom Binnenkanal habe man vor einem Jahr Riesenbärenklau beseitigen müssen, der gefährliche Substanzen enthält, welche bei Sonnenlicht Verbrennungen auf der Haut verursachen können. Der Sommerflieder, auch Schmetterlingsstrauch genannt, sei auf dem Vormarsch. Das Drüsige Springkraut wachse in vielen Waldlichtungen und auch den Japanischen Staudenknöterich sehe man immer wieder.

Dem Rhein entlang nehme der Sommerflieder und das Berufskraut extrem zu, weiss der Fachmann. Häufig wachsen invasive Neophyten auch entlang von Autobahn und Bahndamm. Mit dem Mahnfinger zeigt Markus Rohrer auf die SBB, die wenig bis nichts unternehmen würden.

Viele Leute kennen die Problempflanzen nicht

Obwohl invasive Neophyten bereits einige Jahre immer wieder im Gespräch sind, ist die Bevölkerung erst wenig für dieses Thema sensibilisiert. «Ich stelle immer wieder fest, dass viele Leute diese Problempflanzen gar nicht kennen», so Rohrer. Gerade im Kampf gegen das Berufkraut müsse man jetzt aber «mit Konsequenz dahinter».