Pilzsaison
«Kein besonders üppiges Pilzjahr»: Der Frühling war zu kalt und der Sommer zu nass

Zwar sind die Temperaturen in den letzten Tagen wieder angestiegen, doch die lange Regenperiode hat Folgen auf das Pilzwachstum.

Michael Kyburz
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Der Steinpilz gehört zu den begehrtesten Speisepilzen der Region.

Der Steinpilz gehört zu den begehrtesten Speisepilzen der Region.

Arno Balzarini / KEYSTONE

Der Sommer 2021 zeigte sich über lange Strecken von seiner regnerischen Seite. Nicht nur bei vielen Menschen sorgte die trübe Wetterlage für Unmut, auch für die Pilze war es teilweise zu nass. «Ich glaube nicht, dass es ein besonders üppiges Pilzjahr geben wird», meint Pilzkontrolleur Uli Hoppek. Zusammen mit Notta Tischhauser führt Hoppek das Mandat als Pilzkontrolleur für die Region Werdenberg aus.

Wasser per se sei nicht schlecht für die Pilze, im Gegenteil für ihr Wachstum sind sie auf ausreichend Feuchtigkeit angewiesen. Allerdings liess die lange Regenperiode den Boden auskühlen, was sich hemmend auf das Pilzwachstum auswirkt. Zumal bereits der Frühling etwas kühler ausfiel.

Hoffen auf einen schönen Herbst

Was noch nicht ist, kann noch werden – zumindest teilweise. «Sollten die Temperaturen weiterhin so bleiben wie in den vergangenen Tagen hat das sicherlich einen positiven Einfluss auf das Pilzwachstum», erklärt der Pilzkenner. Zudem könne sich die Pilzsaison durch einen schönen Herbst bis weit in den Oktober hineinziehen.

Wer sich jetzt auf die Pilzsuche begibt, kann vor allem Pfifferlinge und Semmelstoppel finden. Beide Arten scheinen, mit den schwierigen Bedingungen im Wald zurecht zu kommen. Grössere Mühen habe hingegen der begehrte Steinpilz, erklärt Hoppek. Der Steinpilz kommt in unserer Region vorwiegend in höher gelegenen Wäldern vor. Diese leiden heuer zwar nicht unter Trockenheit, wie es in vergangenen Jahren manchmal der Fall war, doch den Pilzen fehlt die nötige Wärme, die sie für ihr Wachstum bräuchten.

Pflanzen und Pilze arbeiten zusammen

Aber wer wisse, wo er suchen müsse, könne trotzdem das eine oder andere Exemplar finden. Der Pilzexperte gibt einen Tipp:

«Die meisten Pilze gehen eine Symbiose mit einer Pflanze ein.»

Als Symbiose wird die Zusammenarbeit von Pilz und Pflanze beschrieben. Der Pilz versorgt den Baum mit Wasser und dieser wiederum liefert dem Pilz wichtige Spurenelemente und Zucker. Wer also einen Fichtensteinpilz sucht, kann seine Chancen erhöhen, wenn er in einem Nadelwald auf die Suche geht.

Lokaler Pilzschutz

Im Kanton St. Gallen obliegt der Pilzschutz den Gemeinden. In alle Kommunen der Region Werdenberg gilt: Vom ersten bis zum zehnten Tag jedes Monats ist das Sammeln von Pilzen untersagt. An den übrigen Tagen ist das Pilzesammeln mit Ausnahme zwischen 20 Uhr und 8 Uhr gestattet. Zudem ist das organisieren von Sammlergruppen mit mehr als drei Erwachsenen, die nicht zur gleichen Familie gehören, untersagt. Pro Person und Tag dürfen maximal 2 Kilogramm Pilze aller Art gesammelt werden.

Absicherung durch Pilzkontrolleure ist wichtig

Das Sammeln von Pilzen geht oftmals einher mit der Sorge, ein ungeniessbares oder gar giftiges Exemplar zu erwischen. Deswegen sei die Absicherung durch einen Pilzkontrolleur sehr wichtig, erklärt Hoppek.

«Auch erfahrenen Pilzsammlern empfehle ich das Angebot. Vor allem dann, wenn sie ihr Spektrum auf neue Pilzarten erweitern.»

Unerfahrenen Pilzsammlern rät Hoppek die Teilnahmen an einem Pilzlehrkurs. «Wenn sich genügend Interessierte finden, können die lokalen Pilzkontrolleure einen solchen Lehrkurs anbieten.»

Allgemein sollten sich sowohl erfahrene als auch neue Pilzler immer wieder über die Pilze aus der Region informieren. «Auch wir Kontrolleure tauschen uns fortlaufend aus, denn durch die Veränderung des Klimas kann es vorkommen, dass sich neue Pilzarten aus südlicheren Regionen bei uns niederlassen.» Selbst wenn die Saison etwas bescheidener ausfällt, kann es sich lohnen in die Pilze zu gehen.

Neben dem Finden von Speisepilzen ist auch die Suche danach ein grosser Teil der Pilzsammelfreude. «Beim Herumstöbern im Wald, kann man schnell die Zeit vergessen», erzählt Uli Hoppek.

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