Peter Stamm liest auf Schloss Werdenberg

Den Auftakt zur Saison 2019 mit dem Jahresthema «Gold» auf Schloss Werdenberg machte der erfolgreiche Schriftsteller Peter Stamm, mit «Literatur am Kachelofen».

Heidy Beyeler
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Während Peter Stamm seine Erzählungen liest, hört Mirella Weingarten aufmerksam zu. (Bild: Heidy Beyeler)

Während Peter Stamm seine Erzählungen liest, hört Mirella Weingarten aufmerksam zu. (Bild: Heidy Beyeler)

Mirella Weingarten zeigte sich hoch erfreut, als sie die Gäste in der randvollen Landvogtstube begrüssen durfte, bevor sie den Schweizer Literaten Peter Stamm vorstellte. Der Autor gehört zu den renommiertesten Autoren des deutschsprachigen Raumes. Er ist allerdings auf Umwegen mit mehreren Schlaufen zur Schriftstellerei gekommen und schreibt seit über 20 Jahren Bücher. Er wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Im vergangenen Jahr durfte er in Solothurn den Schweizer Literaturpreis entgegennehmen.

Den Sinn hinterfragen

Mirella Weingarten, künstlerische Leisterin Schloss Werdenberg, stellte fest, dass die Figuren, welche in den Erzählungen von Peter Stamm vorkommen, zum Jahresthema «Gold» des Schlosses Werdenberg sehr gut passen. «Es hat etwas mit Sinnsuche zu tun.» Und deshalb fragte sie den Literaten direkt, «sind ihre Figuren auf Sinnsuche?» Zögerlich antwortete Stamm. «Ja, so wie wir alle. Aber sie sind nicht so wie jene Sinnsucher, die ständig nach dem Sinn suchen und die man eher etwas abschätzig betrachtet. Nein so sind die Figuren in meinen Werken nicht.»

Aber es sei doch so, dass wir alle manchmal über etwas nachdenken und nach dem Sinn fragen, so Stamm. Wenn er eine neue Geschichte anfängt, dann kennt er den Anfang und die Figur, aber er weiss nicht im vornherein, wie die Erzählung weitergeht, wohin der Weg führt und wie die Geschichte endet. «Ich brauche eine gute Ausgangssituation und dann schaue ich, was passiert. Es kann aber auch sein, dass eine erzählende Geschichte ganz unvermittelt sein Ende findet.»

Nach diesem Gespräch liess Peter Stamm die Zuhörer nicht länger warten. Er kündigte drei Erzählungen an, die bisher noch nicht veröffentlicht wurden und somit für alle Gäste neu waren. Seine schlichte Sprache findet man wieder in diesen Erzählungen; sie sind sachlich, um nicht zu sagen nüchtern – ohne Firlefanz.

Wirklichkeit oder Fiktion?

Seine Lesung endete mit einer Erzählung, die auf viele Menschen passen könnte – die beispielsweise eine Party in einem öffentlichen Schwimmbad besuchen. Ohne Wertung der Figuren erzählt er von deren Leben und strickt daraus eine Geschichte. Solche Texte sind spannend, lebendig – und enden manchmal auch fatal. Mitunter wissen Zuhörende nicht, ob das Geschriebene Wirklichkeit oder Fiktion ist, wenn Peter Stamm erzählt, dass beispielsweise eine Frau nackt durch die Schwimmbadanlage streift und er sarkastisch feststellt: «Sie trug das schönste Kleid.»

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