Peter Eugster: Vom Ersatzmann zur Stammkraft

Turnen Am Eidgenössischen Turnfest 2019 in Aarau startet Peter Eugster vom TV Azmoos in der Pendelstafette. In dieser Disziplin war er vor 17 Jahren zunächst in der Reservistenrolle. Doch nach seiner unerwarteten Feuertaufe war er als rasanter Läufer unverzichtbar.

Robert Kucera
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Ein fünftes und letztes Mal die Laufschuhe für das Eidgenössische Turnfest schnüren: Peter Eugster vom TV Azmoos. (Bild: Robert Kucera)

Ein fünftes und letztes Mal die Laufschuhe für das Eidgenössische Turnfest schnüren: Peter Eugster vom TV Azmoos. (Bild: Robert Kucera)

2002 nahm Peter Eugster erstmals als Aktiver an einem Eidgenössischen Turnfest teil. Das Fest in Bad Bubendorf (Basel-Land) bleibt ihm gleich doppelt in guter Erinnerung. So fiel sein Debüt aussergewöhnlich aus.

Als Ersatz mit Bravour bestanden

Der 35-Jährige erinnert sich: «Beim Einlaufen hat sich einer verletzt. Da ich erster Ersatz war, durfte ich in der Pendelstafette starten.» Eugster beschreibt, dass er etwas nervös war. Doch letztlich verrichtete er seine Laufarbeit mit Bravour.

«Für mich war das Turnfest 2002 aber deshalb speziell, weil wir in unserer Stärkeklasse gesiegt haben.»

Turnen ist für Peter Eugster Sport. Es geht um den Vergleich mit anderen – und gewinnen. Dies ist im Azmooser Turnerherz tief verwurzelt. «Wir wollen uns mit den anderen Vereinen messen und jeden bezwingen», umschreibt er einen weiteren Reiz des grössten Schweizer Turnfests.

«Speziell ist auch, dass wir in der Gemeinde Wartau drei Vereine sind. Da will man erst mal die Einheimischen schlagen», wirft er den Fehdehandschuh in Richtung Oberschan und Weite.

Sportliche Enttäuschung und Freudentränen

Umso grösser ist dann die Enttäuschung, wenn es nicht hinhaut. Wie 2007 in Frauenfeld, als man in der Pendelstafette patzte. «Zwei Fehler – und wir waren weg vom Fenster», blickt Eugster zurück. Doch Positives gibt es auch von diesem Turnfest zu berichten.

«Frauenfeld war deshalb speziell, weil wir im Showturnen an der Eröffnungsfeier mittun durften. Diese wurde live im Fernsehen gezeigt. Das war für uns eine Riesenehre.»

Und ein Taschentuch-Moment, wie er berichtet: «Als wir vom Turnfest wieder zu Hause waren, kamen die älteren Turner auf uns zu und sagten, ihnen seien beim Fernseh-Schauen die Tränen gekommen.»

Beim Turnverein Azmoos sind Emotionen garantiert – und Ambitionen. Peter Eugster weiss, was er an seinem letzten Eidgenössischen Turnfest erreichen möchte:

«Ich will wenn möglich wieder auf dem Podest sein. Das Ziel ist der Sieg in der Stärkeklasse.»

Der in Mauren wohnhafte Turner macht aber keinen Hehl daraus, auf was es in Aarau auch noch ankommt:

«Ich will es lustig mit den Kameraden haben – auch mit jenen der anderen Vereine. Denn die Turnerschar hat untereinander einen engen Kontakt.»

Die Grösse dieses Turnfests hat Eugster zwar nie gestört. Doch er gibt zu, dass es abends an einem kleinen Turnfest gemütlicher ist.

Turnerschar hat engen Kontakt untereinander

Dennoch war es stets ein Genuss, dabei zu sein. «Zusammen sein, ein gutes Fest haben, ausgelassen sein», umschreibt es Eugster, der aber sofort den Mahnfinger hebt:

«Zuerst die Leistung – erst dann folgt der gemütliche Teil.»

Ungemütlich wurde es aber 2013 in Biel. Der TV Azmoos konnte noch zu Ende turnen und, wie es Peter Eugster formuliert, seine Leistung bringen, als der Sturm kam. Dieser prägte dann das ganze Fest.

Wenn es eine Erinnerung Eugsters gibt, die ihm in Bezug aufs Eidgenössische Turnfest missfällt, dann dieses Ereignis. Doch es passt zu den Azmoosern, dass selbst dadurch die Feierlaune nicht verdorben wurde. «Wir haben als Verein zusammengehalten und sind bis zum Schluss geblieben.»

Aarau stellt wohl den Schlusspunkt dar

Was die Zukunft bringt, lässt Peter Eugster offen. Doch eines steht fest: «2025 ist sehr weit weg», äussert er sich zur allfälligen Teilnahme am nächsten Eidgenössischen Turnfest. Mit den Aktiven in sechs Jahren noch mithalten zu können wird wohl sehr schwer sein. «Aarau könnte mein letztes Eidgenössisches Turnfest sein.» Doch 2019 wird er bis zum Schluss am Ball sein.

«Das Turnen lässt mich nie los»

sagt er. Eugster sieht keinen Grund aufzuhören, so lange der Körper mitmacht.