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Plastiksäcke, Aludosen, Kondome: Dieser Senior sammelt in Wartau täglich liegengelassenen Abfall zusammen

Wie überall sonst wird auch in der Gemeinde Wartau achtlos Müll entsorgt. Seit vielen Jahren ist der pensionierte Metzger Paul Hobi mit seiner Müllzange unterwegs und sorgt für Ordnung.
Jessica Nigg
Täglich im Einsatz: Egal, wohin Paul Hobi geht, er hat stets ein Auge auf achtlos weggeworfenen Müll. (Bild: Jessica Nigg)Täglich im Einsatz: Egal, wohin Paul Hobi geht, er hat stets ein Auge auf achtlos weggeworfenen Müll. (Bild: Jessica Nigg)
Die Ausbeute von 22 Minuten Müll sammeln: ein Plastiksack voller Müll. Besonders sinnlos erscheinen gewisse Fundstücke: Jemand achtete beim Kauf dieser Wiener Würstchen darauf, dass sie Bio sind und auch andere Labels auf der Verpackung drücken die Nachhaltigkeit für den Planeten aus. Wenn aber dieses Produkt in Plastik verpackt wird und diese Verpackung wiederum im Wald landet, steht es schlecht um die Ökobilanz des Produktes. (Bild: Jessica Nigg)Die Ausbeute von 22 Minuten Müll sammeln: ein Plastiksack voller Müll. Besonders sinnlos erscheinen gewisse Fundstücke: Jemand achtete beim Kauf dieser Wiener Würstchen darauf, dass sie Bio sind und auch andere Labels auf der Verpackung drücken die Nachhaltigkeit für den Planeten aus. Wenn aber dieses Produkt in Plastik verpackt wird und diese Verpackung wiederum im Wald landet, steht es schlecht um die Ökobilanz des Produktes. (Bild: Jessica Nigg)
Plastikmüll, soweit das Auge reicht. (Bild: Jessica Nigg)Plastikmüll, soweit das Auge reicht. (Bild: Jessica Nigg)
(Bild: PD)(Bild: PD)
(Bild: PD)(Bild: PD)
Wenn Paul Hobi unterwegs ist, füllen sich die Abfallsäcke in Windeseile. (Bild: PD)Wenn Paul Hobi unterwegs ist, füllen sich die Abfallsäcke in Windeseile. (Bild: PD)
Die Heuwiese: Ein ökologisch aufgewertetes Gebiet im Wartau, das auch nicht vom Abfall verschont wird. (Bild: PD)Die Heuwiese: Ein ökologisch aufgewertetes Gebiet im Wartau, das auch nicht vom Abfall verschont wird. (Bild: PD)
Auch die kleinen Plastikfetzen entgehen Paul Hobis Augen nicht. (Bild: Jessica Nigg)Auch die kleinen Plastikfetzen entgehen Paul Hobis Augen nicht. (Bild: Jessica Nigg)
Schnipsel um Schnipsel füllt sich der Abfallsack. (Bild: Jessica Nigg) Schnipsel um Schnipsel füllt sich der Abfallsack. (Bild: Jessica Nigg)
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Paul Hobi aus Azmoos sammelt freiwillig Müll

Ein unangenehmer Nebeneffekt der modernen Konsumgesellschaft ist, dass überflüssige Dinge weggeworfen werden. Der Müll landet nicht immer in Abfallsäcken, sondern wird nicht selten achtlos weggeworfen. So findet man überall Zigarettenstummel, Getränkedosen, Plastikfetzen oder andere Dinge, die niemand mehr will. In der Gemeinde Wartau beispielsweise sammelt sich Müll in der Nähe der Verkaufsläden, an den Autobahnein- und -ausfahrten, dem Bahnweg entlang oder auf Parkplätzen.

Bei der Vermeidung von Littering geht es offenbar in die richtige Richtung, wie Toni Spirig, Leiter des Werkhofs, erklärt:

«Im Grossen und Ganzen sind wir relativ zufrieden. Durch die Medienberichte sind die Leute heute sensibilisiert. Viele entsorgen ihren Müll korrekt.»

Verbesserungspotenzial gibt es allemal. Vor allem im Auto, wenn nicht befürchtet werden muss, erwischt zu werden, vergessen die Menschen ihre Manieren manchmal und werfen ihren Abfall einfach aus dem Fenster. «Entlang der Strassen kommt viel Müll zusammen – das merken nicht nur wir vom Werkhof, auch der Kanton kann davon ein Lied singen», weiss Spirig.

Der Mann, der täglich Ausschau nach Unrat hält

Paul Hobi weiss genau, wo er nach Unrat Ausschau halten muss. (Bild: Jessica Nigg)

Paul Hobi weiss genau, wo er nach Unrat Ausschau halten muss. (Bild: Jessica Nigg)

Auch der Gemeindepräsident von Wartau, Beat Tinner, achtet auf die Problematik der Wegwerfgesellschaft: «Die Sauberkeit ist grundsätzlich sehr gut. Leider gibt es aber immer wieder Personen, die achtlos Dosen, Pet-Flaschen, ein Kaugummipapier oder Zigarettenschachteln bzw. -stummel wegwerfen. Das finde ich unanständig und habe kein Verständnis dafür. Schliesslich fühlen wir uns wohl alle an einem sauberen Ort wohler. Deshalb nehme ich bei meinen Velofahrten auch einen Plastiksack mit, um Unrat am Wegrand aufzulesen.»

Jemand, der dies täglich macht, ist der Azmooser Pensionist Paul Hobi. «Er hat mir vor Jahren gezeigt, was er an Abfall einsammelt», erklärt Beat Tinner. «Ich habe ihm damals ein paar Kehrichtsäcke mitgegeben. Später bat ich ihn, Ordnung beim ehemaligen Bahnhof Trübbach und beim Klettergarten zu halten».

«Das freiwillige Engagement von Paul Hobi, das ich sehr schätze, hat sich zu einer nicht mehr wegzudenkenden Institution entwickelt»

Als der 74-Jährige 2010 pensioniert wurde, nutzte er die gewonnene Zeit unter anderem, um in der Natur herumliegenden Abfall einzusammeln. Irgendwann wurde der Wartauer Gemeindepräsident Beat Tinner auf dieses Engagement aufmerksam. Für ein kleines Entgelt sorgt Hobi nun an verschiedenen Orten in der Gemeinde für Ordnung. «Das sind etwa 25 Stunden im Monat. Den Rest leiste ich in Fronarbeit, weil ich es gerne mache», erklärt er.

Engagement wird von vielen geschätzt

Die Fundstücke reichen vom «Zückerlipapier» über Plastiksäcke und Aludosen bis hin zu gebrauchten Kondomen. Je nach Ort findet man verschiedene Arten von Unrat. Entlang der Wanderwege und was illegal entsorgte Elektrogeräte angehe habe sich die Situation in den letzten Jahren gebessert, erklärt Hobi. Abfall findet er aber immer noch in Unmengen. Viele Leute sehen die Arbeit von Paul Hobi. Manchmal höre er Sprüche wie:

«Lass das doch liegen, das ist ja nicht dein Müll.»

Davon lasse er sich aber nicht beirren. Oft bekommt der 74-Jährige Lob und Zustimmung. Einige Personen offerierten ihm aus Dankbarkeit sogar einen Kaffee. Lina Dürr aus Oberschan bewundert, was Paul Hobi schafft. «Ich begleite meine Schwester mit dem Rollator und erlebe in der Heuwiese viel Schönes, leider auch Bedenkliches. Die Gemeinde Wartau gibt sich so Mühe, die Anlage für Klein und Gross schön zu gestalten. Aber es vergeht kein Tag, an dem nicht neuer Abfall anfällt. Neben den Mitarbeitern der Gemeinde ist Paul Hobi auf dem Platz und sorgt selbstlos für Ordnung – und dies seit Jahren», erklärt sie. Lina Dürr schrieb dem Gemeindepräsidenten einen Brief, in dem sie die Leistungen Hobis unterstrich.

Komplett sinnlos: Hundekot eintüten, aber am Strassenerand oder im Gebüsch entsorgen. Das bereitet Paul Hobi unangenehme Arbeit. (Bild: PD)

Komplett sinnlos: Hundekot eintüten, aber am Strassenerand oder im Gebüsch entsorgen. Das bereitet Paul Hobi unangenehme Arbeit. (Bild: PD)

Beat Tinner weiss das Engagement von Paul Hobi zu schätzen. Er erklärt: «Dank seinem täglichen Einsatz sind das Bahnhofareal, die Parkplätze Plattis, der Rheindamm, der Bahnweg und der Parkplatz Klettergarten so ordentlich. Er leistet einen wertvollen Einsatz als Ergänzung zu unseren Mitarbeitenden im Werkhof.» Auch dort schätzt man den fleissigen Pensionisten. «Wir sind sehr froh über den Einsatz von Paul Hobi, er nimmt uns viel Arbeit ab», sagt Werkhof-Leiter Toni Spirig.

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