Paralympics
«Es war nicht meine beste Saison»: Alexandra Helbling wird für Tokio nicht selektioniert

Der Abstand zur Weltspitze zu gross, die Saison zu schlecht: Die in der Gemeinde Wartau aufgewachsene Alexandra Helbling verpasst die Paralympics in Japans Hauptstadt.

Robert Kucera
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Die hart erkämpfte Bronzemedaille über 400 Meter an der EM in Bydgoszcz (Polen) wird für Alexandra Helbling der Saisonhöhepunkt bleiben.

Die hart erkämpfte Bronzemedaille über 400 Meter an der EM in Bydgoszcz (Polen) wird für Alexandra Helbling der Saisonhöhepunkt bleiben.

Marcus Hartmann

Am Montag hat Swiss Paralympic die letzten Selektionen für die Paralympics in Tokio bekanntgegeben. In der Sparte Leichtathletik treten acht Rennrollstuhlfahrerinnen und Rennrollstuhlfahrer die Reise nach Japan an. Die in Nottwil wohnhafte Wartauerin Alexandra Helbling gehört nicht dazu.

Zwar erfüllte die 27-Jährige die Zeitlimite über 100 Meter und ist im Weltranking über 800 Meter unter den geforderten Top 6 in ihrer Kategorie. «Doch das allein zählt nicht», gibt Helbling zu bedenken. «Die Schweiz hat nur eine begrenzte Anzahl Quotenplätze.»

Dies bestätigt auch der Swiss Paralympics Delegationsleiter Roger Getzmann: «Für Tokio haben wir nur fünf Quotenplätze für die Frauen in der Leichtathletik. Deshalb haben wir jene Athletinnen berücksichtigt, welche die grössten Medaillenchancen haben, die meisten Limiten erreichten und auch auf die Formkurve geschaut.»

Teilnahme an Paralympics mit einem mulmigen Gefühl

Die Enttäuschung hält sich bei der Azmooserin im Rahmen. «Denn ich weiss selber, dass es nicht meine beste Saison war.» Zu gross ist der zeitliche Abstand zur Weltspitze dieses Jahr. Dies floss ins Urteil, wer an die Paralympics reisen darf und wer nicht, mit ein.

Aus sportlicher Sicht sei es schade, nicht dabei zu sein, wie Alexandra Helbling weiter sagt. Sie hätte in Tokio für ihre Sponsoren und all jene, die sie unterstützen gerne ihr Bestes gegeben. Auf der anderen Seite wäre sie mit einem mulmigen Gefühl nach Asien gereist. An einen Sportevent ohne Zuschauer und in welchem die Athleten nur das Stadion und das Paralympics-Quartier zu Gesicht erhalten.

Wie Helbling festhält, wäre es ausserdem schwierig gewesen, in diesem Umfeld Sport zu treiben und es zu geniessen. Denn in Japan sei man am Festhalten der Olympischen Spiele und der Paralympics nicht begeistert. Wegen der Ausbreitung der Deltavariante des Coronavirus sind auch die Athleten aus allen Kontinenten nicht wirklich willkommen. So gesehen bleibe sie sogar gerne in der Schweiz.

Neues Trainingsprogramm hatte nicht den erhofften Effekt

Dies sah zu Saisonbeginn anfang März noch ganz anders aus. Es herrschte Vorfreude auf die Wettkämpfe, auf den Saisonhöhepunkt und die Form stimmte bei Alexandra Helbling. Aber je näher die Rennen kamen, desto mehr Müdigkeit verspürte sie. Sie vermisste die gewohnte Spritzigkeit.

«2017 und 2018 habe ich mein gewohntes Training absolviert und fuhr viel besser», zieht sie einen Vergleich zu 2021. Denn heuer hat sie ein neues Trainingsprogramm erhalten, mit mehr Krafteinheiten als sonst. Doch in den wichtigen Rennen im Mai (Schweizer Meisterschaften) und Juni (EM) kam sie nicht in Fahrt.

Erst jetzt, so hat die 27-Jährige in den Trainings registriert, fühlt sie sich wieder besser. «Die Formkurve geht nach oben», sagt sie und ist motiviert, an den nächsten Rennen zu zeigen, dass sie besser ist, als die gemachten Paralympics-Einschätzungen. Als nächstes Ziel hat Helbling die WM 2022 in Kobe (Japan) vom 26. August bis 4. September im Visier.

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