«Orient Express» ist Peter Kusters letzter Zug als Produktionsleiter

Seit 37 Jahren hat Peter Kuster in Buchs Opern und Musicals produziert. Mit «Orientexpress» wählt er einen fulminanten Schluss, der Jugenderinnerungen weckt.

Mirjam Bächtold
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Peter Kuster vor dem nachgebauten Orient Express für das Musical in der Lokremise Buchs. (Bilder: Adriana Ortiz Cardozo)

Peter Kuster vor dem nachgebauten Orient Express für das Musical in der Lokremise Buchs. (Bilder: Adriana Ortiz Cardozo)

Die Lokremise in Buchs ist derzeit Aufführungsort für das Musical «Orientexpress», eine mitreissende Show mit tollen Songs.

Für Peter Kuster ist die Lokremise aber viel mehr als Theaterbühne. Er lebte und arbeitete während 45 Jahren in Buchs und hat immer wieder beobachtet, wie der richtige Arlberg-Orient-Express hier Halt machte. Dieser fuhr zwischen 1921 und 1962 mit Unterbruch während des Zweiten Weltkriegs von Paris nach Budapest – über Basel, Zürich, Buchs, Innsbruck und Wien.

Peter Kuster sah die Züge, die für eine Nacht am Bahnhof Buchs hielten.

«Die Passagiere stiegen nie aus. Das war eine gehobene Gesellschaft, es gab keine Berührungspunkte mit der lokalen Bevölkerung»

erzählt er. Als junger Mann träumte er davon, selbst einmal mitzufahren, doch dieser Traum ging nie in Erfüllung.

Zuerst den Orient Express gut über die Bühne bringen: Peter Kusters Nachfolge für die Produktionsleitung von Music Productions Werdenberg steht noch nicht fest.

Zuerst den Orient Express gut über die Bühne bringen: Peter Kusters Nachfolge für die Produktionsleitung von Music Productions Werdenberg steht noch nicht fest.

Mit dem Musical «Orientexpress» hat er sich aber einen Wunsch erfüllt. Als Produktionsleiter der Eigenproduktionen von Music Production Werdenberg liess er bisher dem Kreativteam immer freie Hand. Der Orientexpress allerdings war sein Wunschthema für seine letzte Produktion. Danach zieht er sich aus dem lokalen Showbusiness zurück.

Neues Leben für die Lokremise

Die Lokremise als Spielort zu bekommen, sei nicht einfach gewesen, sagt Peter Kuster. Vor zehn Jahren kam erstmals die Idee auf, die Remise als Bühne zu nutzen. «Damals befand sich darin ein Projekt für Arbeitslose, die Elektroschrott aussortierten.»

Er begann, für das Arbeitslosenprojekt einen neuen Standort zu suchen. Schliesslich stellte die Kehrichtverbrennungsanlage diesen zur Verfügung.

Der Türöffner bei den SBB

Danach gingen die Verhandlungen mit den SBB los. «Nach langen Diskussionen erlaubten sie uns, die Lokremise für eine Aufführung zu nutzen», erzählt Peter Kuster. Das war 2011 das Musical «Elvis & Blues Brothers». Danach konnte die Stadt Buchs mit den SBB einen Mietvertrag für 25 Jahre aushandeln, sodass auch weitere Produktionen hier aufgeführt werden konnten.

Das bis am 22.Juni laufende Musical in der Lokremise ist ein fulminanter Schluss nach 37 Jahren Engagement von Peter Kuster als administrativer Kopf für musikkulturelle Aufführungen in der Region.

Das bis am 22.Juni laufende Musical in der Lokremise ist ein fulminanter Schluss nach 37 Jahren Engagement von Peter Kuster als administrativer Kopf für musikkulturelle Aufführungen in der Region.

Die Lokremise wurde minimal ausgebaut, sie ist nun beheizbar, hat einen neuen Holzboden, eine Tribüne und eine Vorrichtung für die Beleuchtung.

«Es wäre schade gewesen, wenn dieses Kleinod nicht wieder für die Region genutzt worden wäre.»

Die Opern- und Musicalproduktionen in Buchs haben eine lange Tradition. Vor 37 Jahren hat Peter Kuster gemeinsam mit ­Florian Heeb und anderen die Schlossfestspiele Werdenberg ins Leben gerufen. Kuster war ursprünglich Lehrer, hat ein Studium in Orchesterleitung und ein Nachdiplomstudium an der HSG abgeschlossen.

Musikkultur statt Dirigentenstab

Nachdem er einige Jahre verschiedene Blasmusikvereine geleitet hatte, erhielt er die Chance, Präsident der Musikschule Werdenberg zu werden. «Ich musste mich entscheiden, ob ich weiterhin als Dirigent tätig sein oder mich dem administrativen und musikkulturellen Bereich annehmen wollte», sagt er. Sein Entscheid fiel auf Letzteres.

Während Jahrzehnten präsidierte er die Musikschule Werdenberg, die Florian Heeb leitete. Bei den Schlossfestspielen übernahm Florian Heeb den künstlerischen Bereich, Peter Kuster die Organisation und die Sponsorensuche. «Ich begann, ein Netzwerk aufzubauen, das unerlässlich ist.»

Sponsorensuche wird schwieriger

Über die Jahre arbeiteten die beiden oft mit anderen kulturellen Institutionen zusammen, etwa mit dem Fabriggli oder mit dem TAK Schaan.

«Es war immer unser Ziel, ein Zusammenrücken der Kulturbetriebe zu fördern, anstatt sich gegenseitig zu konkurrenzieren.»

Die Musicals waren immer Eigenproduktionen, die Mitwirkenden professionelle Sänger und Musiker. «Manchmal hätte ich mir gewünscht, selbst auf der Bühne zu stehen. Aber das war nebst der Produktionsleitung nicht möglich», sagt Peter Kuster. Wenn es auf die Premiere zuging, forderte ihn diese mehr als 100 Prozent:

«Meine Aufgabe hat mir Spass gemacht, auch wenn es in den letzten Jahren anspruchsvoller wurde, Sponsoren zu finden.»

Generationenwechsel oder Verkäufe von Firmen hätten die ­Suche erschwert. Trotz der Schwierigkeiten hat Peter Kuster es geschafft, ein Budget von rund 900000 Franken zusammenzubringen.

Etwa ein Drittel finanziert sich aus dem Ticketverkauf, jedoch nur, wenn jede Vorstellung zu mindestens 80 Prozent verkauft ist. Der Rest setzt sich zusammen aus Beiträgen der öffentlichen Hand und Sponsoren sowie Stiftungen.

Nachfolger steht noch nicht fest

Nun ist für Peter Kuster die Zeit gekommen, die Produktionsleitung abzugeben. Einen Nachfolger hat der 72-Jährige noch nicht. Zuerst will er den «Orientexpress» gut über die Bühne bringen.

Hinweis: «Orientexpress», bis 22.6., Lokremise Buchs

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