Operette
Heute auf grossen Bühnen: Singen begeistert die Gamserin Beate Rhyner schon seit ihrer Kindheit

Die Gamserin singt in der Verwechslungskomödie «Eine Nacht in Venedig» im Chor der Operette Balzers mit.

Esther Wyss
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Beate Rhyner (Zweite von links) als eine der lebenslustigen Senatorinnen im prächtigen Kostüm.

Beate Rhyner (Zweite von links) als eine der lebenslustigen Senatorinnen im prächtigen Kostüm.

Bild: Daniel Schwendener

Schon als Kind klimperte Beate Rhyner auf dem Klavier ihres Grossvaters und sang dazu. Als Jugendliche testete sie ihre Stimme manchmal in leeren Kirchen. Wenn sie die Gesangsstunden zwischenzeitlich aus familiären Gründen oder aus Zeitmangel aufgeben musste, kam sie immer wieder aufs Singen zurück.

Als sie in der Schule als Vierzehnjährige gefragt wurde, was sie werden wolle, erklärte sie spontan Opernsängerin. Sie konnte sich jedoch nicht erklären, woher dieser Gedanke gekommen war. Später sollte sich zeigen, wie das Singen in ihrem Leben immer wieder eine zentrale Rolle spielt.

«Ich habe verschiedene Begabungen»

In ihrer Jugendzeit sei es schwierig gewesen, eine Lehrstelle als Grafikerin in Bern zu finden. Da ihr Vater als Bademeister für die öffentlichen Badeanstalten in Bern zuständig war, übernahm sie Aushilfsjobs. Sobald sie genug Geld beisammen hatte, reiste sie per Interrail kreuz und quer durch Europa.

Bis zum Beginn der Lehre verbrachte sie ein halbes Jahr als Au-pair in Kanada. Parallel zur Ausbildung brachte sie sich das Fotografieren bei, machte Ausstellungen und nahm neu auch Gesangstunden. «Ich habe verschiedene Begabungen», sagt Beate Rhyner. «Ich habe ein gutes Auge, bin mutig, zielstrebig und ehrgeizig, und weiss, was ich mir zutrauen kann. Das hat mich dazu gemacht, was ich heute bin. Zudem habe ich ein gutes Gespür dafür, was richtig für mich ist. Ich habe keine meiner Entscheidungen je bereut.»

Als ihr Sohn zu Welt kam, gab sie das Fotografieren auf, gründete später einen Secondhand Laden, den sie während fünf Jahren in der Bern betrieb. Ende der Neunzigerjahre zog sie der Liebe wegen in die Ostschweiz, wo sie den Secondhandladen in Buchs weiterführte. An der Musikschule Vaduz nahm sie ihre Gesangstunden wieder auf.

Singen in verschiedenen Chören

Ihre Tierliebe entdeckte Beate Rhyner als Teenager, als sie einem Babykätzchen das Leben rettete. Es gelang ihr, den Kater aufzupäppeln, obwohl der Tierarzt ihn schon aufgegeben hatte. 2003 rief sie zusammen mit ihrem Mann den Verein Cat Box ins Leben. Da diese Arbeit viel Zeit und Energie kostete, gab sie die Gesangsstunden abermals auf. Während acht Jahren sang sie jedoch im Gesangsverein Kirchenchor Bendern/Gamprin und ist seit 2012 Mitglied im Chorseminar Liechtenstein.

Obwohl sie vorher noch nie eine Oper besucht hatte, war sie 2016 von der Oper Macbeth im Theater St.Gallen so fasziniert und von der Musik hingerissen, dass sie sich zum Vorsingen im Opernchor anmeldete und angenommen wurde. Dirigent William Maxfield war es, der sie auf die Schlossfestspiele Werdenberg aufmerksam machte. 2019 sang sie im Chor der Schlossfestspiele in der Oper Carmen.

Ihre Gesangslehrerin Corinne Grendelmeier schlug ihr vor, bei der Operette Balzers mitzuwirken, denn es sei gut für die Stimme, wenn man sich nicht auf einen Musikstil festlege.

Traumhafte Musik und hohe Bühnenpräsenz

In der Operette «Eine Nacht in Venedig» von Johann Strauss singt und spielt Rhyner die Rolle einer der Senatorinnen. Sie sagt: «Mir wird schnell langweilig. Die Chancen, die sich mir bieten nehme ich wahr, habe eine sichere Stimme und gebe mit jeder Faser alles. Bekomme ich eine Rolle, arbeite ich mich hinein, und will der Rolle singend und schauspielerisch gerecht werden. Die Musik von ‹Eine Nacht in Venedig› ist ein Traum», schwärmt sie.

«Ich freue mich, dass ich eine der Senatorinnen singen darf. Wir haben eine hohe Bühnenpräsenz und singen eine Einlage mit Agricola und Barbara und eine mit Agricola und dem Herzog.»

Beate Rhyner schätzt, dass in Balzers die Mitwirkenden mehr Spielraum haben, als bei einer Aufführung im Theater St.Gallen. «Wir dürfen mitdenken, Ideen einbringen, besprechen uns und diskutieren. Ich finde es anregend, mit guten Solisten zusammen auf der Bühne zu stehen. Diese brauchen unsere Unterstützung. Es ist ein Geben und Nehmen, ein Miteinander, Energien werden freigesetzt und die Solisten und der Chor wachsen immer mehr zusammen. Es ist wunderbar.»