Olympia-Absage: Endlich herrscht Gewissheit bei den lokalen Athleten

Die Absage der Olympischen Spiele für dieses Jahr macht aus sportlicher Sicht Sinn.

Robert Kucera
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Sportschütze Christoph Dürr wird auch nach der Olympia-Absage weiterhin seine Trainingseinheiten abspulen.

Sportschütze Christoph Dürr wird auch nach der Olympia-Absage weiterhin seine Trainingseinheiten abspulen.

Bild: PD

Werdenbergs Spitzensportler haben in den letzten drei Jahren alles gegeben, um den grossen Traum verwirklichen zu können: Olympische Spiele 2020 in Tokio. Doch besonders die letzten Wochen waren nicht einfach und stellte die Athleten vor grosse Herausforderungen im Training und in der Wettkampfvorbereitung.

Das ständige Warten auf News, im Unklaren ob die Olympischen Spiele überhaupt stattfinden und wann endlich die entsprechenden Qualifikationsturniere für Olympia über die Bühne gehen, zerrte an den Nerven. Das Internationale Olympische Komitee hat der Ungewissheit ein Ende bereitet.

Olympia ist weiter weg – und kann doch näher gerückt sein

Das Motto für die fünf Werdenberger Olympia-Kandidaten – Marc Dietsche, Andreas Vetsch (Ringen), Christoph Dürr (Schiessen), Vivienne Koch und Joelle Peschl (Synchronschwimmen) – sowie Paralympics-Kandidaten Alexandra Helbling (Rennrollstuhl) heisst nun nicht «auf zu neuen Ufern». Denn dieses bleibt dasselbe. Nur ist es nach der Absage in diesem Kalenderjahr nicht nur zeitlich, sondern auch räumlich gesehen weiter entfernt.

Aus sportlicher Sicht dagegen kann der olympische Traum näher gerückt sein. Vorab für alle jene Athleten, die sich in Zeiten der Coronakrise um eine seriöse Vorbereitung auf Qualifikationswettkämpfe für die Sommerspiele besorgt zeigten. Zwar wisse man jetzt noch nicht, wann im Jahr 2021 die Olympischen Spiele in Tokio zur Austragung kommen sollen. Doch die Gewissheit, dass man gezielt auf das grosse Ziel hin trainieren kann und Chancengleichheit unter den Sportlern aller Länder herrscht, ist viel wert.

Doch für die lokalen Athleten ist der Olympische Traum vorerst auf Eis gelegt Die Sommerspiele in Tokio finden 2020 nicht statt. Aufgeschoben ist abe nicht aufgehoben – nun nehmen die Athleten 2021 in den Fokus.

«Auf diesen Entscheid habe ich schon lange gewartet», kommentiert die Rennrollstuhl-Sportlerin Alexandra Helbling den Beschluss des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), die Olympischen Sommerspiele in Tokio und damit auch die Paralympics im Jahr 2020 nicht stattfinden zu lassen und um ein Jahr zu verschieben.

«Es hat sich abgezeichnet und ist der richtige Entscheid.»

Auch Sportschütze Christoph Dürr begrüsst den Beschluss, der am Dienstagnachmittag gefallen ist. «Endlich ist ein Entscheid da, es herrscht Gewissheit.» Die Ringer Marc Dietsche und Andreas Vetsch sind sich einig: «Grundsätzlich ist es der einzige richtige Entscheid.»

Sportliches Fairplay hätte bei Austragung nicht stattgefunden

Durch die Krise, die der Coronavirus ausgelöst hat, hat sich das Leben der Sportler markant verändert. Und genau diese Veränderung wäre Gift im Hinblick auf Olympische Spiele gewesen. «So wie es aussieht, geht die Coronakrise noch weiter. Es macht wenig Sinn, Olympische Spiele auszutragen, wenn sich nicht alle Athleten optimal darauf vorbereiten können», sagt Dietsche.

«In Sportarten, in welche noch Qualis anstehen, wäre die Chancengleichheit nicht gewährleistet gewesen»,

ergänzt Vetsch und verweist auf Ringer anderer Länder die bis heute ohne Verbot und Einschränkung auf der Matte trainieren dürfen.

Marc Dietsche und zahlreiche andere potenzielle Schweizer Olympiakandidaten trainieren nun ein Jahr länger auf ihren Traum hin.

Marc Dietsche und zahlreiche andere potenzielle Schweizer Olympiakandidaten trainieren nun ein Jahr länger auf ihren Traum hin.

Bild: PD

Für die Synchronschwimmerin Vivienne Koch steht fest: «Es macht keinen Sinn, wenn man den Wettkampf seines Lebens bestreiten könnte, aber nicht optimal hat trainieren können.» Auch Helbling spricht die sportliche Fairness an: «Die Vorbereitung hat stark gelitten, ich konnte nicht gleich trainieren wie sonst und 2020 noch keinen Wettkampf bestritten.»

Enttäuschung bei Dürr, Fragezeichen bei Koch

Der Entscheid, dass die Olympischen Spiele dieses Jahr nun doch nicht zur Austragung kommen, stellt aber auch eine psychische Bürde dar. «Für uns Sportler ist dies eine schwierige Situation», sagt Koch und verweist auf die letzten Jahre der Aufopferung für den Sport: «Wir haben auf dieses Ereignis hin trainiert.» Bei Dürr mischt auch eine gewisse Enttäuschung mit.

«Es war ein vier Jahre langer Weg. Ich habe lange auf dieses Ziel hin gearbeitet. Man sieht schon die Ziellinie – jetzt wird diese nach hinten verschoben.»

Für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio hat der Sportschütze sogar eine Pause des Studiums eingelegt.

Selbstverständlich ist die Absage der Spiele für 2020 kein endgültig geplatzter Olympia-Traum für die Werdenberger Athleten. Denn im Jahr 2021, so wurde am Dienstag von Seiten des IOC und vom Veranstalter in Tokio kommuniziert, sollen die Olympischen Sommerspiele doch noch stattfinden. Mit der Absage 2020 beginnt quasi die Vorbereitung auf 2021.

«Ein weiteres Jahr an meine Karriere anknüpfen – das war nicht mein Plan»,

hält Koch dagegen. Die Synchronschwimmerin wird gut überlegen, ob sie dieses eine Jahr weiter macht. Emotional und sportlich gesehen gäbe es keinen Hinderungsgrund, betont Koch. «Doch der Aufwand in Richtung Olympia muss insoweit machbar sein, dass ich 2021 mein Psychologie-Studium beginnen kann und dass es auch finanziell tragbar ist.»

Kraft, Kondition und ein neues Trainingsgerät

Christoph Dürr wäre am besten für das Olympia-Qualifikationsturnier gerüstet gewesen. «Es ist ein Privileg, in Magglingen trainieren zu dürfen», beschreibt er die letzten Wochen mit kaum Einschränkungen. Sein Training setzt er nun nahtlos fort. Es gibt keinen Grund, nun die Hände in den Schoss zu legen und eine Art Coronasabbatical zu machen. Dasselbe gilt auch für die anderen Werdenberger Sportler.

«Ich trainiere momentan alleine Kraft und Kondition», erklärt Vivienne Koch. «Ich bleibe dran», sagt Marc Dietsche.

«Es gibt vieles, an dem man arbeiten kann. Ich will mich in jedem Punkt verbessern und das Maximum herausholen.»

Kämpferisch äussert sich Andreas Vetsch: «Es gibt kein Zurücklehnen. Man muss fit und parat sein, wenn es wieder Ernst gilt.» Vetsch will körperliche Defizite ausmerzen und visuell an der Kampftechnik feilen. «Ich trainiere zu Hause auf den Rollen mit meinem Rennrollstuhl und mache Krafttraining», beschreibt Alexandra Helbling, die sich weiterhin im Wintertrainings-Modus befindet. Für Abwechslung ist gesorgt: Kürzlich erhielt sie zur Unterstützung ihres Trainings einen Handergometer.