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Bestände von 29 Vogelarten haben sich mehr als halbiert

Es gibt immer weniger Insekten. Vor allem in der Ebene und in Siedlungsnähe. Das führt dazu, dass es immer weniger Vögel gibt. Aber auch die Menschen sind vom Überleben der Insekten abhängig.
Alexandra Gächter
Der Gartenrotschwanz gehört zu den gefährdeten Vögeln. Am Werdenberger Binnenkanal in Burgerau konnte er vergangenes Jahr fotografiert werden. (Bild: Fredy Buchmann)

Der Gartenrotschwanz gehört zu den gefährdeten Vögeln. Am Werdenberger Binnenkanal in Burgerau konnte er vergangenes Jahr fotografiert werden. (Bild: Fredy Buchmann)

Immer weniger Vögel singen das Frühjahrskonzert in der Schweiz. Die Insekten als ihre Hauptnahrung sind stark zurückgegangen. Die Roten Listen zeigen, dass über 40 Prozent der Insektenarten in der Schweiz gefährdet sind, rund fünf Prozent sind bereits ausgestorben. In gewissen Gebieten ist die Anzahl Insekten sogar bis zu 80 Prozent zurückgegangen. Dr. Hans-Dieter Reckhaus, Initiator von Insect Respect mit Sitz in Gais sagt, dass in der Region Werdenberg der Rückgang der Insekten grösser ist als im oberen Toggenburg. Man dürfe annehmen, dass rund um die Stadt Buchs am meisten Insekten der Region Werdenberg und Obertoggenburg verschwunden sind.

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Monokultur schadet den Insekten

Dies entspricht dem schweizerischen Gesamtbild: In der Ebene, vor allem in Siedlungsgebieten, ist der Rückgang grösser als in der Höhe. Zum einen wird in der Ebene mehr gebaut, zum anderen mehr angepflanzt. Dass überall da, wo gebaut wird, das Insektensterben grösser ist, ist klar. Asphalt nimmt den Insekten den Lebensraum.

«Jeden Tag werden in der Schweiz zehn bis zwanzig Fussballfelder verbaut.»

Weniger klar ist, dass dort, wo die Landwirtschaft aktiv ist, das Insektensterben besonders stark ist. «Dank Monokulturen sind Landwirte effektiver. Doch die heutige Monokultur hat ganz vielen Insektenarten den Lebensraum weggenommen», sagt Reckhaus. Noch vor 30 Jahren hätten viele Landwirte ihre Höfe artenreicher geführt.
Ein weiteres Problem sei die Ausnutzung der Felder. «Früher liessen Bauern am Feldrand einen Streifen mit Blütenpflanzen stehen, welche den Insekten diente. Heute ist der Preisdruck so gross, dass die Felder zu 100 Prozent ausgenutzt werden. Die Äcker reichen bis zu den Wegen», so Reckhaus.

Auch die Felsenschwalbe, entdeckt beim Steinbruch Campiun, Rans, hat einen schweren Stand. (Bild: Fredy Buchmann)

Auch die Felsenschwalbe, entdeckt beim Steinbruch Campiun, Rans, hat einen schweren Stand. (Bild: Fredy Buchmann)

Nur zwei Singvogelarten benötigen keine Insekten

Mit dem Rückgang der Insekten sterben die Singvögel aus, da die Insekten die Hauptnahrung von ihnen sind. Gemäss der Vogelwarte Sempach haben sich die Bestände von 29 typischen Vogelarten des Schweizer Kulturlandes mehr als halbiert. Auch in der Region Werdenberg hört und sieht man immer weniger Vögel. «Rebhühner, Wachtelkönige, Feldlerchen, Grauammern und weitere gibt es bei uns nicht mehr», sagt Edith Altenburger, Obfrau Natur- und Vogelschutz Buchs-Werdenberg (siehe Titelseite). Daneben seien Gartenrotschwänze, Braunkehlchen, Neuntöter, Dorngrasmücke, Kuckuck, Wiesen- und Baumpieper gefährdet. Schwalben und Segler haben ebenfalls einen schweren Stand.

Besonders gravierend ist, dass von den fast 100 in der Schweiz regelmässig brütenden Singvogelarten nur zwei Arten ihre Jungvögel ohne Insekten aufziehen können. «Insekten sind ganz wichtig für die Aufzucht, weil sie so proteinreich sind. Ohne Insekten bricht die ganze Vogelwelt zusammen", so Reckhaus.

«Mauersegler benötigen jeden Tag 20 000 Insekten für ihre Jungen.»

Nicht nur für Vögel, auch für Menschen sind Insekten überlebenswichtig. Insekten machen Böden fruchtbar und sind dafür zuständig, dass sich Pflanzen vermehren, ohne deren Sauerstoff, Früchte, Samen und Getreide der Mensch nicht leben könnte. «Ohne Sechsbeiner gibt es auch bald keine Zweibeiner mehr», ist Reckhaus überzeugt. Den Kakaobaum zum Beispiel bestäubt nur eine einzige Insektenart – die Bartmücke. Ohne sie gäbe es keine Schokolade.

Am Bodensee wurde dieser Eisvogel fotografiert. Auf der Roten Liste wird sein Bestand als verletzlich aufgeführt. (Bild: Fredy Buchmann)

Am Bodensee wurde dieser Eisvogel fotografiert. Auf der Roten Liste wird sein Bestand als verletzlich aufgeführt. (Bild: Fredy Buchmann)

Katzen sind nicht das Problem

Fredy Buchmann aus Buchs weiss um die prekäre Situation der Insekten. Er hat sich darauf spezialisiert, Vögel zu fotografieren. Am meisten freut es ihn, wenn er seltene Exemplare vor die Linse bekommt. Manchmal muss er zwei Stunden auf sein Zielobjekt warten. Seiner Meinung nach sollten Landwirte im Wiesland Bäume und Sträucher für Insekten und Vögel pflanzen und auf Pestizide verzichten.

«Während sterbende Insekten ein grosses Problem für die Vögel darstellen, sind es Katzen weniger», sagt Buchmann. Auf dem Buchserberg habe es viele verwilderte Hauskatzen. Diese würden kaum Vögel jagen, sondern Mäuse. «Und wenn sie doch den Vögeln nachgehen, sind die Vögel meistens schneller. Von Vorteil ist, wenn Vögel scheu sind. Ein Eisvogel oder eine Wasseramsel hat eine Fluchtdistanz von 20 bis 30 Metern, eine Blaumeise frisst einem praktisch von der Hand», so Buchmann.

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