Oase der Stille am Kraftort geschaffen

Die Klinik St. Pirminsberg hat ihre neu gestaltete Kapelle eingeweiht. Dabei ist eine echte Oase der Stille und der Einkehr entstanden. Ein Gewinn, wie betont wurde, auch weil Spiritualität heute als wichtiger Aspekt der ganzheitlichen Behandlung gilt.

Reinhold Meier
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Chefarzt Thomas Meier und Musiktherapeutin Karin Hellemann haben die Einweihung mitgestaltet. (Bild: PD)

Chefarzt Thomas Meier und Musiktherapeutin Karin Hellemann haben die Einweihung mitgestaltet. (Bild: PD)

Die historische Kapelle findet sich im südwestlichen Zipfel des Klostergebäudes, im Erdgeschoss, direkt unter dem berühmten Konventsaal. Nach einer Renovierung im Zuge der Gesamterneuerung des geschichtsträchtigen Gebäudes erstrahlt sie nun in neuem Glanz. «Ich spüre Wärme, hier ist gute Energie, ich fühle mich wohl», so die ersten Reaktionen von Patientenseite. Dazu tragen ein warmer Holzboden bei, bergende Wände und das tragende Kreuzgewölbe.

Beim Eintreten richten sich die Blicke aber alsbald auf das zentrale Bild, welches neu die Stirnseite des Andachtsraumes ziert. Es wurde von Matej Metlikovic geschaffen und nimmt mit seinen sieben Bildebenen lokale Aspekte des Kraftortes auf, die Taminaschlucht mit ihrem Heilwasser, die umgebenden Alpengipfel und die Schichtung der Tektonikarena. Diese werden vom Künstler in Kontakt gebracht mit den Höhen und Tiefen des Lebens, mit Dunklem und Hellem, mit den so vielschichtigen Erlebnisebenen der Biografie sowie den Fragen nach Sinn, Hoffnung und Lebensfreude. «Dabei knüpfe ich an die archetypischen Symbole an, wie sie der Schweizer Psychologe C.G. Jung beschreibt», sagt Metlikovic.

«Über das Sichtbare hinaussehen»

Für ihn sei wichtig gewesen, die menschliche Suche nach Wachstum, Liebe und Nähe als Erzählung von der Schöpfung zu illustrieren, betont er. Darum verwende er Bilder aus der Natur, wie Feuer und Wasser, Tiere und Pflanzen. «Doch diese gehen über das bloss Sichtbare hinaus, sie sind verbunden mit der humanen Fähigkeit zur Transzendenz und dem Empfinden göttlicher Gegenwart», sagt er. Darum erzähle das Bild nicht nur von der Natur, sondern auch von der Neuschöpfung im seelischen Sinne, von Selbsterkenntnis, sozialer Begegnung, durch Gebet und Ergriffenheit, in Sehnsucht nach Sinn und Erfüllung. «Die Holzplatten stehen für die Schwere des Irdischen, die Farben und Formen zeugen vom zarten Herein-Leuchten des Jenseitigen».

Die Kapelle wurde in einer schlichten und würdevollen Feier ihrer Bestimmung übergeben. Dabei betonte Chefarzt Dr. Thomas Meier, sie sei künftig ein Ort der Begegnung, mit sich selbst und mit anderen. «Sie steht auch sinnbildlich für einen wichtigen Teil ganzheitlicher Behandlung, den spirituellen Aspekt». Seit es die Klinik gäbe, werde dieser Aspekt gelebt. So sei die Kapelle auch ein Symbol selbstverständlicher Ökumene, in der alle Menschen willkommen seien. «Ich freue mich, dass sie nun an Atmosphäre gewonnen hat, von Patienten und Mitarbeitenden genutzt und zu einem Segensort werden kann».

Meditation und Ganzheitlichkeit

Die Feier gestaltet haben die beiden Seelsorger Michael Ehrhardt und Reinhold Meier. Für die musikalische Ausgestaltung zeichnete die Musiktherapeutin Karin Hellemann verantwortlich. Mit der böhmischen Harfe zauberte sie auf spielerische Weise himmlisch wirkende Klänge in den Raum, der anschliessend ebenso wie seine künftigen Besucher auch formell geweiht und gesegnet wurde. Zitiert wurde in dem Zusammenhang der grosse Arzt und Theologe Paracelsus, der 1535 das Kloster und Bad Pfäfers besuchte. «Der höchste Grund der Arznei ist die Liebe», befand er und betonte damit auf schon fast moderne Art und Weise die psychosomatische Einheit des Erlebens.

Der Raum steht Interessierten künftig tagsüber offen. Ferner bietet die Seelsorge neu wöchentlich feste Angebote darin an. Zudem haben Patienten, wie schon bisher die Möglichkeit, auch individuell Meditation, Gebet, Andacht und Einzelgespräche mit der Seelsorge zu vereinbaren.