Verletzungen statt fetter Beute: Einbrecher wurden bei ihrer Tat überrascht und flohen mit spektakulärem Sprung aus dem Fenster

Ein professionelles Einbrecher-Trio ist bei einem seiner Beutezüge buchstäblich auf die Nase gefallen. Vorerst setzte es Blessuren, und später beim Kreisgericht Werdenberg-Sarganserland Haft und einen Einreisestopp.

Reinhold Meier
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Die Angeklagten erschienen nicht vor dem Kreisgericht Werdenberg-Sarganserland, da sie bereits des Landes verwiesen wurden.

Die Angeklagten erschienen nicht vor dem Kreisgericht Werdenberg-Sarganserland, da sie bereits des Landes verwiesen wurden.

Bild: PD

Die drei Rumänen bildeten nach Erkenntnissen der Polizei ein eingespieltes Team. Das Vorgehen glich sich dabei jeweils sehr. Während ein Mittvierziger als Aufpasser und Fahrer fungierte, räumte ein junges Duo, beide Mitte zwanzig, die ausgespähten Objekte leer. Über einen längeren Zeitraum waren sie auf diese Weise in mehreren europäischen Ländern aktiv. Doch in einem gehobenen Lokal der Region Werdenberg-Sarganserland ging ihr Trick ins Auge.

Denn hier betraten die beiden Jungspunde zunächst wie gewohnt das Lokal durch den offiziellen Eingang, so, als wollten sie etwas konsumieren, am heiterhellen Mittag. Doch einmal im Haus, schlichen sie sich über die Treppe geschwind hinauf ins zweite Stockwerk, in die Wirtswohnung. Im Schlafzimmer fanden sie einen Tresor, verschlossen zwar und mit einer Magnetkarte gesichert. Doch diese lag grad günstig in der Nähe.

Wenig später stand die Tresortür offen. Die dankbaren Diebe schnappten sich 15000 Franken, dazu 2000 Euro und mehrere Schmuckgegenstände.

Fünf Meter in die Tiefe, im freien Fall

Das schien noch nicht genug, so durchsuchten sie fieberhaft den Rest der Wohnung. Da trat mit einem Male der Sohn des Wirts auf den Plan. Panisch stürzten die Einbrecher davon. Durch ein Fenster sprangen sie auf ein Vordach und von dort in die Tiefe, über fünf Meter im freien Fall und der Schwerkraft folgend.

Der Aufprall der beiden Delinquenten erfolgte denn auch ebenso plötzlich wie schmerzhaft. Sie verletzten sich an Armen und Beinen, wie die Anklage nüchtern festhielt. Nachdem sich die beiden ins wartende Fahrzeug ihres Kumpans geschleppt hatten, hatte jetzt der Fahrer seinen Auftritt. Mit seinem Mercedes düste er via Autobahnkreuz Sargans nach Süden.

In Italien wähnte sich das Einbrecher-Trio in Sicherheit

Die Fluchtroute verlief über Chur und Thusis nach Splügen und von dort über den gleichnamigen Pass hinunter ins Veltlin. Als sich das Trio bereits in italienischer Sicherheit wähnte, erfolgte aber der Zugriff. Carabinieri hielten das Fahrzeug bei Chiavenna an. Dabei tauchten nicht nur weitere Barmittel in Franken, Euro und Pfund auf, sondern auch das Diebesgut. Die Täter hatten es während der Flucht, trotz lädierten Armen, wenn auch nicht hinreichend in den Fahrzeugsitzen versteckt.

Nach 151 Tagen Auslieferungshaft in Italien spedierte man das Trio schliesslich zur Untersuchungshaft zurück in die Schweiz. Ihr Mercedes, ein Mietwagen aus Deutschland, war derweil an die Verleihfirma in Hamburg zurückgegeben worden. Ihre Beute, das Bargeld und der Schmuck, hatten da bereits ebenfalls ihren Weg zum Besitzer zurückgefunden. Das übrige Bargeld kassierten die italienischen Behörden ein, zur «Deckung der Unkosten», wie es hiess.

Verteidigung forderte für den Fahrer einen Freispruch

Die Anklage forderte nun für alle Täter dasselbe Strafmass, jeweils zehn Monate Haft und einen Landesverweis von acht Jahren, mit Eintrag im Schengensystem, was bedeutet, dass auch die Einreise in fast alle anderen Ländern Europas für acht Jahre verboten bleibt. Die Verteidigung forderte hingegen für den Fahrer einen Freispruch und folglich auch Verzicht auf den Landesverweis, für das junge Diebesduo hingegen eine bedingte Freiheitsstrafe von sechs Monaten, dazu fünf Jahre Landesverweis, jedoch nur für die Schweiz, ohne Eintrag im Schengensystem.

Das Gericht folgte der Staatsanwaltschaft vollumfänglich und sprach die Beschuldigten antragsgemäss schuldig. Jeder der Verurteilten hat zudem jeweils rund 10000 Franken an Verfahrenskosten zu zahlen. An Schranken sind die Männer nicht erschienen, weil sie bereits nach Rumänien spediert wurden, dies, nachdem sie ihr Strafmass durch die Auslieferungs- und Untersuchungshaft hier bereits vorab abgesessen hatten.