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Dank Käfer weniger Insektizide in der Landwirtschaft

Nützlinge können in der Landwirtschaft gezielt gefördert werden mit dem Ziel, den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zu senken.
Katharina Rutz
Marienkäfer sind Nützlinge, denn sie vertilgen grosse Mengen von Blattläusen. (Bild: Nana Do Carmo)Marienkäfer sind Nützlinge, denn sie vertilgen grosse Mengen von Blattläusen. (Bild: Nana Do Carmo)
Ein Blühstreifen mit Phacelia im Brokkolifeld bietet den Bienen, Schwebfliegen und Schlupfwespen Nahrung. (Bild: Claudia Schwendener)Ein Blühstreifen mit Phacelia im Brokkolifeld bietet den Bienen, Schwebfliegen und Schlupfwespen Nahrung. (Bild: Claudia Schwendener)
Schwebfliegen sind effiziente Bestäuber, ausserdem fressen ihre Larven Schädlinge. (Bild: Gabriela Brändle, Agroscope)Schwebfliegen sind effiziente Bestäuber, ausserdem fressen ihre Larven Schädlinge. (Bild: Gabriela Brändle, Agroscope)
Eine Florfliegenlarve vertilgt einen Schädling. (Bild: Gabriela Brändle, Agroscope)Eine Florfliegenlarve vertilgt einen Schädling. (Bild: Gabriela Brändle, Agroscope)
Erwachsene Florfliegen sind auf Pollen angewiesen. (Bild: Mario Waldburger, Agroscope)Erwachsene Florfliegen sind auf Pollen angewiesen. (Bild: Mario Waldburger, Agroscope)
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Nützlinge gezielt fördern

Blattläuse, Milben oder Schnecken können mit Pflanzenschutzmitteln bekämpft werden. Allerdings gibt es auch Räuber, welche diese Schädlinge fressen. Marienkäfer beispielsweise vertilgen Läuse. Die Larve eines Marienkäfers kann bis zu 150 Blattläuse pro Tag fressen. Dies schreibt die Agridea, die landwirtschaftliche Beratungszentrale der kantonalen Fachstellen, in einem Merkblatt. Nützlinge zu fördern, kann sich also lohnen. Dabei gehe es nicht unbedingt darum, bestimmte Nützlinge in grossen Mengen im Feld freizulassen, sondern um die Erhaltung und Förderung der natürlich vorkommenden räuberischen Insekten und Spinnen. Damit könne der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln gesenkt werden.

Hinsichtlich der zwei nationalen Initiativen zu diesem Thema ist die Förderung von Nützlingen durchaus auch für die Werdenberger Ackerbauern interessant. Denn die Landwirte stehen unter Druck. Zunehmend wird der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in den Fokus gerückt und löst Kritik aus. Eine Reduktion oder gar ein Verzicht von Pflanzenschutzmitteln wird gefordert. Um sein Einkommen zu sichern, ist der Landwirt aber auf entsprechende Erträge aus seinen Acker- und Gemüsebaukulturen angewiesen.

Eine Möglichkeit, Pflanzenschutzmittel zu reduzieren, ist die gezielte Förderung von Nützlingen. Oftmals lässt sich der Erfolg zwar nicht in Zahlen messen. Es gibt aber auch einige konkrete Beispiele, wo auf zusätzliche Spritzungen verzichtet werden kann, wenn genügend Nützlinge in einer Ackerkultur wirken können.

Dank Blattläusen weniger Insektizide

So ist beispielsweise die Blattlaus im Kartoffelanbau ein ernster Schädling. Blattläuse ernähren sich vom Pflanzensaft und schwächen so die Pflanze. «Dies führt in der Regel zu einer Ertragsminderung», sagt Nina Thomas von der Fachstelle für Pflanzenschutz am Landwirtschaftlichen Zentrum in Salez. Blattläuse können mit Insektiziden bekämpft werden. Allerdings können dies auch Marienkäfer und andere Insekten erledigen, welche Blattläuse auf ihrem Speiseplan haben. Nina Thomas bestätigt:

«Durch die Förderung von Marienkäfern oder Soldatenkäfern beispielsweise kann wirklich häufig auf eine Bekämpfung der Blattläuse mit Insektiziden im Kartoffelanbau in der Region verzichtet werden».

Diese Nützlinge kann man durch entsprechende Landschaftsstrukturen fördern. «Jeder Landwirtschaftsbetrieb ist im Ökologischen Landwirtschaftsnachweis dazu verpflichtet, sieben Prozent seiner Flächen als Biodiversitätsförderflächen zu bewirtschaften», so Nina Thomas. Das sei eigentlich nichts Neues. Im Werdenberg würden diese Flächen vor allem als extensive, ungedüngte Wiesen mit spätem Schnittzeitpunkt bewirtschaftet. «Hier finden Nützlinge Unterschlupf und ein reiches Blütenangebot», sagt Nina Thomas.

Einige Landwirte würden im Werdenberg zwischen ihren Ackerkulturen extra solche Wiesenstreifen stehen lassen, damit die Nützlinge einen Lebensraum nahe an den Feldern finden. Die Landwirte seien zudem verpflichtet, nützlingsschonenden Pflanzenschutzmitteln den Vorzug zu geben, so Nina Thomas.

Ein Schlaraffenland für Schädlinge

Landwirtschaftliche Kulturen bestehen in der Regel aus einer einzigen Pflanzenart. Schädlinge benötigen meist nur diese eine Pflanze, um sich zu entwickeln. Das reichhaltige Angebot fördert die Schädlinge zusätzlich. Nützlinge haben meist einen langsameren Entwicklungszyklus und benötigen neben den landwirtschaftlichen Kulturen naturnahe Lebensräume. So fressen beispielsweise die Larven von Schlupfwespen und Schwebfliegen Schädlinge. Die ausgewachsenen Insekten benötigen aber ein ständiges Blütenangebot mit Nektar. Naturnahe Lebensräume in der Nähe der Felder können also die gewünschten Nützlinge fördern.

Jeder Betrieb ist verpflichtet, sieben Prozent seiner Fläche als Biodiversitätsförderflächen zu bewirtschaften. Der Betrieb von Heinz Müller in Weite verfügt sogar über 26 Prozent. «Davon erreicht fast zwei Drittel eine hohe Qualität», sagt Heinz Müller. Er bewirtschaftet seinen Betrieb konventionell. Dennoch fördert er aktiv Nützlinge mit Magerwiesen, Streuewiesen, Blühstreifen, Hecken, Hochstammbäumen und extensiven Weiden. Auch für Turmfalken und Schleiereulen setzt er sich ein, damit diese Mäuse bekämpfen. Weiter ist ihm die Förderung von Fledermäusen ein Anliegen, in der Hoffnung, dass diese den Apfelwickler dezimieren könnten. Fledermäuse jagen in der Dämmerung und Nacht bevorzugt entlang von Waldränder, in Hochstammobstgärten und um Einzelbäume. Der Apfelwickler ist ein Nachtfalter, der in der ersten Generation im Mai fliegt. Seine Raupen richten im Obstbau Schäden an.

Mauerbienen sind gefragte Bestäuber

Von den verschiedenen Fördermassnahmen für Nützlinge profitieren auch Honig- und Wildbienen. Heinz Müller hat sogar aktiv Mauerbienen in seinen Kulturen freigelassen. Unterdessen fördert er diesen Bestäuber mit Nisthilfen. «Die Population ist nun zufriedenstellend», sagt Müller.

Auch Hans Peter Schwendener, Gemüseproduzent in Buchs, denkt bei seinen Massnahmen im Ackerbau an nektarliebende Insekten. Statt die Erntefahrgassen seiner Felder sich selbst zu überlassen, sät er sie zum Beispiel mit Phacelia und Klee ein. «Wir setzen die Pflanze als Gründüngung zur Bodenverbesserung ein», sagt Schwendener. Dass diese Pflanzen dank ihres reichhaltigen Nektar- und Pollenangebotes auch für Bienen und andere Insekten interessant sind, ist für ihn ein erwünschter Zusatznutzen.

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