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Die Hälfte der heutigen Berufe wird durch Digitalisierung verschwinden

Ein Referat und ein Podium bei der SP Werdenberg in Grabs widmete sich der «Bildung für eine digitalisierte Zukunft».
Hanspeter Thurnherr
Diskutierten mit dem Publikum zum Thema Bildung: Esther Rohrer, Marco Wicki, Christina Flühler, Referent Bernhard Hauser und Moderator Josef Gähwiler (von links). (Bild: Hanspeter Thurnherr)

Diskutierten mit dem Publikum zum Thema Bildung: Esther Rohrer, Marco Wicki, Christina Flühler, Referent Bernhard Hauser und Moderator Josef Gähwiler (von links). (Bild: Hanspeter Thurnherr)

Durch die Digitalisierung werden gemäss einer Studie 50 Prozent der heutigen Berufe innert zehn Jahren verschwinden, sagte der Sarganser Bernhard Hauser, Professor an der Pädagogischen Hochschule St.Gallen, beim Anlass im Restaurant Schäfli. Wir müssten in neue Berufe investieren und ein innovatives Umfeld schaffen. Es brauche daher eine bessere Grundbildung. Die Schere zwischen guten und schwachen Kindern in der Vorschule öffne sich immer mehr.

«Drei- bis sechsjährige Kinder sprechen sehr gut auf seriöse Games an, bildungsnahe Eltern wissen dies besser zu nutzen.»

Analysen zeigten aber auch, dass Kinder dadurch schneller und oberflächlicher lesen, was die Lernleistung verschlechtern könne. «Wir dürfen deshalb die Digitalisierung in der Schule nur langsam erhöhen», sagte Hauser.

Selbstdisziplin ist wichtiger als Intelligenz

Gemäss Studien schneiden Schweizer Hochschulen im internationalen Vergleich gut ab, aber lägen doch deutlich hinter den asiatischen Spitzenreitern. In diesen Ländern würden an die Kinder früh Leistungserwartungen gestellt. Zudem zeige sich, dass Selbstdisziplin doppelt so wichtig sei wie Intelligenz. Durch bessere Förderung kommen Kinder mit Vorsprung in die Schule. Deshalb lohne es sich, in die Frühförderung der Kinder zu investieren. Beispiele sind Kindertagesstätten oder Dazolino-Angebote.

Hauser zog folgende Schlussfolgerungen:

«Wir brauchen keine Revolution in der Bildung. Die Grundkompetenzen wie Lesen, Schreiben und Rechnen stehen weiter im Zentrum.»

«Wir müssen uns aber fit für die Digitalisierung machen und die Qualität der Lehrerbildung ausbauen. Von den Asiaten können wir lernen, die Kinder anregender, herausfordernder und spielintegrierter zu fördern.»

Spannende Wertediskussion

Im Podiumsgespräch ergaben sich spannende Diskussionen. Die Sarganser Schulleiterin Christina Flühler achtet darauf, ob und wie Lernen stattfindet. Wichtig sei, dass man die Schüler fordere und «eine Schippe drauflegt». So sei es möglich, dass starke Kindergärtler auch überspringen können – vom ersten in den zweiten Kindergarten. Heute arbeite man fast überall schon mit Dreijährigen. Bernhard Hauser ist gar dafür, den 1.-Klass-Stoff mehrheitlich in den Kindergarten hinunterzugeben. Denn die Schulfähigkeit sei heute schon mit vier Jahren gegeben.

Für die Sennwalder Kindergärtnerin Esther Rohrer ist klar: «Kinder lernen im Spiel. Durch wertschätzen, fördern und fordern können wir im Kindergarten am meisten erreichen.» Sie bemängelte, dass Kindergärtnerinnen zu wenig ernst genommen würden, teilweise auch von den Schulleitungen.

«Wir sind oft ziemlich ratlos»

Der Grabser Oberstufenlehrer Marco Wicki stellt sich die zentrale Frage, was seine Schüler beruflich machen werden, wenn einfache Aufgaben und Arbeiten wegautomatisiert werden. Um die Schere zu verhindern, sei es entscheidend, wie man die Lücke schliesse. «Zentral ist immer noch die Lehrperson in der Klasse, auch als Persönlichkeit und in der Beziehung zu den Schülern», betonte er. Bernhard Hauser ergänzte: «Seit Jahrzehnten haben wir das Problem: Wohin mit den Bildungsverlierern? Wir müssen einen Weg finden, aber wir sind oft ziemlich ratlos.»

Kritische Bemerkungen aus dem Publikum führten zu einer Wertediskussion. Die Pauschalisierung in den Studien wurde hinterfragt. Kernfragen waren: Muss immer das Wirtschaftliche im Zentrum stehen? Wie steht es mit der Sozialkompetenz? Was ist das Ziel der Ausbildung? Dazu meinte Hauser: «Das Ziel muss sein, Menschen so vorzubereiten, dass sie möglichst viel Wahlfreiheiten haben.» Für ihn ist die Feedbackqualität der Lehrpersonen entscheidend, im Sinne von «Ich traue es dir zu – und ich erwarte es».

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