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Vor 100 Jahren durfte nur Brot vom Vortag verkauft werden

1919 waren die Schrecken des Ersten Weltkriegs noch längst nicht vergessen. Der Schweiz, und damit auch der W&O-Region, mangelte es an den hauptsächlichsten Lebensmitteln. Ein Blick auf einige lokale Ereignisse im Jahr 1919.
Hansruedi Rohrer
Der am 24. Februar in Sevelen gelandete Doppeldecker, umringt von viel Volk. Um 15 Uhr starteten die beiden Offiziere wieder, um weiter nach Dübendorf zu gelangen. (Bilder: Archiv Werner Hagmann)Der am 24. Februar in Sevelen gelandete Doppeldecker, umringt von viel Volk. Um 15 Uhr starteten die beiden Offiziere wieder, um weiter nach Dübendorf zu gelangen. (Bilder: Archiv Werner Hagmann)
Der am 24. Februar in Sevelen gelandete Doppeldecker, umringt von viel Volk. Um 15 Uhr starteten die beiden Offiziere wieder, um weiter nach Dübendorf zu gelangen.Der am 24. Februar in Sevelen gelandete Doppeldecker, umringt von viel Volk. Um 15 Uhr starteten die beiden Offiziere wieder, um weiter nach Dübendorf zu gelangen.
Der am 24. Februar in Sevelen gelandete Doppeldecker, umringt von viel Volk. Um 15 Uhr starteten die beiden Offiziere wieder, um weiter nach Dübendorf zu gelangen.Der am 24. Februar in Sevelen gelandete Doppeldecker, umringt von viel Volk. Um 15 Uhr starteten die beiden Offiziere wieder, um weiter nach Dübendorf zu gelangen.
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Nur Brot vom Vortag durfte verkauft werden

Nach dem Ersten Weltkrieg galten noch einige Zeit die Rationierungskarten für Lebensmittel und Gebrauchsgegenstände. Gemäss Verfügung des eidgenössischen Ernährungsamtes waren auch in verschiedenen Gemeinden des Werdenbergs jene Viehbesitzer durch eine Kommission zu bezeichnen, welche zum Ausgleich des Viehbestandes mit den Futtervorräten und zur Vermehrung der Schlachtviehabgabe, Vieh zur Schlachtung abzugeben hatten. Diesem Aufruf folgte die Gemeinde Sennwald im Januar 1919 mit 35 Stück Grossvieh, die eben abzuliefern waren.

Anfang Januar erfolgte in Buchs auch eine andere Art von Aufruf: Der hungernden Bevölkerung, vor allem den Kindern, sollte in Wien geholfen werden. In der Folge trafen zahlreiche Gaben ein. Mit Säcklein beladen kamen Frauen und Männer und brachten Mais, Bohnen, Dörrobst, Reis, Kaffee, Schokolade, Kartoffeln, Teigwaren und sogar dürre Landjäger.

In der Folge wurde auch in Grabs ein Hilfskomitee für die Hungernden in Wien gegründet.

Doppelhaus in Malans brannte, Vieh kam in den Flammen um

Von Freitag, 10., auf Samstag, 11. Januar, brannte in Malans in der Gemeinde Wartau ein Doppelhaus. Drei Stück Vieh, ein Schwein sowie Federvieh kamen in den Flammen um. Einer der Besitzer konnte mit grosser Not nur noch das nackte Leben retten.

In den Bäckereien durfte vorerst nur Brot vom Vortag in den Verkauf gelangen und nur mit Abgabe eines Bons der Rationierungsbrotkarte. Die Gemeinden Grabs, Gams, Buchs, Wartau, Sevelen und Sennwald verlauteten dazu: «Brot, das am gleichen Tag gebacken wurde, darf nicht an die Konsumenten abgegeben werden, auch nicht, wenn es beispielsweise um 6 Uhr morgens aus dem Ofen genommen wurde und somit um 6 Uhr abends 12 Stunden alt ist.»

Rationierungskarte für Brot, gültig vom 1. bis 30. Juni 1919.

Rationierungskarte für Brot, gültig vom 1. bis 30. Juni 1919.

Am 4. Februar traf der erste Transport von österreichischen Ferienkindern im Bahnhof Buchs ein. Es waren 500 bleiche, unterernährt aussehende Kinder aus Wien, die nach der Verpflegung durch das einheimische Rote Kreuz mit einem Sonderzug nach Frutigen und Adelboden weiter reisten.

Zugreisen via Buchs

Erst seit Anfang Februar hatte der Winter Einzug gehalten. Seit dem 7. Februar schneite es fast ununterbrochen, sodass Berg und Tal mit einer ansehnlichen Schneeschicht bedeckt wurde.

Am 10. Februar traf die polnische Friedensdelegation von Österreich kommend im Bahnhof Buchs ein. Die Reise ging nach Paris weiter. In ihrer Begleitung befanden sich 65 Franzosen sowie einige Engländer und Amerikaner, die über Bern in ihre Heimat zurückkehrten. Zur Reise von Warschau bis Buchs benötigten sie volle zwölf Tage. Am gleichen Tag traf ebenfalls mit einem Sonderzug eine aus 64 Personen bestehende Militärkommission der Entente ein, die nach einem stündigen Aufenthalt nach Österreich und Polen weiterreiste.

In einem Zeitungsinserat machte das Elektrizitätswerk Salez am 15. Februar bekannt: «Infolge gemachter Erfahrungen bei letzter Kontrolle machen wir wiederholt auf den Art. 6 des Regulativs aufmerksam, nach welchen unsere werten Abonnenten die Glühkörper von uns zu beziehen haben, anderswo gekaufte Glühkörper werden bei der nächsten Kontrolle vernichtet und die betreffenden Abonnenten bestraft. Ebenso sind Motoren und Heizkörper durch das Werk zu beziehen und wird an andere absolut kein Strom abgegeben.»

Doppeldecker-Landung in Sevelen zog viele Leute an

Am 24. Februar landete ein schweizerisches Flugzeug – ein Doppeldecker – in der Nähe des Seveler Bahnhofs mit einem Oberleutnant und einem Leutnant. Alt und Jung wanderte in Scharen dem Landungsplatz zu, um das Flugzeug zu betrachten. Um 15 Uhr starteten die beiden Offiziere wieder, um weiter nach Dübendorf zu gelangen.

Am 24. März traf Karl I., der letzte Kaiser von Österreich und König von Ungarn, mit Familie und Gefolge unter englischem Schutz im Bahnhof Buchs ein. Im Auftrag des schweizerischen politischen Departements wurde er von Legationssekretär Bösinger und Oberstdivisionär Bridler begrüsst. Nach halbstündigem Aufenthalt fuhr der Hofzug mit militärischer Begleitung nach Staad, wo der Ex-Kaiser vorerst auf Schloss Wartegg Wohnsitz nahm.

Unter den Bekanntmachungen, welche die damalige Notlage dokumentieren, finden sich ab und zu in den Zeitungen auch ganz andere Inserate, wie dieses vom 29. April: «Derjenige, der letzten Sonntag anlässlich des Vortrages in der Krone Burgerau den Schirm am Saalfenster gegen die Arche für den Seinigen angesehen, ist ersucht, denselben in dorten auszuwechseln.»

Die Politische Gemeinde Sevelen beschloss am Sonntag, 11. Mai, an jeden Wehrmann, der seit 1914 aktiv Dienst geleistet hatte, eine Soldzulage zu verabfolgen. Die anschliessende Ortsgemeinde beschloss ebenfalls, sich daran zu beteiligen und zwar mit der Hälfte.

Am 18. Mai wurde in der Sommerwirtschaft auf dem Schneggen in Buchs zur Erinnerung an das 25-jährige Bestehen der Musikgesellschaft Harmonie Buchs ein Jubiläumskonzert veranstaltet. Unter der Direktion von R. A. Mehrmann wirkten auch Sängerbund, Eisenbahnergesangverein und Töchterchor Buchs mit.

Am 3. Juni verliess der zweite Rumänienzug nach Bukarest mit Gütern und Sendungen den Bahnhof Buchs. Diese Züge mit schwerer Dampflokomotive erfolgten mit schweizerischer militärischer und ziviler Begleitung. Der Extra-Zugsverkehr nach Osteuropa wurde zum Beispiel von der Firma A. Natural, Le Coultre & Cie. AG, die auch in Buchs eine Niederlassung besass, organisiert.

Quelle: Werdenberger Nachrichten 1919

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