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Patrik Kleger besitzt drei Vespas und eine Lambretta. Sie sind zwischen 39 und 58 Jahre alt. (Bild: Mareycke Frehner)

Patrik Kleger besitzt drei Vespas und eine Lambretta. Sie sind zwischen 39
und 58 Jahre alt. (Bild: Mareycke Frehner)

Nostalgie auf zwei Rädern

Seit er 16 Jahre alt ist, fährt Patrik Kleger leidenschaftlich gerne Vespa. Er ist Mitorganisator des Vespatreffens in Buchs vom kommenden Samstag und Gründungsmitglied des organisierenden Vereins Vespadeluxe.
Corinne Hanselmann

Patrik Kleger schwärmt von schönen «Füdlibacken» – doch er spricht nicht etwa von einer Frau, sondern von einem Motorroller. Vespas und Lambrettas haben es ihm angetan. Vier Modelle – alle zwischen 39 und 58 Jahre alt – nennt er sein Eigen. Weil die Oldtimer regelmässig gefahren werden, sei es auf dem Arbeitsweg oder für besondere Ausfahrten, hegt und pflegt Patrik Kleger sie gut.

Der 44-Jährige, der in Grabs aufgewachsen ist und heute in Buchs wohnt, fährt seit über 25 Jahren Vespa. Nachdem ihn seine Mutter als 14-Jährigen erwischt hat, als er ein frisiertes Piaggio-«Pfupferli» kaufen wollte, gab es vorerst keinen motorisierten Untersatz. Durch einen Kollegen lernte er im Ausgang einige Vespa-Besitzer kennen. Diese Gefährte faszinierten ihn auf Anhieb, und so kaufte er sich mit 16 Jahren seine erste eigene Vespa – eine PK 50 SS Special in Beige. «Ich lackierte sie schwarz und brauste damit rum, bis ich 18 war», erzählt Patrik Kleger. Dann ergatterte er sich für 700 Franken eine 125er-Vespa. «Das waren Welten!», erinnert er sich. «Mir kamen fast Tränen während des Fahrens, sie war so viel schneller.» Die 125er war weiss, Patrik Kleger gestaltete sie mit schwarzen Karos als Schachbrett.

Patrik Kleger ist ein grosser Fan von alten Motorrollern der Marken Vespa und Lambretta. (Bild: Mareycke Frehner)

Patrik Kleger ist ein grosser Fan von alten Motorrollern der Marken Vespa und Lambretta. (Bild: Mareycke Frehner)

Heute bekommt man für 700 Franken nur noch mit sehr viel Glück eine Vespa – «von einem Verkäufer, der sich nicht über die Preise schlau gemacht hat», weiss der Buchser. «Aktuell liegen die Preise für eine alte Vespa bei 4000 bis 10000 oder noch mehr Franken.»

Ohne Vespa litt der junge Mann

Ein einziges Mal lieh er seine Schachbrett-Vespa einem Kollegen für eine Spritzfahrt. Das bereute er danach, denn sein geliebtes Gefährt war nach einer Kollision – bei der sich der Kollege nicht ernsthaft verletzte – reif für den Schrottplatz. So hatte Patrik Kleger eine Weile lang keine Vespa und litt sehr darunter. Doch eines Tages erfuhr er durch einen Kollegen, dass ein Bauer am Grabserberg noch eine alte Vespa im Stall stehen habe. Sofort machte sich Patrik Kleger auf den Weg und besichtigte die dunkelgrüne TS125 mit Jahrgang 1976.

«Sie sprang sofort an, obwohl sie jahrelang zugedeckt mit Heu im Stall gestanden hatte.»

Er konnte dem Bauern die Vespa günstig abkaufen und brachte sie wieder auf Vordermann. Rostlöcher mussten geflickt und der Lack erneuert werden, auch ein Karomuster bekam die Vespa verpasst. Dank seinen Ausbildungen zum Heizungsmonteur und zum Mechaniker konnte er vieles selbst bewerkstelligen. Über zwölf Jahre war diese Vespa dann sein tagtäglicher Begleiter. Patrik Kleger fuhr damit zur Arbeit – sogar im Winter, als er eine Zeit lang kein Auto besass. Heute zieht er der Vespa bei schlechtem Wetter den Zug vor, um zur Arbeit zu fahren.
Beim Vespafahren gehe es nicht um die Geschwindigkeit, sagt Patrik Kleger. «Das ist ein Genussfahrzeug.» Es geht ihm auch um den Lebensstil und das Gefühl beim Vespafahren. «Ich freue mich jeweils richtig auf den Feierabend, weil ich dann für den Heimweg auf die Vespa sitzen und den Kopf durchlüften kann», sagt der Arbeitsagoge und Jobcoach, der bei der Berufsberatung arbeitet und Jugendliche bei der Berufsfindung und Lehrstellensuche unterstützt.

Interessanterweise haben viele Vespa­fahrer, die Patrik Kleger in den Jahren kennen gelernt hat, ähnliche Interessen. Nebst den alten Rollern der italienischen Marke gefällt ihm etwa der Vintage-Stil, und er ist ein Fan von Vinylschallplatten.

Familie mit Vespafieber angesteckt

Als Patrik Kleger heiratete, durfte seine dunkelgrüne Vespa auf den Hochzeitsfotos natürlich nicht fehlen. Seine Frau liess sich mit dem Vespafieber anstecken. «Als Italienerin muss sie ja fast», schmunzelt Patrik Kleger. Seine Frau fährt ebenfalls Vespa. Auch die Kinder, ein achtjähriges Mädchen und ein fünfjähriger Knabe, sind bereits begeisterte Mitfahrer. Bevor Klegers Eltern wurden, kaufte Patrik immer wieder mal eine alte Vespa und richtete sie her. Manchmal verkaufte er auch eine, obwohl er es jeweils kaum übers Herz brachte.

«Alles in allem besass ich wohl über 25 verschiedene Vespas. Das Maximum ­waren acht gleichzeitig.»

Heute besitzt Patrik Kleger nebst drei Vespas auch eine Lambretta. Diese Marke war früher die grosse Konkurrenz von Vespa. Die interessante Geschichte, wie diese in seinen Besitz kam: Als Vespafahrer kommt Patrik Kleger immer wieder mit Leuten ins Gespräch. Eines Tages erzählte ihm ein älterer Mann, dass er jemanden wisse, der im Stall noch eine Lambretta stehen habe. Patrik Kleger, der sich zu dieser Zeit nach einer Lambretta umschaute, telefonierte besagtem Landwirt im Appenzell sofort und fuhr hin. «Da stand sie, mitten im Stall: wunderschön, kein Rost, mit Originallackierung, Jahrgang 1960.» Der Besitzer erzählte, dass er mit dieser Lambretta und seiner Frau schon an der Ostsee in den Ferien war, weil sie kein Auto hatten.

Der Buchser kaufte ihm die ­geschichtsträchtige Lambretta für 400 Franken ab. Da sie jahrelang nicht gefahren worden war, musste er unter anderem den Motor revidieren. Ersatzteile für die alten Vespas und Lambrettas sind dank der riesigen Fangemeinschaft rund um den Globus nach wie vor erhältlich.

Kein Anhänger der «Plastikvespa»

Im Gegensatz zur Lambretta werden Vespas heute immer noch hergestellt. «Plastikroller» nennt Patrik Kleger sie etwas sarkastisch. Sie seien ideal für jemanden, der mit Vintage und Nostalgie nicht viel anfangen oder aber nur mit einem Automatikgetriebe fahren kann. Ein solches Plastikmodell mit Automatik kommt für Patrik Kleger nicht in Frage. «Für einen eingeschworenen Fan ist eine richtige Vespa aus Blech und stinkt ein bisschen. Sie darf ruhig ein paar Kratzer haben, aber am liebsten mit Originallack.»

«Am Treffen vom kommenden Samstag in Buchs (siehe Infotext) sind aber auch neue Vespas herzlich willkommen – wir sind keine Rassisten», betont Kleger schmunzelnd. «Aber ich würde mich nicht auf so eine raufsetzen – ausser ich könnte aus körperlichen Gründen nicht mehr schalten.»

Für Patrick Kleger ist eine richtige Vespa aus Blech. (Bild: Mareycke Frehner)

Für Patrick Kleger ist eine richtige Vespa aus Blech. (Bild: Mareycke Frehner)

Nebst Alltagsfahrten macht Patrik Kleger, auch zusammen mit seinen Kollegen vom Verein Vespadeluxe, ab und zu Ausfahrten, etwa über Pässe nach Italien oder zu Treffen mit Gleichgesinnten. Auf diesen Ausflügen machen Patrik Kleger und seine Kollegen jeweils fleissig Fotos und Filme, die danach auf der Homepage von Vespadeluxe ersichtlich sind und von Tausenden Nutzern in den sozialen Medien betrachtet werden.

«Meine längste Strecke war die Fahrt zur Eurolambretta in Venedig», so der zweifache Vater. 800 Lambretta-Fahrer aus ganz Europa und sogar aus Übersee trafen sich dort. Doch die Lambretta ist für den Alltag zu schön. Für den Arbeitsweg nehme er meist die Vespa DS200, ein spanisches Fabrikat mit Jahrgang 1979, aus der Garage. Er ist noch etwas unschlüssig, welche er für die Corso-Fahrt am Buchser Vespatreffen starten soll.

Zehntes Buchser Vespatreffen am Samstag, 9. Juni

Am Samstag, 9. Juni, findet ab 10 Uhr auf der Bahnhofstrasse in Buchs zum zehnten Mal ein Vespatreffen statt. Es wird organisiert vom Verein Vespadeluxe.
2008 trafen sich in Buchs rund 80 Vespafahrer, mittlerweile kommen jeweils mehrere hundert, wobei die Zahl auch vom Wetter abhängig ist.
Die Bahnhofstrasse wird während des Treffens für den Verkehr gesperrt, so dass die Besucher ungestört flanieren und die ausgestellten Gefährte bestaunen können.
An verschiedenen Ständen kann man sich verpflegen. Am Nachmittag gibt es eine Ausfahrt mit allen Vespas. Der Start des Corsos ist für 13.15 Uhr geplant. Die Strecke führt von Buchs aus südwärts Richtung Luzisteig und danach über den Rhein nach Bad Ragaz. Höhepunkt des Treffens wird die Einfahrt auf der gesperrten Bahnhofstrasse sein. Diese ist für 15.45 Uhr geplant. Abends unterhalten Bands und DJs.
Mit den Fahrzeugausstellungen des Motor-Veteranen-Clubs Liechtenstein und des Fiat-500-Clubs Liechtenstein sowie einer Hüpfburg für Kinder bietet das Vespatreffen für alle Altersklassen etwas.
Auf der Leinwand in der Gass werden zudem Filme von Ausfahrten des Vereins Vespadeluxe gezeigt. In der Z-Bar legt am Abend unter anderem Patrik Kleger als DJ Klegazz Vinylplatten auf.
Weitere Informationen unter www.vespadeluxe.ch.

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