In der Gemeinde Wartau gibt es eine neue Hängebrücke am Walserberg

Nach 50 Jahren ersetzt ein eleganter Neubau die Hängebrücke über den Lochbachgraben. Bereits 1968 haben die Eigentümer der Berggüter am Walserberg aus eigener Initiative einen bequemen Weg auf den Gonzen geöffnet. Ein Rückblick.

Cornel Doswald
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Pylon und Abspannung der neuen Hängebrücke. (Bild: Andreas Haefele jun., 2018)
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Die Mutter von Andreas Haefele jun. und Andreas Rissi 1968 auf der neu erbauten Hängebrücke. (Bild: Andreas Haefele sen.)
Zugang zur Brücke. (Bild: A. Haefele jun.)
Einbau des Gehwegs nach dem Anheben der Brücke. (Bild: Jakob Gabathuler, 1996)
Die sanierte Hängebrücke im Blumenschmuck. (Bild: Jakob Gabathuler, 1997)

Pylon und Abspannung der neuen Hängebrücke. (Bild: Andreas Haefele jun., 2018)

Bis etwa Ende der 1960er-Jahre wurde auf den Berggütern am Walserberg noch geheut. Das Bergheu wurde in Ausfütterungsställen gelagert und an das von der Alp herabgeführte Vieh verfüttert. Am 10. Dezember erfolgte jeweils der Abtrieb des Viehs über Matug ins Tal, bei drohender Lawinengefahr auch früher. Dafür musste aber der Weg in schneereichen Wintern, wie sie in den 1960er-Jahren häufig waren, erst von den Bewirtschaftern freigeschaufelt werden.

Rutschiger Fussweg zum Walserberg

Während der Ausfütterungsperiode musste das Vieh täglich versorgt werden. Es wurde gefüttert, die Lager wurden ausgemistet und frisch eingestreut. Dafür wurde der Weg in die Berggüter täglich zurückgelegt. Die Güter waren damals noch schlecht erschlossen. Von der Alpstrasse beim Schnapsgrotzen führte ein rutschiger (von daher der Name «Gletti») Fussweg hinüber zum Walserberg. Er querte die steilen Hänge des Trübbach- und des Lochbachgrabens. Vor allem der Lochbachgraben bildete bei nassem Wetter oder tiefem Schnee ein schwer zu überwindendes Hindernis. Kobi Gabathuler erinnert sich, wie sie einmal volle drei Stunden benötigten, um den anstrengenden Weg zurückzulegen, obwohl sein Schwager Edi Sprecher und er sich beim Spuren abwechselten. Die Böschungen waren kaum zu überwinden, weil ihnen der tiefe Pulverschnee immer wieder unter den Füssen wegrutschte. Nach kurzer Viehfütterung schliefen sie erschöpft ein.

Bau und Erneuerung der ersten Hängebrücke

Um 1970 wurden die Wiesen nur noch mit Galtvieh beweidet. Damit lief die Jahrhunderte alte landwirtschaftliche Intensivnutzung allmählich aus. Dennoch bildete der Bau der ersten Hängebrücke über den Lochbach im Jahr 1968 für die Eigentümer der Berggüter eine grosse Erleichterung. Initiant war damals Andreas Haefele sen., der zusammen mit Hans Galbier einige Nachbarn dafür mobilisieren konnte, das Werk gemeinsam auszuführen. An die Gesamtkosten von 29438.60 Franken leisteten die Eisenbergwerk Gonzen AG, der Verkehrsverein und die Politische Gemeinde Wartau Beiträge von insgesamt 9000 Franken, der Rest verblieb den Eigentümern. Darin nicht eingerechnet sind die zahlreichen freiwillig geleisteten Arbeitsstunden der Familien Galbier, Haefele und Staub, die zusammen mit dem Baugeschäft Rissi aus Trübbach die Brücke erbauten. Bereits damals wurden übrigens die Bauteile mit einem Helikopter der Heliswiss eingeflogen.

Nachdem sich das nördliche Widerlager der Brücke mit der Zeit gesenkt hatte und der Gehweg stark durchhing, machte man sich 1995 an eine umfassende Reparatur. 21 Freiwillige leisteten bis 1997 unter der Leitung von Kobi Gabathuler 469 1/2 Arbeitsstunden.

Viele halfen mit Arbeit und Geld

Diesmal beteiligte sich jedes Berggut mit 2000 Franken an der Finanzierung. Beiträge leisteten auch die St. Galler Wanderwege, die Politische Gemeinde und der Verkehrsverein Wartau sowie der Zivilschutz mit einem Arbeitseinsatz. Die Brücke wurde angehoben, womit der bisherige, bei hohem Schnee unpraktische Zugang erleichtert werden konnte. Die Tragseile wurden nachgespannt und an den Fundamenten neu gesichert. Schliesslich musste auch der abgehängte Gehweg teilweise erneuert und verlängert werden. Damit wurde die Brücke wieder gefahrlos passierbar gemacht.

Was zunächst nur als Zugang zu den Privatgütern gedacht war, entwickelte sich im Lauf der Jahrzehnte zum vielbegangenen Wanderweg vom Kurhaus Alvier auf den Gonzengipfel und Bestandteil verschiedener Rundwanderungen. Dabei erreichte aber die fast 50-jährige Hängebrücke das Ende ihrer Lebensdauer und musste 2014 abgebrochen werden. Ein unterhaltsintensiver Fussweg durch das Tobel erlaubte die provisorische Querung des Bachgrabens.

Wanderweg und neue Hängebrücke

Im Hinblick auf eine dauerhafte Lösung entschloss sich die Gemeinde Wartau 2018, den Wanderweg zum Gemeindeweg 1. Klasse zu erheben und beim Kanton die Aufklassierung vom lokalen zum regionalen Wanderweg zu veranlassen. Damit ging die Bau- und Unterhaltspflicht an die Gemeinde über und es wurde erstmals ein namhafter Kantonsbeitrag von 65 Prozent der Kosten an den Neubau gesprochen. Auch die Grundeigentümer, der Verkehrsverein und der Ski- und Bergclub Gonzen leisteten Beiträge. Das erlaubte den Bau einer aufwendigeren, freistehenden modernen Hängebrücke mit Gesamtkosten von rund 160000 Franken.

Die neue Brücke ist mit 49,6 Metern Spannweite deutlich länger als ihre Vorgängerin. Das ermöglicht eine höhere Lage und den Zugang von den Rändern des Bachgrabens, nicht wie bisher durch die Böschungen des Tobels. Die Abspannung der Tragseile erfolgt über Anker und acht Meter hohe Pylone. Gegen Seitenwinde wird der Gehweg durch seitliche Abspannseile gesichert, während bisher die Verankerungen über den Abspannseilen angeordnet waren.

Wandervorschlag mit Schatten und toller Aussicht

Eine empfehlenswerte Rundwanderung durch das alte Walser-Siedlungsgebiet in Wartau führt von der Seilbahn-Bergstation Kurhaus Alvier über das Berghaus Palfries, die Alp Riet, den Walserberg, die Hängebrücke und Schnapsgrotzen zurück zum Kurhaus Alvier. Im Aufstieg gehet man im Schatten des Waldes, auf dem Scheitelpunkt Chamm geniesst man eine tolle Rundsicht, und auf dem Rückweg hat man einen freien Blick ins Tal, gerade auch von der Hängebrücke.

Quellen
Jakob Gabathuler, Andreas Haefele jun. und Mathias Nänni.