«Neger»-Fasnachtswagen: FDP-Politiker wird Anzeige erstatten

Der Slogan «Wie viele ‹Neger› brauchen wir in St.Gallen?» auf dem Fasnachtswagen von Walter Brandstetter wird zum Fall für die Justiz. Die Staatsanwaltschaft und die Polizei ermitteln, weil es sich um ein Offizialdelikt handelt. Ausserdem wird der angegriffene FDP-Politiker Nirosh Manoranjithan Anzeige einreichen.

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Mit diesem Wagen wollte Walter Brandstetter an der Fasnacht in Wangs teilnehmen – schliesslich wurde das Wort «Neger» überklebt.

Mit diesem Wagen wollte Walter Brandstetter an der Fasnacht in Wangs teilnehmen – schliesslich wurde das Wort «Neger» überklebt.

Bild: pd

Die Behörden untersuchen den Fasnachtswagen von Walter Brandstetter als Offizialdelikt. «FDP und Jungfreisinnigen begrüssen die polizeilichen Ermittlungen, die ohne explizite Strafanzeige eingeleitet worden sind», heisst es in einer Mitteilung der FDP Sarganserland. Aus Verhältnismässigkeit verzichtet die Partei deshalb auch auf eine Anzeige wegen Diebstahls der Plakate.

Weitere Anzeigen möglich

Der Wangser Gemeinderat und FDP-Politiker Nirosh Manoranjithan wird als Direktbetroffener Strafanzeige einreichen. «Da zudem auch andere Kandidierende der FDP sowie der Jungfreisinnigen in beleidigender Form betroffen sind, können auch sie innerhalb von drei Monaten wegen Beschimpfung Strafanzeige einreichen», heisst es.

Die Partei bedauert, dass die Diskussionen um den Fasnachtswagen «Brandstetter» die vielen anderen, qualitativ hochwertigen Fasnachtssujets verdrängt haben.

«Unterste Schublade»

Brandstetter schrieb auf seinen Fasnachtsanhänger «Wie viele ‹Neger› brauchen wir in St.Gallen?». Daneben hatte er Bilder verschiedener FDP-Politiker aufgehängt, besonders prominent jenes von Nirosh Manoranjithan, der sri-lankische Wurzeln hat. Manoranjithan sagte dazu: «An der Fasnacht werden gewisse Leute hochgenommen. Das ist völlig normal. Aber hier dachte ich schon: Das ist unterste Schublade. Schliesslich haben wir das Jahr 2020. So zurückgeblieben sind wir doch nicht.»

Brandstetter selbst sah im Spruch kein Problem: «Ich brauchte ein kurzes Wort. Ich habe ja alles von Hand auf den Wagen geschrieben. Mit einem langen Wort hätte ich mehr Arbeit gehabt.»

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