Naturbeobachtungen im August in der Region Werdenberg: Die Zugzeit der Vögel ist da

Trotz Hochsommer ist es für verschiedene Vogelarten schon Zeit für den Aufbruch in Richtung Süden.

Heidi Aemisegger
und Edith Altenburger
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Im Herbst kann man den Trauerschnäpper an Gewässerufern sehen.

Im Herbst kann man den Trauerschnäpper an Gewässerufern sehen.

Bild: Fredy Buchmann

Am 1. August sitzen noch einige Jungvögel der Mauersegler in den Kästen. Hie und da werden ein oder zwei Köpfchen sichtbar. Am nächsten Tag sind alle, Alt und Jung, fort. Der Luftraum um das Sekundarschulhaus ist leer. Es fehlt etwas.

Mehlschwalben in Kunstnestern und selbst gebauten Nestern

Zum Glück sind die Mehlschwalben da. In der Nähe ziehen sie in über zehn Nestern zum zweiten Mal Junge auf. Zum grossen Teil sind es Kunstnester, die ihnen vogelfreundliche und hilfsbereite Menschen an geeigneten Hauswänden festgemacht haben.

Erfreulich und auch erstaunlich ist, dass sie daneben selber Nester gemauert haben. Meistens fehlt ihnen dazu der nasse Lehm in der Nähe. Den finden sie jetzt am ehesten auf Baustellen, früher rund um Bauernhöfe. Junge Mehlschwalben lassen ihren Kot aus ihrem Nest fallen. Um Hauswände, Fenstersimse und Vorplätze davor zu schützen, bringt man unterhalb der Nester Kotbretter an.

Es braucht grossen Aufwand, Geschick und Idealismus, um den geschützten Mehlschwalben zu helfen. Es gibt im Grofquartier auch Nisthilfen, die noch nicht benützt wurden. Manchmal dauert es eine Weile, bis sie angenommen werden. Unbrauchbare uralte Nester an Brutplätzen werden hingegen immer wieder aufgesucht. Solche Orte wären erfolgversprechend für die Aufzucht.

Im Laufe des Monats wird der Vogelzug intensiver

Eines Morgens fliegt ein grosser Mehlschwalbenschwarm dicht über das grossflächige, schon etwas aufgeheizte Dach der Sekundarschule. Hinsitzen, aufflattern, hinsitzen, schnell ein Insekt erjagen, alles durcheinander, nur kurze Zeit. Schon fliegt der ganze Schwarm höher und verschwindet talaufwärts. Zurück bleiben die Schwalbeneltern, die noch Junge zu versorgen haben. Im Auenwald trainiert der Pirol seine Jungen für den Flug in den Süden. Ein letztes Mal ist sein «dülioliu» zu hören.

Leises Gewisper ertönt aus Bäumen und Beerensträuchern am Kanal und am Giessen. Willkommener Zwischenstopp, um Fettreserven aufzubauen für den langen Flug südwärts. Zu sehen sind Grasmücken und Schnäpper. Mehl- und Rauchschwalben erhaschen im Tiefflug über dem Wasser Insekten.

Trauerschnäpper lassen sich Zeit mit dem Flug in den Süden

Einer fällt auf, der Trauerschnäpper. Er sitzt aufrecht auf seiner Sitzwarte. Er fängt kleine Insekten im Flug und am Boden, nachdem er immer wieder von seiner Sitzwarte startet.

Trauerschnäpper überwintern in Westafrika zwischen der Sahara und dem Golf von Guinea. Im Frühjahr ziehen sie ziemlich rasch nach Europa zurück und legen nur wenige Stopps ein, an der Küste oder an anderen Stellen, wo sie nicht brüten. Im Herbst dagegen lassen sie sich mehr Zeit. Dann kann man besonders nordeuropäische Brutvögel häufig an Gewässerufern sehen.

Brutzeit wegen Klimawandel in der Schweiz nicht mehr optimal

Die Schweiz befindet sich am Südwestrand des Verbreitungsgebiets des Trauerschnäppers. Eine Gefährdung dieses Langstreckenziehers besteht darin, dass Aufgrund der Klimaerwärmung die Brutzeit trotz Anpassung (zum Beispiel zeitigere Rückkehr, früherer Brutbeginn) nicht mehr optimal auf den Zeitpunkt der höchsten Nahrungsverfügbarkeit abgestimmt ist.

Zudem sind die geeigneten Nisthöhlen immer früher von Meisen besetzt. Die Entwicklung in Europa und den verschiedenen Höhenstufen der Schweiz decken sich mit Voraussagen aus Klimaszenarien. (Schweizer Brutvogelatlas 2013-2016.)

Der August verabschiedet sich mit starken Niederschlägen und Kälte.