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Erinnerung an die Rheinkatastrophe von 1927 - Die Natur war schon immer unberechenbar

Im Mai ist durch anhaltende Regenfälle, die auch grosse Erdmassen in Bewegung setzen können, weltweit grosser Schaden entstanden. Das weckt die Erinnerung an die als «Rheinnot» in die Geschichte eingegangene Katastrophe vom September 1927 im Raum Liechtenstein/Werdenberg.
Henning von Vogelsang
Pontoniere des Schweizer Militärs retten eine 86-jährige Frau aus ihrem tief im Wasser stehenden Haus, rechts einen kleinen Buben. Bild links unten: So sah es in Ruggell drei Tage nach dem Rheineinbruch aus. (Bilder aus: "L'Illustré")

Pontoniere des Schweizer Militärs retten eine 86-jährige Frau aus ihrem tief im Wasser stehenden Haus, rechts einen kleinen Buben. Bild links unten: So sah es in Ruggell drei Tage nach dem Rheineinbruch aus. (Bilder aus: "L'Illustré")

Der Rheindamm in seiner damaligen Höhe konnte die reissenden Fluten nicht mehr halten. Nach Eintreten der Katastrophe halfen das österreichische und das Schweizer Militär besonders umfangreich. Dramatisch war die Lage. Da ist von gellenden Hilferufen von Frauen und Kindern die Rede, von reissendem Strom, der die Rettung behinderte, von gefährlichen Baumstämmen und anderen Dingen, die der Strom mit sich riss. Die Eisenbahnbrücke konnte Schaan schliesslich der Gewalt nicht mehr standhalten und wurde zerstört. Man kämpfte um jedes Menschenleben. Die Not der Landwirte und Dorfbewohner mit dem nachher zurückbleibenden Schlamm war gross.

Arno Oehri hat 2003, 75 Jahre nach diesen Ereignissen, die 40-minütige Filmdokumentation «Ein Land in Not» erstellt, worin 14 Menschen ihre persönlichen Erlebnisse von damals nochmals Revue passieren lassen. Die Rheinnot des 19. Jahrhunderts, verursacht durch die verheerenden Überschwemmungen des Rheins und seine Laufverlagerungen, wurde aber erst ab 1892 durch die gemeinsam mit der Schweiz durchgeführte Rheinregulierung dauerhaft beseitigt. Die Geschichtsbücher verzeichnen ab 1206 bereits Überschwemmungen durch den Rhein, die Ruggeller Gemeindechronik nennt seither rund 17 solcher Ereignisse, die manchmal mehr als zwei Jahre andauerten.

Die zerstörte Eisenbahnbrücke zwischen Buchs und Schaan macht die enorme Kraft des Wassers deutlich.

Die zerstörte Eisenbahnbrücke zwischen Buchs und Schaan macht die enorme Kraft des Wassers deutlich.

In einer wieder aufgetauchten französischsprachigen Zeitschrift namens «L’Illustré» finden sich beeindruckende Fotos vom Rheineinbruch 1927.

Frage nach den Ursachen: Warum immer wieder Hochwasser?

Hochwasser sei ein natürliches Phänomen, sagt der WWF, die Aue sei ein natürlicher Retentionsraum. Sie bremse den Abfluss von Wasser und bewirke eine Dämpfung von Hochwasserwellen. Im dicht besiedelten Europa könnten Hochwasser aber besonders zerstörerisch sein – und schuld ist nicht nur das Wetter.

«1. Ursache, Auenvernichtung: Natürliche Überflutungsflächen sind ein ganz natürlicher und wichtiger Schutz vor extremem Hochwasser. Wasser wird in der Landschaft gespeichert und in trockenen Zeiten wieder an den Fluss abgegeben. Der beste Hochwasserschutz ist daher, diese Auen nicht zu bebauen. In Deutschland wurde genau das jedoch über Jahrzehnte gemacht. Rund 80 Prozent der natürlichen Überflutungsflächen gingen verloren.»

Rheingeschwindigkeit durch Begradigung heute verdoppelt

«2. Ursache, Flussbegradigung: Durch Deiche und Dämme hat der Mensch viele Überschwemmungsgebiete vom Fluss getrennt. Flüsse wurden durch Begradigungen und Staustufen schneller gemacht. Rhein und Donau sind heute weitgehend zu beschiffbaren Wasserbahnen betoniert. Selbst die sonst noch vielerorts naturnah fliessende Elbe ist in ihrem Oberlauf auf tschechischer Seite mit 22 Stauwehren und Talsperren verbaut. Deshalb rast heute das Wasser in den meisten bebauten Flüssen mit viel höherer Geschwindigkeit Richtung Meer. Im Rhein etwa rauscht heute eine Hochwasserwelle in 30 Stunden von Basel nach Karlsruhe – 1955 brauchte sie dazu noch 65 Stunden.

So sah das Gleisbett bei Schaan nach dem Hochwasser aus. Bild rechts: Feuerwehrleute holen eingeschlossene Menschen aus den Häusern.

So sah das Gleisbett bei Schaan nach dem Hochwasser aus. Bild rechts: Feuerwehrleute holen eingeschlossene Menschen aus den Häusern.

3. Ursache, Versiegelung der Landschaft: «Wir versiegeln in atemberaubendem Tempo immer mehr Land. Jeden Tag verschwinden in Deutschland 100 Hektar freie Landschaft unter Asphalt oder Beton – jede Stunde eine Fläche von fünf Fussballfeldern. Dadurch beschleunigen wir das Abflusswasser. Wo Regenwasser nicht mehr im Boden versickern kann, fliesst es rasch in die Kanalisation. So gelangt der Regen viel schneller in die Flüsse als im Normalfall über das Grundwasser.

Auch die Zeitschrift «L’Illustré» berichtete über die Katastrophe.

Auch die Zeitschrift «L’Illustré» berichtete über die Katastrophe.

4. Ursache, mehr Niederschläge: Es regnet deutlich mehr und heftiger in Mitteleuropa. Ungewöhnlich starke Niederschläge kommen heute doppelt so häufig vor wie vor 100 Jahren. Auch hieran ist der Mensch wahrscheinlich nicht unschuldig: Klimaexperten diskutieren dies bereits als Folge der vom Menschen beschleunigten Erderwärmung.»

Der Appell des WWF in dieser Situation lautet: «Jeder kann etwas zur Reduzierung von Hochwasser beitragen, indem man zum Beispiel auf die Versiegelung privater Flächen in Hof und Garten verzichtet und Regenwasser natürlich im Boden versickern lässt.»

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