Natur
Raubvögel helfen im Kampf gegen die Mäuseplage

Der Verein Pro Riet Rheintal unterhält ein Förderungsprojekt für Schleiereulen und Turmfalken.

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Ausgewachsene Turmfalken erbeuten rund 1000 Mäuse pro Jahr.

Ausgewachsene Turmfalken erbeuten rund 1000 Mäuse pro Jahr.

Bild Dominic Frei

(pd) In den vergangenen Wochen gab es vermehrt Berichte über Mäuseplagen in verschiedenen Regionen der Ostschweiz (zum Beispiel W&O vom 22. Februar). Besonders Wühlmäuse können in landwirtschaftlichen Kulturen grosse Schäden anrichten. Die Wühlmäuse sind in der Lage, sich bei guten Lebensbedingungen sehr schnell zu vermehren, und eine Bekämpfung ist dann vielfach – wenn überhaupt – nur noch mit erheblichem Aufwand möglich. Dies schreibt der Verein Pro Riet Rheintal in seiner Medienmitteilung.

Natürlicherweise haben Wühlmäuse verschiedene Fressfeinde, zu denen beispielsweise Schleiereulen und Turmfalken gehören. In aufgeräumten Kulturlandschaften fehlen diesen Beutegreifern jedoch vielfach Strukturen wie Ansitze oder passende Brutplätze, und so können sich die Wühlmäuse mehr oder weniger ungehindert ausbreiten.

Artenförderungsprojekt Schleiereule und Turmfalke

Der Verein Pro Riet Rheintal hat vor 15 Jahren ein Förderungsprojekt für Schleiereulen und Turmfalken im St. Galler Rheintal ins Leben gerufen. In dieser Zeit konnten für die beiden potenziell gefährdeten Arten – im mittlerweile von Altenrhein bis Sargans umfassenden Projektgebiet – diverse ökologische Aufwertungen realisiert und rund 400 Nisthilfen installiert oder ins Projekt integriert werden. Viele der Nisthilfen wurden angenommen, und vor allem der Turmfalkenbestand konnte sich seit 2007 stark erholen, wie der Verein Pro Riet Rheintal weiter schreibt.

Aktuell sind die Turmfalken mit der Balz beschäftigt, und schon bald können auf der Website von Pro Riet, www.pro-riet.ch, die ersten Bruten dieses Jahres live mitverfolgt werden. Das Artenförderungsprojekt für Schleiereulen und Turmfalken wird von der Schweizerischen Vogelwarte Sempach und vom Amt für Natur, Jagd und Fischerei (ANJF) des Kantons St. Gallen finanziell unterstützt.

Grosser Einfluss auf Mäusepopulationen

Den Hauptanteil der Nahrung von Schleiereulen und Turmfalken machen Mäuse aus, und dementsprechend gross ist ihr Einfluss auf deren Populationen. Per 2020 wurden im Projektgebiet rund 120 Brutpaare von Turmfalken und Schleiereulen festgestellt, wovon Letztere nur einen Bruchteil ausmachten. Bei einem Nahrungsbedarf von zwei bis drei Wühlmäusen am Tag erbeuten diese rund 240000 Wühlmäuse pro Jahr, wie der Verein Pro Riet Rheintal weiter schreibt.

Nicht einberechnet sind hier die Mäuse zur Jungenaufzucht und alle weiteren Turmfalken und Schleiereulen, die nicht über das Projekt erfasst wurden. Dies veranschaulicht nur den Einfluss dieser zwei Arten auf die Mäusepopulationen, und demzufolge fällt die Anzahl erbeuteter Mäuse aller natürlichen Gegenspieler um einiges höher aus.


Mit wertvollen ökologischen Aufwertungen im Landwirtschaftsland, wie beispielsweise der Anlage von extensiv bewirtschafteten Flächen, Hecken, Gebüschgruppen, Stein-/Asthaufen und Sitzwarten sowie Nisthilfen, werden Strukturen für eine nachhaltige Besiedelung von vielen natürlichen Gegenspielern geschaffen.


So können in Zukunft Schleiereulen, Turmfalken, Hermeline, Füchse und weitere Tiere einen grossen Beitrag zur Mäusejagd leisten, und es profitieren alle davon, schreibt der Verein Pro Riet Rheintal abschliessend.