Nahrungsmangel und leere Einschlupf-Möglichkeiten: Manche Vogelarten sind im Werdenberg deutlich seltener zu beobachten

Schwalbenarten und Mauersegler haben es nicht einfach, wie die Naturbeobachtungen vom Mai zeigen. Die Bedingungen für manche Vögel haben sich verschlechtert.

Heidi Aemisegger
und Edith Altenburger
Drucken
Teilen
Die Nachtigall mit ihrer wunderbaren Stimme versteckt sich meistens im dichten Gebüsch.

Die Nachtigall mit ihrer wunderbaren Stimme versteckt sich meistens im dichten Gebüsch.

Bild: Fredy Buchmann

Obwohl jeder weiss, was eine Nachtigall ist, haben die wenigsten diesen Vogel auch wirklich gesehen; das liegt daran, dass die Nachtigall meist gut versteckt im dichten Gebüsch von Laubwäldern, Parks und Bachufern singt.

Nicht selten werden die wohlklingenden Gesangsstrophen der Nachtigall mit den ähnlichen flötenden Tonreihen der Mönchsgrasmücke verwechselt. Unermüdlich singt sie momentan am Böschengiessen.

In höheren Lagen findet der Kuckuck Futter und Nester

Wann haben Sie zum letzten Mal den Kuckuck gehört? Es könnte eine Weile zurückliegen. Wandern Sie im Auenwald dem Rhein entlang, haben Sie eine Chance. Wer sich in die Höhe begibt, wird den Ruf wahrscheinlich hören.

Zwischen 1000 und 2000 Metern ist seine Welt noch einigermassen in Ordnung. Dort findet er genügend Nahrung, sein Lieblingsfressen sind Schmetterlingsraupen. Diese brauchen ihre bestimmte Futterpflanze, welche oft nur noch in höheren Lagen wächst. Dort leben auch einige Singvogelarten, in deren Nest Frau Kuckuck jeweils ein Ei legt. Man nennt sie Wirtsvögel. Diese und genügend Nahrung kann der Kuckuck auch in Auenwäldern finden. Viel Glück.

Manche Einschlupf-Möglichkeiten bleiben leer

Seit Anfang Mai sausen die Mauersegler, wie jedes Jahr, vor den Nistkästen am Sekundarschulhaus vorbei. Der grösste Teil der Nistkästen ist besetzt. Je nach Wetterlage jagen sie am Vormittag, manchmal in der Abenddämmerung über und um das Gebäude herum nach Insekten. Mit Glück und Ausdauer sieht man einen oder hie und da zwei nacheinander in den Kasten schlüpfen. Es sind etwa 20 Paare.

Andere Gebäude mit Einschlupf-Möglichkeiten im Dachbereich, die lange Bruten beherbergten, stehen leer. Weniger Mauersegler oder unbenutzbare Nistplätze, beides ist möglich.

Deutlich weniger Mehl- und Rauchschwalben

Mehl- und Rauchschwalben werden deutlich weniger beobachtet. Nur einmal, bei einem Kälteeinbruch Mitte Mai, flogen viele Schwalben über den Wasserflächen vom Kiessämmler Buchserbach und dem Rhein. Bei den Rauchschwalben (Oberseite schwarz, lange Schwanzfedern) gibt es weniger Einflug in offene Ställe. Sie bauen dort auf Balken ein einfaches Nest aus Lehmkügelchen und Halmen.

Die Mehlschwalben (kurzer Schwanz, weisser Fleck am Rücken) bauen ihre Nester an Hausfassaden. Dies macht sie wegen Verschmutzung der Wände und Simsen unbeliebt. Kotbretter darunter würden helfen, sind aber manchmal nicht realisierbar. Es gibt jedoch in der Region an mehreren Gebäuden gelungene Hilfe, oder eben nicht.

Lehm vertrocknet, wenn er weit transportiert wird

Da fliegt und flattert ein Mehlschwalbenschwarm in einem Quartier, in welchen sie früher nisteten. Zu viert versuchen sie, ein halbzerfallenes Nest zu flicken. Nasser Lehm findet sich am ehesten auf einer Baustelle. Ist diese zu weit weg, ist das Lehmklümpchen im Schnabel angetrocknet und hält nicht genügend.

Ein Kunstnest ist von den Spatzen gefüllt worden, also unbrauchbar für die Schwalben. Einige Vögel begutachten das Nest. Fast sieht man ihnen die Enttäuschung an. Der Rückgang könnte mit Nahrungsmangel zusammenhängen. Junge Schwalben aufzuziehen und die Eltern am Leben zu halten braucht sehr viel Insekten. Insekten leben auf naturnahen Flächen, mit weniger Düngestoffen aus der Luft.

Mehr zum Thema

Naturbeobachtungen im März: Vorhang auf für die Vögel draussen

Vögel bewohnen nicht nur Wälder, Felder, Wiesen und Berge. Viele Arten können auch mitten in Dörfern und Städten beobachtet werden. Deshalb ist nun auch ind er W&O-Region die beste Zeit, um die Vögel vom Fenster aus zu beobachten.
Heide Aemisegger und Edith Altenburger