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Nachgefragt bei Marion Leal, Leiterin der Krebshilfe Werdenberg: «Menschlichkeit und Würde»

Die Krebshilfe und der Zweckverband Pflegeheim Werdenberg arbeiten intensiv zusammen. Marion Leal, Leiterin Krebshilfe, ist sehr froh über das Angebot, würde sich aber wünschen, dass auch in Liechtenstein drei bis vier Betten zur Verfügung stehen, um sterbenden Menschen die Möglichkeit einer professionellen Betreuung in ihrer letzten Phase zu ermöglichen.
Desirée Vogt
Marion Leal ist die Leiterin der Krebshilfe. (Bild: Daniel Schwendener)

Marion Leal ist die Leiterin der Krebshilfe. (Bild: Daniel Schwendener)

Gibt es eine Versorgungslücke in der spezialisierten Palliative Care in Liechtenstein?

Marion Leal: Ich erzähle Ihnen eine kurze Geschichte, die mich zu einer eindeutigen Antwort führt. Ich hatte ein einschneidendes Erlebnis mit einer todkranken jungen Frau. Sie wurde in den verschiedensten Institutionen «herumgereicht» und hatte am Ende das Gefühl, dass sie sich mit dem Sterben beeilen muss, weil sie «zu teuer» für das System wurde. Sie hat keine Ruhe gefunden. Also ja, es gibt offenbar eine Versorgungslücke. Und es ist leider kein Einzelfall in meiner täglichen Berufspraxis.

Reichen die Angebote der Alters- und Pflegeheime, der Familienhilfen oder der Spitex nicht aus?

Natürlich haben wir unsere Alters- und Pflegeheime sowie das Liechtensteiner Landesspital, in denen auch eine gute, fachliche palliative Pflege ermöglicht wird. Doch gerade jüngere Menschen, die unheilbar krank sind, möchten nicht in einem Altersheim sterben. Trotz der Spitex kann auch zu Hause nicht immer eine fachlich professionelle Rundumbetreuung ermöglicht werden. Und Angehörige können an ihre Grenzen gelangen. Und dann gibt es noch die zertifizierten Palliativstationen der Spitäler, die über einen geplanten Austritt respektive über eine eventuell notwendige Verlegung Abklärungen tätigen. In spezifischen Fällen kann eine länger dauernde akute Hospitalisierung nur garantiert werden, solange die medizinische Indikation den Bedürfnissen des Patienten entspricht. Ist diese Voraussetzung nicht oder nicht mehr erfüllt, sind die Tarife und der Leistungsumfang jenes Leistungserbringers anzuwenden, welcher nach medizinischer Indikation den Bedürfnissen des Patienten entspricht. Hier ist ein Hospiz als eine vom Spital oder Altersheim unabhängige Pflegeeinrichtung die letzte Möglichkeit, um den Menschen das Sterben in Würde und «mit Zeit haben dürfen» zu ermöglichen. Leider wird der Sinn und Nutzen eines solchen Angebots in Liechtenstein nicht gesehen. Zum Beispiel haben die Hospize in St. Gallen und Werdenberg einen enormen Zulauf. Wir müssen das Rad nicht neu erfinden, nur vermehrt die bereits vorhandenen Infrastrukturen nutzen, anpassen und noch engere Netzwerkarbeit unter den Institutionen schaffen.

Wie kann die Krebshilfe todkranke Menschen auf ihrem letzten Lebensabschnitt begleiten?

Wir bieten Entlastung in akuten Situationen, begleiten, vernetzen und schaffen dem Patienten einen ungestörten Raum für die notwendige Zeit, Würde und Entlastung in seinen verschiedenen Lebensbereichen. Ich versuche dabei Halt zu geben, ohne schönzureden oder zu bewerten. Dabei werden auch Angehörige und das enge soziale Umfeld einbezogen.

Sie erhalten vom Staat jährlich einen Beitrag von 80 000 Franken. Reicht dieser Beitrag aus, um alle «Aufgaben» zu erfüllen?

Nein. Ohne Spenden könnten wir nicht existieren.

Wie wertvoll ist das Hospiz in Grabs für Sie?

Es ist ein Ort der Würde, der Zeit, des Daseins und Menschseins. Ein Ort des Lebens, bis zum Schluss. Ein Ort der Tiefe, an dem so viel geschehen darf, aber nicht muss. Und es ist – nicht zuletzt auch für Angehörige – ein Ort des Ankommens.

«Finanzen dürfen nicht entscheidend sein»

Bei der Finanzierung der Aufenthalte von Patienten aus dem Fürstentum Liechtenstein steht das Hospiz oft vor grossen Problemen. Gesamtleiter Mathias Engler betont, dass dies viele Patienten davon abhält, die Hilfe des Hospizes in Anspruch zu nehmen. Der Vollkostensatz für einen Hospiztag beträgt rund 670 Franken. 81 Franken/Tag sind über die Krankenkasse gedeckt, 119 Franken/Tag finanziert das Hospiz über Spenden. Für den Rest in Höhe von 520 Franken sind Kostenträger gesucht. Für AHV- und IV-Bezüger greift die Systematik der Ergänzungsleistungen. Vor allem für jüngere Nutzer in bescheidenen Verhältnissen entsteht aber eine unfinanzierbare Deckungslücke. Auch wenn der Spendenfonds des Zweckverbandes Pflegeheim Werdenberg unterstützend eingreift, bleibt eine ungedeckte Differenz. Engler wünscht sich, dass für diese Problematik eine Lösung gefunden wird, denn «die Finanzen dürfen nicht entscheidend sein». Dem Gesundheitsministerium in Liechtenstein ist diese Problematik bekannt. «Das Thema wurde schon an uns herangetragen und wir sind dabei zu klären, was diesbezüglich im Inland angeboten wird beziehungsweise in Zukunft angeboten werden kann», so Regierungsrat Mauro Pedrazzini. Diese Leistung sei anzusiedeln zwischen einer Spitalleistung und einer Leistung eines Pflegeheims. «Während bei Spitalaufenthalten die Leistungen über die Krankenkasse bei allen Vertragsspitälern gedeckt sind, sind die Leistungen eines Pflegeheims immer mit einer Kostenbeteiligung des Bewohners verbunden. Staatliche Subventionen gibt es aber für Pflegeheime grundsätzlich nur im Inland.» Die Problematik könnte also nur durch eine Änderung des Gesetzes behoben werden. (dv)

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