Velofahren ist hoch im Kurs:
Nachfrage nach E-Bikes ist der W&O-Region grösser als das Angebot

Wer jetzt in unserer Region ein E-Bike kaufen möchte, hat unter Umständen keine grosse Auswahl mehr. Veloverkäufer erleben seit einigen Monaten eine strenge Zeit. Auch Miete und Service sind gefragt wie nie.

Corinne Hanselmann
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Velofahren liegt voll im Trend.

Velofahren liegt voll im Trend.

Bild: Heini Schwendener

Seit einigen Monaten erinnern manche Velowege in der Region, besonders bei gutem Wetter, an stark befahrene Autobahnen. Kinder, Erwachsene, Senioren, Paare und ganze Familien – alles fährt Velo, ob mit Elektromotor oder ohne.

Selbst auf unwegsamen Wegen im Berggebiet sind heutzutage nicht mehr nur die sportlichen Mountainbiker ohne Motor unterwegs, durch E-Mountainbikes sind auch solche Regionen mittlerweile einer weit grösseren Bevölkerungsgruppe zugänglich.

Manche Rahmengrössen und Farben sind ausverkauft

Seit dem Ausbruch der Coronapandemie spürt die Schweiz einen Velo­Boom. Die sonst schon hohe Nachfrage nach E-Bikes wurde dadurch noch verstärkt. Die Velohändler in der Region haben in den vergangenen Monaten zahlreiche Zweiräder an den Mann und die Frau gebracht – längst sind nicht mehr alle Rahmengrössen und Farben erhältlich, wie die Nachfrage bei Fachgeschäften in der Region zeigte. Durch die starke Nachfrage können die Velogeschäfte in der Region ihren Kunden aktuell nicht mehr die volle Auswahl bieten. Rund zwei Drittel der in letzter Zeit verkauften Velos sind E-Bikes.

Ramon Wehrli, Inhaber der Beat-Sport AG mit Filialen in Buchs, Wildhaus und Widnau, gibt zu:

«Wir sind etwas überrascht worden. Mit einem so grossen Ansturm haben wir nicht gerechnet. Mittlerweile sind in der Schweiz fast alle Lieferanten von E-Bikes ausverkauft.»

Lagervelos seien in seinen Geschäften noch vorhanden, jedoch oft nicht in den gewünschten Grössen und Farben.

Ramon Wehrli, Inhaber der Beat-Sport AG, wurde vom Ansturm auf E-Bikes etwas überrascht.

Ramon Wehrli, Inhaber der Beat-Sport AG, wurde vom Ansturm auf E-Bikes etwas überrascht.

PD

Als während des Lockdowns die Läden von Beat-Sport geschlossen bleiben mussten, habe man die Zeit genutzt, um über Onlinekanäle wie die Auktionsplattform Ricardo letztjährige Velomodelle zu verkaufen. Nach der Wiedereröffnung kamen dann aber auch zahlreiche Kunden in die Filialen.

Produktion geriet wegen Corona ins Stocken

Ähnlich klingt es auch bei Daniel Sprecher, dem Inhaber der Sport Sprecher AG. Mit dem Bike-Huus an der Grünaustrasse 22 in Buchs hat er erst im vergangenen Oktober eine auf Velos spezialisierte Filiale eröffnet. «Das Angebot ist limitiert, aber bis jetzt haben wir noch für jeden Kunden ein Velo gefunden», sagt Daniel Sprecher.

Wenn jemand ganz spezielle Vorstellungen habe, müsse er längere Lieferfristen in Kauf nehmen. Wer etwas offener ist, habe hingegen Chancen, noch ein Velo zu finden.

«Da wegen der Coronapandemie manche Zulieferer nicht liefern konnten, ist die ganze Produktion ins Stocken geraten.»

Riesenansturm auch für Reparaturen und Service

Neben dem gut laufenden Verkauf haben auch die Mechaniker im Hintergrund alle Hände voll zu tun, um die Zweiräder der teils ungeduldigen Kunden wieder fahrtüchtig zu machen. «Wir spürten deutlich, dass viele Leute die öffentlichen Verkehrsmittel mieden, und hatten im Servicebereich einen Riesenansturm», so Daniel Sprecher. Manche Kunden hätten ihre 30-jährigen Velos hervorgeholt und in den Service gebracht.

«Die vergangenen Monate waren die strengste Zeit, die ich erlebt habe.»

Auch die Beat-Sport AG bietet in Buchs und Widnau Servicearbeiten für Velos aller Marken an. «Wir stellten dort einen grossen Anstieg fest, weil viele ihr Velo wieder einmal aus der Garage holten», so Ramon Wehrli. Obwohl mehrere Angestellte diese Arbeiten ausführen, mussten die Kunden zeitweise rund einen Monat warten.

E-Bikes zu mieten, liegt im Trend

Auch Velos zum Mieten sind gefragter denn je. «Wir haben mehr Anfragen, als wir Velos zu vermieten haben», sagt der Inhaber der Beat-Sport AG dazu. Besonders E-Bikes und hochwertige Mountainbikes seien gefragt.

«Da man für ein eigenes doch recht viel Geld in die Finger nimmt, möchten es viele zuerst ausprobieren.»

Dafür sei die Miete ideal.

Viele Schweizer machen derzeit Ferien im eigenen Land, planen beispielsweise eine Schweizertour und wollen Velos mitnehmen. Meistens werden die Zweiräder für ein Wochenende oder eine ganze Woche gemietet.

Auch das Bike-Huus hat viele Anfragen für Miet-Bikes erhalten, bietet derzeit aber noch keine an. «Wir haben eine Flotte von E-Bikes zum Testen eingekauft, doch diese wurden nach und nach verkauft», so Daniel Sprecher.

Verkäufer rechnen damit, dass der Boom anhält

So schnell wird es bei den Zweiradverkäufern wohl auch noch nicht ruhiger. «Der E-Bike-Boom hält schon einige Zeit an, wurde durch das Coronavirus aber noch verstärkt», sagt Daniel Sprecher. Ramon Wehrli von Beat-Sport geht davon aus, «dass es auch nächstes Jahr einen ähnlichen Hype um die E-Bikes gibt und viele Kunden, die jetzt keines kaufen konnten, nächstes Jahr eines wollen.»