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Nach Sturm und Trockensommer freute sich der Borkenkäfer

Wegen des extrem trockenen Sommers 2018 und als Folge der teils grossen Schäden nach dem Sturm «Burglind» von Anfang des letzten Jahres hat sich der Borkenkäfer auch in der W&O-Region stark verbreitet. Die Waldbewirtschafter verzichten weitgehend auf die winterlichen Holzschläge, weil die Holzlager voll sind.
Thomas Schwizer
Im Gamser Wald, der vom Sturm «Burglind» besonders stark betroffen war, wurde besonders viel «Käferholz» verzeichnet.. (Bild: Corinne Hanselmann)

Im Gamser Wald, der vom Sturm «Burglind» besonders stark betroffen war, wurde besonders viel «Käferholz» verzeichnet.. (Bild: Corinne Hanselmann)

«Die Bekämpfung des Borkenkäfers konsequent weiterführen»: So lautet die Empfehlung von Holzmarkt Ostschweiz in deren Holzmarktbericht von Ende November 2018. Die Schäden im Wald seien aufgrund der monatelangen Trockenheit im Sommerhalbjahr und des Borkenkäferbefalls enorm. «Immer wieder verlieren zahlreiche Fichten die Rinde und werden dürr.» Holzmarkt Ostschweiz stellt im Bericht die Situation im Klartext dar und schlägt Alarm: «Der Borkenkäfer ist kaum aufzuhalten.»

Gamser Wald ist besonders betroffen

Aussergewöhnlich stark betroffen vom Borkenkäfer-Befall ist der Gamser Wald. Hier verzeichnete Revierförster Martin Lieberherr im Jahr 2018 insgesamt 1500 m3 «Käferholz». Es wurde als Nutzholz und Energieholz verwertet. Allein diese Menge entspricht gut der Hälfte der durchschnittlichen jährlichen Holzernte in Gams.

Die massive Verbreitung des Schädlings im Gamser Wald ist, wie in der ganzen Ostschweiz, eine Folge der durch die massive Trockenheit geschwächten Nadelbäume. Die Verbreitung des Borkenkäfers wurde aber in Gams zusätzlich gefördert durch die Folgen des Orkans «Burglind». Dieser hat am 2. und 3.Januar 2018 hier besonders stark gewütet und 6600 m3 Sturmholz verursacht. Das entspricht mehr als der doppelten Jahresmenge.

Folgeschäden durch den Borkenkäfer

Sturmholz ist ein gefundenes Fressen für diesen Schädling, der bevorzugt heimische Fichten befällt. Dieser Nadelbaum macht im Gamser Wald circa 70 Prozent, beim Sturmholz gar rund 80 Prozent aus. Deshalb hatte für Revierförster Martin Lieberherr zeitlich absolute Priorität, dass die grosse Menge an Sturmholz raschmöglichst gerückt, entrindet und abgeführt werden konnte. Die Zeit drängte, denn wegen der sommerlichen Witterung im Frühling erfolgte der Käferflug aussergewöhnlich früh.

Auch Wälder in Wildhaus und Grabs waren vom Januarsturm betroffen. In Grabs verzeichnete man 2018 Sturmholz im Ausmass von rund 2500 m3, was etwa einer halben Jahresernte entspricht, dazu noch 200 bis 300 m3 Käferholz. Andreas Eggenberger ist Revierförster und Betriebsleiter der Forstgemeinschaft Grabus (Grabs, Buchs und Sevelen). Er stellt fest, dass die nördliche Ausrichtung der vom Sturm betroffenen Waldgebiete die Auswirkungen der Trockenheit für die Fichten etwas milderte.

Neue Sturmschäden an geschwächten Bäumen

In Gams dagegen sind die betroffenen Waldgebiete vorwiegend südlich und südöstlich ausgerichtet und waren dadurch im Trockensommer exponierter. Martin Lieberherr erklärt: «Viele Bäume standen vor dem Sturm mitten im Wald und haben deshalb weniger Äste. Sie stehen jetzt einzeln oder sind randständig, weil ‹Burglind› viele Bäume geworfen hat.» Da sie nicht mehr geschützt seien, habe ihnen die extreme Trockenheit stark zugesetzt, und sie wurden anfälliger für «Käferbefall», sagt der Revierförster.

Eine weitere Spätfolge der geschwächten Nadelbäume war, dass im November und Dezember weitere Stürme neue Schäden im Gamser Wald brachten. Gemäss Lieberherr wurden danach etwa weitere 500 m3 Sturmholz verzeichnet. Nach dem Winter wird dessen Aufrüsten erneut Priorität eingeräumt. Denn es muss weg, bevor im Spätfrühling die nächste Käfergeneration ausfliegt.

«Die Überwachung und Bekämpfung des Borkenkäfers geht also ungebrochen weiter», betont der Revierförster. Er bestätigt damit die Aussage von Holzmarkt Ostschweiz: «Die Konzentration bei Forstschutzmassnahmen muss auf die Bekämpfung dieses Schädlings gelegt werden.»

Vorerst wird auf Holzschlag verzichtet

Der Holzmarkt ist vor allem beim Nadelholz gesättigt. Das ist eine Folge der europaweit grossen Sturmholzmengen, die 2018 angefallen sind. Auch in Gams und im Gebiet der Forstgemeinschaft Grabus (Grabs, Buchs, Sevelen) wird deshalb derzeit auf die üblichen Winterholzschläge weitgehend verzichtet.

«So eine Situation habe ich in meinen rund 30 Berufsjahren noch nie erlebt», sagt Grabus-Betriebsleiter Andreas Eggenberger. Damit spricht er an, dass Holzschläge vorerst nicht oder nur in sehr eingeschränktem Mass durchgeführt werden können – zumindest beim Nadelholz. Üblicherweise werden diese schwergewichtig im Winterhalbjahr für die Waldbewirtschaftung und -verjüngung durchgeführt.

Nach wie vor sind die Kapazitäten der Sägereien voll. Das bestätigt die Sägerei Lippuner in Gams, die ein Hauptabnehmer der Waldbewirtschafter in der Umgebung ist. Sie nimmt üblicherweise viel Nutzholz aus den Grabser und Gamser Wäldern zur Weiterverarbeitung entgegen. Statt im Wald verrichten die Forstmitarbeiter im Winter vorerst also prioritär Arbeiten im Talgebiet.

Der Forst setzt auf eine natürliche Verjüngung

Im Jahr 1990 hat der Sturm Vivian grosse Waldschäden in der Schweiz angerichtet, vor allem auch in der Region Werdenberg und Obertoggenburg. Danach haben die Waldbewirtschafter in der Schweiz in grossem Umfang Neuanpflanzungen vorgenommen, erinnert sich der Betriebsleiter der Forstgemeinschaft Grabus, Andreas Eggenberger. Seither habe aber ein Umdenken stattgefunden. Heute setze man in der Waldbewirtschaftung weitgehend auf die Naturverjüngung, also auf das natürliche Nachwachsen der Bäume im Wald, stellt er fest. Daneben würden punktuell vor allem standorttypische Bäume wie Ahorn und Weisstanne gepflanzt. Weisstannen müsse man einzeln mit einem Drahtgeflecht vor Wildverbiss schützen, denn sie sind für das Rotwild eine Delikatesse, erklärt Eggenberger. Im Gamser Wald sind nach dem Orkan «Burglind» vor Jahresfrist grosse Kahlflächen zu beklagen (siehe Titelseite). Auch hier setzt man primär auf die Naturverjüngung, stellt Revierförster Martin Lieberherr fest. Auf grossen Flächen werden aber punktuell auch heimische Jungbäume gepflanzt. Denn hier würden rasch wachsende Brombeeren die Naturverjüngung stark behindern. Ziel ist es auch, eine altersmässig gemischte Bestockung zu haben. Dies kann mit punktuellen Neuanpflanzungen als Ergänzung zur Naturverjüngung ge- fördert werden, erläutern die beiden Förster. Wenn Schutzwald von Sturmschäden betroffen ist, wird im Einzelfall geprüft, ob Neupflanzungen vorzunehmen sind. Hier ist es gemäss Andreas Eggenberger wichtig, möglichst schnell wieder eine geschlossene Bestockung und damit eine gute Schutzwirkung zu erreichen.

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