Nach dem Rummel legt Weltmeisterin Julie Zogg den Fokus auf die Piste

Am Wochenende beginnt im russischen Bannoye die Saison im Alpin Snowboard. Die in Weite aufgewachsene Julie Zogg hat sich in den letzten Wochen intensiv darauf vorbereitet.

Armando Bianco
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Auf derm Weg zum Erfolg: Snowboarderin Julie Zogg startet am Wochenende in die neue Weltcup-Saison. (Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone)

Auf derm Weg zum Erfolg: Snowboarderin Julie Zogg startet am Wochenende in die neue Weltcup-Saison. (Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone)

Am 5. Februar dieses Jahres, und somit genau zehn Jahre nach ihrer ersten WM-Goldmedaille im Parallelslalom bei den Juniorinnen, erreicht Snowboarderin Julie Zogg als Erwachsene Edelmetall in derselben Disziplin in Park City (USA). Das Rampenlicht war noch viel heller auf sie gerichtet als sonst schon.

Die in Weite aufgewachsene und für den Skiclub Flumserberg fahrende 27-Jährige hat Monate des Rummels hinter sich, von dem sie sich aber nie genervt gefühlt hat. Sie nimmt die Publizität und das öffentliche Interesse als schöne Begleiterscheinung ihres sportlichen Erfolgs, wie sie im Gespräch betont. «Ich bin von meinem Typ her eigentlich recht offen für solche Dinge, das war alles sehr speziell und schön.» Gemeint sind die vielen Interviews in gedruckten und elektronischen Medien, die grosse Homestory in der «Schweizer Illustrierten» oder die Teilnahme am «Super10Kampf» der Schweizerischen Sporthilfe.

"Die Leute in Mels sind interessiert, aber immer vornehm zurückhaltend.

Häufiger auf der Strasse oder beim Einkauf erkannt wird Julie Zogg mittlerweile in Mels, wo sie seit zweieinhalb Jahren wohnt und sich wohlfühlt. «Die Leute in Mels sind interessiert, aber immer vornehm zurückhaltend.» Dass man sie in Mels kennt, hat auch damit zu tun, dass die Gemeinde ihren WM-Titel im Februar ausgiebig gefeiert hat und sie sogar den Thron des Bölläkönigs besteigen durfte, was nicht viele Melser von sich behaupten können.

«Auf Schnelligkeit und Konzentration geschaut»

Noch lieber wäre es Julie Zogg gewesen, Sponsoren statt Medien hätten ihr die Türe eingerannt. Trotz dem grossen Erfolg sei es enorm zäh, neue Sponsoren zu finden, die sie im Ausüben ihrer Sportart ideell und finanziell supporten. Umso glücklicher ist sie deshalb über die Unterstützer, welche ihr treu schon seit Jahren und auch in Zeiten von weniger Erfolg beistehen. Doch mit den Jahren hat Julie Zogg gelernt, den Fokus zur richtigen Zeit auf die relevanten Dinge zu richten.

Dieses Wochenende startet sie in Russland in die neue Saison. Die letzten zwei Wochen hat Julie Zogg in Davos trainiert, vorher hat sie sich im schwedischen Kåbdalis vorbereitet. Nicht Schneetage standen im Zentrum, «wir haben auf die Schnelligkeit und ein permanent hohes Level an Konzentration geachtet. Ich bin momentan sehr gut drauf», drückt sie ihren Formstand selbstbewusst aus. «Doch was dieses Gefühl wert ist, sehen wir dann im ersten Rennen.» Vergleiche mit anderen Weltklassefahrerinnen wie Patrizia Kummer haben ihr im Training Selbstvertrauen gegeben.

«Die meisten habe ich in Schachteln verpackt»

Ihre Ziele für die am Wochenende beginnende Saison sind recht überschaubar. «Ich möchte vom ersten bis zum letzten Rennen gut snowboarden», so die polysportiv interessierte Athletin. Natürlich wäre es eine grosse Befriedigung, wenn sie die kleine Kristallkugel im Parallel-Slalom verteidigen und somit ihre Erfolge bestätigen könnte, sagt Julie Zogg weiter. Obwohl sie ja schon einen ganzen Haufen Trophäen in Form von Pokalen, Medaillen und Erinnerungen besitzt. Nach so vielen Jahren im Alpin Snowboard sind das ziemlich viele – «die meisten habe ich in Schachteln verpackt eingelagert».

"Die Belastung für den Körper ist im Spitzensport hoch, derzeit geht es mir gut. Das wird hoffentlich auch im Jahr 2022 so sein."

Mit mittelfristigem Blick in die Zukunft nimmt Julie Zogg auch die Olympischen Winterspiele 2022 in Peking ins Visier. Dort mit einer Goldmedaille abzutreten und als 30-Jährige die Karriere zu beenden, wäre für sie das perfekte Ende einer sehr langen und erfolgreichen Karriere als Snowboarderin. Doch diesen Traum formuliert sie vorerst nur fürs Papier. «Die Belastung für den Körper ist im Spitzensport hoch, derzeit geht es mir gut. Das wird hoffentlich auch im Jahr 2022 so sein.»

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