Mutmasslicher Täter von Tötungsdelikt am Bahnhof Sargans steht vor Gericht: Ging es um Geld, die Liebe oder gar die Mafia?

Ende April 2017 hat ein Tötungsdelikt beim Bahnhof Sargans die Region erschüttert. Jetzt muss sich der mutmassliche Täter vor dem Kreisgericht Werdenberg-Sarganserland verantworten. Er soll 14 Jahre in Haft.

Reinhold Meier
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Im Restaurant Aeuli hat das Todesopfer gewirtet.

Im Restaurant Aeuli hat das Todesopfer gewirtet.

Patricia Hobi

Die zunächst rätselhafte, nächtliche Bluttat geschah bei der so genannten Capannina, einem italienischen Vereinslokal beim Bahnhof Sargans und die lokale Gerüchteküche kochte alsbald hoch. Ging es um Geld, die Liebe oder gar die Mafia?

Jetzt scheint klar zu sein, dass gekränkte Gefühle das entscheidende Motiv für der Tat sein dürften. Im Blickpunkt stehen dabei zwei Paare, die jeweils überkreuz fremdflirteten. Das spätere Opfer, der 40-jährige Wirt das Capannina, Ettore K* (alle Namen geändert) und der mutmassliche Täter, der damals 28-jährige Victor N., damals als Gipser in Liechtenstein tätig und im Werdenberg wohnhaft, kannten sich nämlich nur zu gut, hatten sie doch auch Interesse an der jeweiligen Partnerin des Anderen gefunden.

Während Ettore, liiert mit Sandra P., ein Auge auf Laura L. geworfen hatte, hatte deren Partner, Victor N. eine Affäre mit Sandra P., also der Freundin seines Kollegen, so die Anklage. Victor und Laura waren öfter zu Gast in der Beiz, doch schon bald weigerte sich die Wirtin Sandra dort zu arbeiten, wenn die Nebenbuhlerin anwesend war. Dies, weil sie ein Verhältnis zwischen ihr und ihrem Lebenspartner Ettore vermutete. Der war ihr gegenüber, namentlich unter Alkohol, immer wieder ausfällig und schubste sie dann aggressiv herum. Zugleich hatte die Wirtin Sandra ihrerseits ein Auge auf Victor geworfen und er auf sie, was weiteren Zündstoff in der Vierecksbeziehung lieferte.

Kuss per Natel ausspioniert

Erstmals eskalierte die Stimmung zwischen den Beteiligten, als sich Sandra und Victor küssten. Gesehen hatten das Ettore und Laura mittels einer Mobilphone-App, die sie mit einer Kamera in der Bar verknüpft hatten. Seitdem hing der Haussegen bedenklich schief und man ging sich zunehmend aus dem Weg. Die Verhältnisse zu den eigentlichen Lebenspartnern waren seitdem jedenfalls «stark getrübt», wie es heisst.

Der Wirt Ettore trug derweil Sätze bei Facebook ein, die bereits düstere Vorahnungen spüren liessen wie «Liebe, wer dich liebt, töte, wer dich entehrt» und «Das Leben ist hart, aber es macht mir keine Angst».

Am Todestag hatte Ettore zunächst einen morgendlichen Streit mit seiner Partnerin Sandra, danach wollte er nach Italien abreisen, um sich eine Auszeit zu nehmen. Nach einer Beizentour mit Freunden entschied er sich aber doch, hier zu bleiben und landete am Abend in der Capannina. Dort traf er später Victor an, der sich derweil mit einer Sauer-Pistole Kaliber 9 bewaffnet hatte, nachdem ihm am Tag zuvor Ettore gedroht haben soll, ihn umzubringen.

Gezielt oder im Gerangel geschossen?

Der Wirt stand zu diesem Zeitpunkt unter Alkohol- sowie Kokaineinfluss und bedrohte Victor bald mit Worten, Stossen und Treten, draussen vor der Tür. Als Victor schliesslich das Weite suchen wollte, drehte er sich noch einmal um und feuerte dann aus nur einem Meter Nähe auf den Wirt, so die Anklage. In den Bauch, tödlich.

Möglich sei aber auch, dass Victor aus dem Gerangel heraus in Angst und Abwehr die Pistole auf sein Opfer gerichtet habe, heisst es. Der Wirt erlag jedenfalls noch am Tatort seinen Verletzungen, der mutmassliche Täter stellte sich alsbald der Polizei.

Die Anklage beantragt 14 Jahre Haft wegen vorsätzlicher Tötung und Vergehen gegen das Waffengesetz. Ferner stehen 15 Jahre Landesverweis zum Entscheid an. Zudem muss über fünf, in der Höhe bisher noch nicht öffentlich bezifferte, Zivilforderungen entschieden werden. Diese stammen von der Partnerin und den Söhnen des Opfers sowie von Geschwistern.

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