Werdenberger Musikschüler musizieren jetzt mit Kamera und Skype

Statt direkt nebeneinander sitzen sich Schüler und Lehrer der Musikschule Werdenberg derzeit am Bildschirm gegenüber.

Corinne Hanselmann
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Seit zwei Wochen findet in Schulen kein Präsenzunterricht mehr statt. Auch Musikstunden, die für viele Kinder und Jugendliche genau so zum Wochenprogramm gehören, haben sich auf einen Schlag verändert. Denn: «Wir halten uns an die Richtlinien, die der Kanton den Volksschulen vorschreibt», sagt Dennis Mungo, Leiter der Musikschule Werdenberg.

Schon übers Wochenende auf dieses Szenario vorbereitet

Dass nebst Gruppenunterricht auch Einzelstunden nicht mehr wie bis anhin stattfinden können, war aber nicht sofort klar. «Als der Bundesrat entschied, die Schulen zu schliessen, war für uns klar, dass Gruppenunterricht wie Ensembles, Bandunterricht und so weiter nicht durchgeführt werden kann. Die Frage, ob Einzel-Frontalunterricht noch möglich ist, war zu diesem Zeitpunkt noch nicht geklärt. Am darauffolgenden Montagmorgen bekamen wir dann den Entscheid vom Kanton, dass auch dieser nicht mehr stattfinden darf», so Mungo. Seit zwei Wochen findet der Einzelunterricht deshalb als Fernunterricht mithilfe digitaler Kommunikationsmittel wie Skype, Facetime und Whatsapp statt.

Gitarrenlehrer Dennis Mungo sitzt seinem Schüler am Bildschirm gegenüber.

Gitarrenlehrer Dennis Mungo sitzt seinem Schüler am Bildschirm gegenüber.

Bild: Corinne Hanselmann

Man habe sich schon über das Wochenende auf dieses Szenario vorbereitet, sodass am Montag gleich mit der Schulung der Musiklehrer begonnen werden konnte.

«Alle unsere Lehrer waren damit einverstanden, ab sofort per Skype zu unterrichten und stellten sich dieser Herausforderung.»

Das sagt der Schulleiter und spricht seinen Lehrern für die Flexibilität, das Engagement und die schnelle Umsetzung ein Lob aus. Somit konnten die Musiklehrer schon kurz darauf den Fernunterricht starten. Dadurch seien nur ganz wenige Stunden ausgefallen. In der ersten Woche kam es noch vereinzelt zu technischen Problemen, etwa beim Einrichten von Skype. «Jetzt läuft es aber wunderbar.»

Schüler können mit Videos ihrer Lehrer üben

Schulleiter Dennis Mungo

Schulleiter Dennis Mungo

PD

Dennis Mungo, der auch Musiklehrer ist, spielt ein Stück auf seiner Gitarre. Mit seinem Smartphone, das auf einem Stativ befestigt ist, filmt er sich dabei. «Das ist ein Übungsvideo für einen meiner Schüler. Ich schicke es ihm nachher per Whatsapp», erklärt er. Der Schüler, von dem sich Mungo Minuten zuvor am Bildschirm verabschiedet hat, übt dieses Lied dann als Hausaufgabe. «Wichtig ist, dass er auf dem Video mein Instrument sieht, damit er weiss, wo er mit seinen Fingern greifen muss», erklärt der erfahrene Gitarrenlehrer. Damit die digitalen Kommunikationskanäle mit den minderjährigen Schülern genutzt werden können, holte die Schule das Einverständnis der Eltern ein.

Konzentriertere Schüler, weniger Zusammenspiel

Der Fernunterricht über digitale Kanäle ist für einige Lehrer neu, für andere nicht. «Ich selber wurde auch schon über Skype unterrichtet und konnte somit meine Erfahrungen unseren Lehrern weitergeben», sagt Mungo. Während eines halben Jahres habe er über Skype Gitarrenstunden von seinem Lehrer in den USA erhalten, erzählt er.

Die Musikschule Werdenberg unterrichtet wöchentlich rund 1000 Schüler auf Dutzenden verschiedenen Instrumenten. Nicht für alle eignet sich der Unterricht per Bildschirm gleich gut. «Die Herausforderungen sind von Instrument zu Instrument unterschiedlich. Hier sind die Lehrer gefordert, für ihr Instrument den richtigen Weg zu finden. Aus den bisherigen Feedbacks kann ich aber sagen, dass es gut klappt. Für mich als Musiklehrer liegt der grösste Unterschied darin, dass der Schüler nicht neben mir sitzt», sagt Mungo.

«Die Kommunikation über den Bildschirm ist eine der grössten Herausforderungen.»

Er sieht aber auch Vorteile am Online-Unterricht: «Die Schüler sind konzentrierter, weil online mehr erklärt werden muss.» Mungo stellte in den vergangenen zwei Wochen beispielsweise fest, dass viele Schüler Noten und Begriffe besser lernen. «Als Nachteil sehe ich die Schwierigkeit, gleichzeitig miteinander zu spielen. Das hat mit der Verzögerungszeit von Skype zu tun. Zudem müssen die Aufgaben oder Anweisungen noch detaillierter beschrieben werden. Das ist zeitintensiv.»

Schüler und Eltern goutieren Übergangslösung

Der Schulleiter sagt:

«Ich denke, wir haben mit dieser Art des Unterrichts eine gute Übergangslösung gefunden. Wir erhielten von Eltern und Schülern sehr viele positive Rückmeldungen.»

Eine Alternative gibt es derzeit auch gar nicht, ausser den Unterricht ganz ausfallen zu lassen. Für manches Kind bedeutet es aber wohl ein Stück Normalität, dass es in dieser aussergewöhnlichen Zeit weiterhin mit seinem Instrument spielen und üben kann.

Dennis Mungos Unterrichtspause ist vorbei. Gleich wird er im Skype den Namen seines nächsten Schülers anklicken und so die nächste Stunde beginnen.