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Musik ist wichtiger als Fussball

Klar, der Franzose Bruno Huberson aus Buchs hofft, dass seine Landsleute den WM-Final gewinnen. Aber eigentlich ist ihm Fussball gar nicht wichtig, ausser eben, wenn gerade WM oder EM ist und «Les Bleus» überzeugen.
Heini Schwendener
Bruno Huberson tippt im WM-Final für Frankreich. Der Franzose lebt seit 1977 in Buchs. (Bild: Heini Schwendener)

Bruno Huberson tippt im WM-Final für Frankreich. Der Franzose lebt seit 1977 in Buchs. (Bild: Heini Schwendener)

Wenn am Sonntag zum Auftakt des WM-Finals im Stadion in Moskau die Marseillaise intoniert wird, sitzt Bruno Huberson vor dem Fernseher. Er ist zwar kein Fussballfan, aber das Finalspiel seiner Landsleute lässt er sich natürlich nicht entgehen. Mit einem schelmischen Lächeln erzählt er, dass er seiner Frau, auch sie kein Fussballfan, frühzeitig signalisiert habe: «Am Sonntag um 17 Uhr ist der Fernseher für mich reserviert.»

Noch diesen Monat wird Bruno Huberson 64 Jahre alt. Von Beruf ist er «Tarifeur» für den Bahngüterverkehr, so stehe es im Telefonbuch, meint er lachend. Bei der französischen Bahn SNCF wurde er vor einigen Jahren pensioniert. «Typisch Frankreich eben, ich war denen wohl zu alt und zu teuer». Bei den ÖBB hat er einen neuen Job gefunden, den er noch bis 67 ausüben möchte. Klein Bruno hat im Alter von fünf oder sechs Jahren seine Leidenschaft für die Bahn entdeckt und kann diese also noch heute in seinem Beruf nachleben.

Hubersons Kinder haben drei Pässe

1977 kam Bruno Huberson nach Buchs und hier lebt er seither. Schweizer hätte er ja eigentlich schon lange werden können. An seinem 50. Geburtstag haben ihm seine Kollegen sogar die entsprechenden Formulare unterbreitet. Doch der Franzose bleibt Franzose, «warum ich nicht Schweizer wurde, weiss ich eigentlich auch nicht. Auf jeden Fall habe ich als Franzose hier keine Nachteile.» In Buchs fühlt er sich mit seiner portugiesischen Frau wohl und möchte auch seinen Lebensabend hier verbringen. Seine beiden Töchter hingegen haben sich einbürgern lassen und besitzen nun sogar drei Pässe. Auch sie leben in der Schweiz.

Fussball ist weder eine Leidenschaft von Huberson, noch seine bevorzugte Sportart, das ist eher Turnen – der Franzose hat den TV Buchs während Jahren präsidiert und ist auch Kampfrichter bei Turnfesten – und Wandern.

Und dann ist da noch die Musik: Seine Sammlung umfasst Hunderte CDs, darunter auch etliche Trouvaillen. Alle Tonträger sind fein säuberlich alphabetisch und innerhalb eines Bandnamens auch noch chronologisch geordnet. Und wehe, man schiebt sie in der falschen Reihenfolge zurück ins Regal.

Ein tolle Gedächtnis

Da stellt sich unweigerlich die Frage, wie sich der «gischplige» Franzose all die Erscheinungsdaten der CDs merken kann? Offenbar ist sein Gedächtnis phänomenal. Denn eigentlich weiss er auch sehr viel über Fussball, obwohl ihn dieser Sport doch so gar nicht interessiert. So erinnert er sich beispielsweise an eine Serie, die für Frankreich im WM-Final vom Sonntag sprechen könnte: Uruguay wurde 1930 und 20 Jahre später wieder Weltmeister, Deutschland wurde 1954 Weltmeister und 20 Jahre später erneut. Und wann war Frankreich erst- bzw. letztmals Weltmeister? 1998, das sind notabene 20 Jahre her. Bruno Huberson erinnert sich aber auch an den EM-Halbfinal 1984. Damals schlugen die Franzosen Portugal. Seine Frau, die er just an jenem Wochenende geheiratet hatte, ist Portugiesin. Huberson weiss noch heute, dass Platini damals den entscheidenden Treffer für die Equipe Tricolore erzielt hatte.

Die damalige Niederlage der Portugiesen hat der jungen Ehe offenbar keinen Abbruch getan, der Franzose und die Portugiesen sind noch immer verheiratet und leben noch immer in Buchs. «Vor zwei Jahren konnte sich dann ja meine Frau freuen, als Frankreich den EM-Final in Paris gegen Portugal verloren hat», erinnert er sich an den 10. Juli 2016 zurück.

Den Final schaut Huberson auf dem welschen Sender

Bruno Huberson tippt, dass Frankreich am Sonntag 2:1 gewinnt. Das Spiel schaut er sich auf dem Schweizer Sender RTS an und nicht etwa im französischen Fernsehen: «Dort sind die Kommentatoren alle aus der Generation der Weltmeistermannschaft von 1998.» Deren Patriotismus und das ständige Geschwafel von der «Grande Nation» mag der Franzose nicht ausstehen, «die meinen nämlich immer, die Franzosen seien die Besten. Und wenn’s dann am Schluss doch nicht klappt, dann ist sicher der Schiri oder sonst wer schuld. Da mag ich die neutralen Schweizer Kommentatoren viel lieber.»

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