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Sind Mountainbiker willkommen?

Der Bike-Trend verstärkt sich mit den E-Mountainbikes und erschliesst eine noch grössere Zielgruppe für touristische Angebote. Viele Destinationen haben das bereits erkannt. Das Toggenburg aber hinkt (noch) hinterher.
Katharina Rutz
Könnte sich das Toggenburg nicht doch noch in Richtung Bike-Destination entwickeln? (Bild: Heini Schwendener)

Könnte sich das Toggenburg nicht doch noch in Richtung Bike-Destination entwickeln? (Bild: Heini Schwendener)

«Das Velofahren hat auch im Toggenburg in den letzten Jahren extrem zugenommen», sagt Denise Steiner von der Velo-Metzg in Unterwasser. Was als Nebenerwerb begann, ist heute ein florierendes Geschäft, das Roger Fuchs und Denise Steiner gemeinsam führen. Zu ihren Kunden zählen viele Ferienhaus- und Ferienwohnungsbesitzer. «Sie sind sehr aktiv ob Sommer oder Winter», sagt Denise Steiner. Im Sommer seien sie dies eben auch auf dem Velo.

Mit den E-Mountainbikes erschliesst sich nun eine neue Zielgruppe. «Diese Leute würden gerne etwas einfachere Strecken befahren», sagt sie. Doch die vielen Zäune und Drehkreuze würden nicht gerade dazu beitragen, dass sich diese Velofahrer hier willkommen fühlen. Dabei spricht die Bikerin auch aus eigener Erfahrung.

Schwarze Schafe gibt es überall

Auch gewisse Fahrverbote versteht sie als Bikerin nicht. «Für Velofahrer sind die Wege verboten, jedoch nicht für den landwirtschaftlichen Verkehr, Wanderer oder Wanderer mit Hunden bei Wildschutzzonen oder in der Schonzeit», sagt sie. «Klar, die Schweiz ist klein und hat extrem viele Interessengruppen.» Natürlich gebe es auch schwarze Schafe unter den Bikern. «Diese fetzen beispielsweise so um eine Kurve, dass der Wanderer erschrickt.» Aber schwarze Schafe gebe es eben auch bei den Wanderern, wenn diese zum Beispiel in einem gewundenen Weg ständig abkürzen würden. Als Destination für Biker hat das Toggenburg ihrer Ansicht nach im Gegensatz zum Vinschgau, Davos oder der Lenzerheide deshalb noch einiges an Nachholbedarf. In einigen Destinationen gebe es beispielsweise bei den Zäunen Übergänge, die mit dem Bike befahren werden können. Der SP-Kantonsrat Martin Sailer spricht zudem von spezialisierten Hotels mit Waschraum und abschliessbaren Einzelräumen für die teuren Fahrräder. Er sieht im Thema Biken vor allem eine Chance für das Toggenburg Wertschöpfung zu generieren.

«Ich setze mich dafür ein, dass das Toggenburg und andere Randregionen belebt werden», sagt Martin Sailer, SP-Kantonsrat aus Unterwasser. Eine Chance für die Tourismus-Region Toggenburg sieht er dabei im Mountainbiking. «Ich möchte einfach nicht länger zusehen, wie so viele meiner Bekannten über das Wochenende nach Graubünden fahren – zum Biken», sagt er. «Warum schaffen wir es nicht, einige davon auch ins Toggenburg zu holen?» Mit den Bikern meint er dabei nicht jene, die nachts mit Scheinwerfern durch den Wald fetzen. «Ich meine den Genussbiker, der auch übernachtet, im Restaurant isst und dazu eine Flasche Wein trinkt», sagt Sailer. Deshalb stellt der Kantonsrat in der Interpellation «Wanderer und Biker im Einklang» verschiedene Fragen an die Regierung. Er will vor allem wissen, ob es eine politische Chance gibt, die Wanderwege im Kanton St. Gallen für Biker zu öffnen.

Hat der Kanton St. Gallen den Anschluss verpasst?

Martin Sailer befürchtet, dass der Kanton St. Gallen bezüglich Mountainbike-Tourismus den Anschluss verpasst habe, «die Region Flumserberg ausgenommen». Dabei mache es doch der Kanton Graubünden vor. Er wirbt auf seiner Homepage damit, dass «fast jeder Weg ein Bike-Trail» sei, «vorausgesetzt natürlich ein toleranter Umgang mit Wanderern». Graubünden hat also seine Wanderwege für Biker geöffnet. Martin Sailer will deshalb von der Regierung wissen, ob diese sich eine solche «simple und erfolgreiche Lösung» ebenfalls vorstellen könne.

«Biken ist im Trend – sei es Mountainbiking, E-Mountainbiking oder Genussbiking. Viele touristische Regionen versuchen mehr oder weniger erfolgreich, diesem Trend zu folgen und versuchen dieser riesigen Touristengruppe und den Bikern allgemein ein gutes Angebot zu bieten», schreibt Sailer in seiner Interpellation. Gegenüber dem W&O sagt er: «Im Masterplan der Gemeinde Wildhaus-Alt St. Johann hat man sich verpflichtet, aus dem Toggenburg eine Bike-Destination zu machen. Ich bin darauf gespannt.»

Bereits vor sechs Jahren hat eine Arbeitsgruppe im Toggenburg dies versucht. Das gross angekündigte Projekt, das aus dem Toggenburg eine Top-Bikedestination machen wollte, konnte aber nicht weiter verfolgt werden. Geplant gewesen wären damals 40 Kilometer Bike-Trails exklusiv für die Zweiradfahrer und auf Biker spezialisierte Hotels. «Das ganze ging damals wohl den Toggenburgern zu schnell», sagt Denise Steiner von der Velometzg in Unterwasser.

Anerkennung für den Biketourismus

Mit seiner Interpellation möchte Martin Sailer deshalb vorerst herausfinden, ob es politisch möglich wäre, die Wanderwege generell für Biker zu öffnen. «Natürlich muss es auch Ausnahmen geben. Biker werden niemals am Sonntag auf dem Klangweg zugelassen sein», sagt er. «Zudem sollen Wanderer generell Vortritt geniessen auf gemeinsamen Wegen und es soll eine gegenseitige Toleranz herrschen.» Eine Belebung des Tourismus bringe schliesslich allen etwas.

Ihm geht es darum, ob der Biketourismus als solcher Anerkennung bei der Regierung findet. Der SP-Kantonsrat will nun vorerst die Antwort der Regierung abwarten. Je nachdem, wie diese ausfällt, könnte er sich als nächsten Schritt eine Motion vorstellen, die bei Annahme eine Gesetzesänderung zur Folge hätte.

Wegen Ferienabwesenheit des Geschäftsführers nimmt Toggenburg Tourismus zurzeit noch keine Stellung zum Thema.

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