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«Mord darf nicht mehr verjähren»

Der ehemalige Kantonsrichter Walter Hauser plädiert dafür, ungelöste Morde nicht auf sich beruhen zu lassen. In seinem jüngsten Buch zeichnet er so akribisch wie eindringlich schwerste Fälle aus der Ostschweiz nach.
Reinhold Meier
Walter Hauser will Aufklärung zu Gunsten der Opfer: «Moderne Beweistechniken machen das möglich». (Bild: Reinhold Meier)

Walter Hauser will Aufklärung zu Gunsten der Opfer: «Moderne Beweistechniken machen das möglich». (Bild: Reinhold Meier)

Die Begegnung mit Walter Hauser an seinem Wohnort Weesen lässt bald spüren, dass dem Mann Gerechtigkeit über alles geht. Vor allem, wenn Morde ungeklärt bleiben. Dann sagt er schon mal Sätze wie «Die Angehörigen schreien förmlich nach Auflösung, sie leiden unter der Ungewissheit». Darum hat sich der Präsident der Anna-Göldi-Stiftung denn auch über vier Jahre hinweg aufgemacht, um Beteiligte, Zeugen sowie Angehörige zu besuchen und zu befragen. «Mich interessiert, wie die Personen vor Ort mit der Last der ungeklärten Tat umgehen».

Der Kristallhöhlenmord von Kobeltwald liegt 36 Jahre zurück. «Aber die Erinnerung an das Drama ist präsent und kommt immer wieder hoch». Damals verschwinden zwei Mädchen und werden später in der Nähe der Höhle aufgefunden. Der Fundort lässt auf gute Ortskenntnis des Täters schliessen. Es gibt Verdächtige. Doch die Ermittlungen laufen ins Leere. Ein Trauma für die Angehörigen. Hauser trifft einen Polizisten, der die Strafverfolgung als Fiasko beurteilt. Aber auch einen Profiler, der überzeugt ist «Man könnte das Verbrechen heute noch aufklären». Das geht heute jedoch nicht mehr, weil der Mord seit 2012 verjährt ist. «Das Trauma im beschaulichen Kobeltwald besteht weiter», so Hauser.

Rätselhafter Zoomord von Bad Ragaz

Ähnlich empfinden Betroffene beim «Mord im Heidiland», der auch als Zoomord von Bad Ragaz bekannt wurde. Ein Kollege des Betreibers findet das Opfer tot auf. Es war in der Nacht zuvor brutal umgebracht worden. Gleichentags kommt es auf einem Hof im nahen Vilters zu einem zweiten Todesfall. «Auch nach sechs Jahren sind beide Fälle mysteriöser denn je». Spielte ein Fleischdiebstahl bei Landquart eine Rolle? Zwielichtige deutsche Kollegen des Zoo-Opfers? Tierschützer gar? Oder vielleicht jener Mann, der am Vorabend von der Überwachungskamera gefilmt wurde?

Äusserlich sei die Welt wieder in Takt, bekundet Hauser nach Interviews vor Ort. «Doch der Schein trügt». Hinter vorgehaltener Hand tuschle man weiter, Angehörige wie Betroffene litten. Auch unter dem ungeklärten Todesfall von Vilters, auf dem Hof von Ex-Nationalrat Bigger. Er hatte wegen der damals in Turbulenzen geratenen Produzenten-Milchorganisation Todesdrohungen erhalten. War der Anschlag ein Unfall oder galt er ihm? Fragen bleiben bis heute offen. «Es darf aber nicht sein, dass ein Todesfall einfach ad acta gelegt wird», sagt eine Freundin des Zoo-Opfers.

«Gewissheit für die Opfer»

Das sehen auch die Betroffenen im Fall Ylenia so, der 2007 die Ostschweiz schockierte. Eine Fünfjährige verschwindet und wird später tot aufgefunden. Auch der mutmassliche Täter wird tot aufgefunden, er hatte sich selbst gerichtet. «Doch dunkle Hintergründe blieben ungeklärt», kritisiert Hauser. Etwa, ob es Verbindungen zu einer Verbrechensserie in den Achtzigern gab. Damals wurden binnen zehn Jahren in acht Kantonen elf Kindern entführt. Sie wurden tot aufgefunden oder blieben spurlos verschwunden. Im Umkreis von 30 Kilometern vom Fall Ylenia waren es allein vier Fälle.

Hausers Buch ist ein flammendes Plädoyer gegen die Verjährung von Mord und vorsätzlicher Tötung. Täter dürften sich nicht nach 30 Jahren sicher fühlen. Und Angehörige bräuchten Klärung. Mit heutigen kriminaltechnischen Mitteln könnten auch «kalte Fälle» aufgeklärt werden.

Die Verjährungsregel schütze bisher die Täter und nicht die Angehörigen. Sie sei willkürlich und werde dem Bedürfnis nach Aufklärung nicht gerecht. Ein Wiederaufleben der «Rachejustiz» durch die, mit der Zeit angeblich unsicher werdende Beweislage sei nicht zu befürchten. Beweise würden dank neuer Methoden immer zuverlässiger. «Es geht weniger um die Bestrafung und Vergeltung, als vielmehr um die gesetzliche Möglichkeit der Aufklärung», fordert Hauser. Die Opfer hätten Gewissheit verdient.

Hinweis

«Hoffen auf Aufklärung», von Walter Hauser, im Limmatverlag, erscheint am kommenden Montag. Der Autor ist mit Lesungen in der Ostschweiz präsent am 25. September im Schloss Rapperswil, Kleiner Rittersaal, am 27. September in der Kulturhalle St. Margrethen, ab 11. Oktober an der Olma in St. Gallen und am 16. November im Hotel Sonne, Altstätten.

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