Mit positiver Anspannung ins Turnier

Mit seinen 31 Jahren zählt Mario Kohler zu den Routiniers im Schweizer Team. WM-Nervosität kennt er nicht – nur freudige Erwartung.

Robert Kucera
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Mario Kohler nimmt Mass für das genaue Zuspiel nach vorne zum Netz, wo die Offensivkräfte stehen. (Bild: Fabio Baranzini/Swiss Faustball)

Mario Kohler nimmt Mass für das genaue Zuspiel nach vorne zum Netz, wo die Offensivkräfte stehen. (Bild: Fabio Baranzini/Swiss Faustball)

Die Vorbereitungsphase auf die Weltmeisterschaft im eigenen Land hat für die Schweizer Nationalmannschaft längst begonnen. Bevor es am 11. August in Winterthur losgeht, holt sie sich in Interlaken den letzten Schliff. Unter den Nationalspielern, die nächstes Wochenende im Berner Oberland trainieren, befindet sich der Buchser Mario Kohler, der für Faustball Widnau spielt.

Die Schweiz will nicht nur in der Rolle als WM-Gastgeber glänzen. Top-Leistungen auf dem Spielfeld werden ebenso gefordert. «Erstmals trainieren wir nur noch mit dem für die WM selektionierten Kader», betont Kohler die Wichtigkeit des Zusammenzugs. Wie er weiter ausführt, werde man direkte Zuspiele und die Laufwege ebenso trainieren wie die Abstimmungen in allen Formationen.

Mentale Stärke spricht für Deutschland

Die Zeit in Interlaken muss von der Schweizer Nati gut genutzt werden. Will man den Klassenprimus Deutschland ernsthaft herausfordern, sind neben den Fertigkeiten am Ball auch die richtige Taktik gefragt, und Formstärke. Letzteres bereitet dem 31-Jährigen keine Sorgen.

«Meine Formkurve ist in letzter Zeit so angestiegen, dass ich mir um meine WM-Selektion keine Gedanken machen musste»,

erklärt er. Das Aufgebot kam nicht überraschend. Doch auch er als Stammspieler musste erst mal Leistung zeigen, ehe die WM-Teilnahme unter Dach und Fach war.

Mario Kohler ist eine fixe Grösse in der silbernen Ära der Schweiz. Die Heim-WM ist nun aber der richtige Ort, um einen Schritt vorwärtszumachen. Bedenken, dass sich der Ruf des ewigen Zweiten in den Köpfen der Nationalspieler förmlich eingebrannt hat, hat er nicht: «Es ist ein Ansporn für uns, das zu beenden.» Zuletzt war jeweils das Motto der Schweizer, den Final zu erreichen – und dann sei alles möglich. «Doch wir haben in den letzten Jahren so viel probiert, waren immer ganz nahe dran, sodass nur noch der Sieg das Ziel sein kann», spricht Kohler Klartext.

Doch der Widnauer Faustballer weiss um die Stärken Deutschlands: «Sie sind uns ein bisschen im mentalen Bereich überlegen. Dann, wenn es drauf ankommt, sind sie unglaublich stark.» So hat der nördliche Nachbar in entscheidenden Spielsituationen auch das Glück auf seine Seite zwingen können. Auch punkto Technik, erklärt Kohler, seien die Deutschen einen Tick besser. Doch die Schweiz hat einen Trumpf:

«Teamgeist ist das A und O»,

erläutert der Werdenberger. «Dies hat die Schweiz in den letzten Jahren so stark gemacht. Wir sind ein gutes Kampfteam geworden.» Im Fight um den WM-Titel sind somit nicht nur Form, Technik und Taktik die siegbringenden Faktoren. «Der Teamspirit wird über Erfolg oder Misserfolg entscheiden.»

Von zentraler Position aus die Abwehr koordinieren

Ausserdem verfügt die Nati der Ausgabe 2019 über neue Stärken. «Wir sind variabler geworden.» Damit meint er, dass die Spieler auf verschiedenen Positionen agieren können, ohne dass im Team ein Substanzverlust auszumachen ist. Zudem hat man in einem Punkt den grossen Rivalen Deutschland eingeholt. Denn im internationalen Vergleich ist es ein Vorteil, wenn das Offensiv-Duo aus jeweils einem Links- und Rechtshänder besteht. Am Netz ergeben sich so mehr Möglichkeiten, um punktbringende Bälle zu schlagen.

Wie Mario Kohler von sich sagt, sei er mit seinen 1,72 Meter für den Angriff zu klein. «Ich bin dafür schnell, was ein Vorteil in der Mitte ist.» Der 31-Jährige koordiniert von seiner zentralen Position aus die Abwehr.

«Ich muss viel dirigieren, der Mannschaft sagen, wie sie sich zu verschieben hat. Es gilt, den Ball der gegnerischen Mannschaft so gut wie möglich zu entschärfen.»

Ist dies der Fall, kommt es zum Gegenangriff. Hier widmet sich Kohler seiner zweiten Aufgabe: dem Zuspiel.

Faustball in der Schweiz bekannter machen

Die hohe Erwartungshaltung sorgt beim Werdenberger aber nicht für schlaflose Nächte. «Ich empfinde es als Motivation und überhaupt nicht als Druck.» Vor wichtigen Spielen ist Kohler nicht mehr nervös. Viel mehr spricht er von einer «positiven Anspannung».

Mit grosser Vorfreude blickt er auf die Heim-WM in Winterthur, auch wenn diese auf den ersten Blick eine zusätzliche Bürde darstellt. «Es ist eine mega Chance für uns, Faustball in der Schweiz bekannter zu machen», so Kohler. Weiter erzählt er, dass sehr viele Kollegen schauen kommen, und er wird häufiger als sonst auf sein Hobby angesprochen.